Menü
- Stadt & Rathaus
- Bildung & Soziales
- Umwelt & Klima
- Kultur & Freizeit
- Mobilität & Stadtbild
- Wirtschaft & Wissenschaft
Wie plant man eine Planstadt weiter? Karlsruhe hat sich für ein innovatives Verfahren entschieden, bei dem der gesamte Prozess öffentlich diskutiert wird.
Mittlerweile wurden die Inhalte des Räumlichen Leitbildes überprüft – nicht nur, weil ein regelmäßiges Monitoring darin als feste Aufgabe verankert ist, sondern auch, weil sich die politischen, gesellschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen spürbar verändert haben. Der Gemeinderat nahm das erste Monitoring zum Räumlichen Leitbild im November 2024 zur Kenntnis und befürwortete, das Leitbild in enger Abstimmung mit dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2040“ (ISEK 2040) weiterzuentwickeln.
Zentrale Erkenntnisse:
Download Monitoring 2024 40 MB (PDF)
In Karlsruhe passiert viel: Die Innenstadt gleicht in weiten Bereichen einer großen Baustelle. Das Verkehrssystem wird umgebaut, Problemfelderwerden entschärft und die Stadt rüstet sich für die Zukunft. Warum braucht es neben den zahlreichen Einzelplanungen und dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2020 nun noch ein Räumliches Leitbild? Wie entsteht es? Und was ist überhaupt ein räumliches Leitbild?
In der Planungsfachliteratur wird ein Räumliches Leitbild definiert als „eine anschauliche, übergeordnete Zielvorstellung von einem Raum, der von der Mehrheit der angesprochenen Menschen und Institutionen mitgetragen werden soll, das raumbedeutsame Handeln Einzelner leiten und so die räumliche Entwicklung lenken soll“. Es geht also um eine übergeordnete, räumliche Idee für Karlsruhes Zukunft.
Soll die bestehende Idee der Fächerstadt weiterentwickelt werden oder bedarf es eines neuen Gegenentwurfs zur streng formalen Stadtstruktur? Was könnte die (neue) konzeptionelle Leitidee für die zukünftige Planung der wachsenden Stadt Karlsruhe sein? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Stadt und Freiraum? Diese und weitere grundsätzliche Fragen sind der Ausgangspunkt für die Entwicklung des Leitbilds.
Karlsruhe ist eine wachsende Stadt. Wie alle großstädtischen Räume müssen sich die Stadt und die Region Karlsruhe zudem mit den Herausforderungen der Klimaanpassung, der Alterung und weiteren Differenzierung der Gesellschaft sowie mit dem notwendigen sparsamen Umgang mit Flächen auseinander setzen.
Deshalb erarbeitete die Stadt in den vergangenen Jahren diesbezügliche Grundlagen und Pläne, so liegt seit Ende ein „Karlsruhe 2020: Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK)“ vor. Vor dem Hintergrund, den bestehenden Entwicklungsdruck mit den Vorgaben des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ohne großes Flächenwachstum zu einem zukunftsfähigen räumlichen Gerüst zu entwickeln, erscheint gerade die Konkretisierung der räumlichen Strategien in einem Leitbild notwendig. Mit der Erstellung eines Räumlichen Leitbildes können einerseits die im Rahmen des ISEK angedeuteten „Verräumlichungen/Verortungen“ fortgeführt, aber auch weitere Fragestellungen sowie mögliche zukünftige Potenziale und Impulse für die Stadtentwicklung erkundet werden.
Karlsruhe hat sich für ein außergewöhnlich öffentliches Leitbildverfahren entschieden. Begonnen wurde es mit der Voruntersuchung „Zehn Fragen an Karlsruhe“, welche als Grundlagen für eine Ausstellung im Sommer 2013 diente. Im Rahmen einer öffentlichen Planungswerkstatt wurden von Januar bis Juni 2014 von drei interdisziplinären Planerteams drei Konzepte erarbeitet und vergleichend diskutiert. Auf dieser Basis wurde dann an einem einheitlichen Leitbild-Entwurf weitergearbeitet.
Zum Stadtjubiläum 2015 wurde der Prozess und seine Ergebnisse in einer Ausstellung mit umfassenden Begleitprogramm öffentlich vorgestellt. Bis Ende 2016 folgte die Abstimmung und Ausarbeitung des Leitbildes zu einem beschlussfähigen Rahmenplan für Karlsruhe.
Auf die Planungswerkstatt folgte die „Synopse“ und die Erarbeitung des Entwurfs zum Leitbild unter dem Titel „Die Stadt neu denken“
Auf die Zehn Fragen an Karlsruhe folgen nun Ideen der drei ausgewählten Planungsteams. Der Doppelpunkt, das neue grafische Leitmotiv für die Planungswerkstatt, lässt viel Raum davor und dahinter.
Im Frühjahr 2013 wurde die Voruntersuchung zum Räumlichen Leitbild 2015 abgeschlossen und mit zehn Fragen Schlüsselthemen für den weiteren Prozess formuliert.
Die Schlüsselthemen der Voruntersuchung wurden im Sommer 2013 im Stadtmuseum gezeigt.
Ungewöhnlich früh wurden sowohl die Politik als auch die breite Öffentlichkeit in den mehrstufigen Prozess einbezogen. Entgegen üblicher Verfahren wurden die Empfehlungen für ein Räumliches Leitbild nicht erst nach Abschluss der Fachplanungen im Stadtrat und in der Öffentlichkeit präsentiert. Das Stadtplanungsamt Karlsruhe hat sich gemeinsam mit dem Fachgebiet Stadtquartiersplanung des Karlsruhe Instituts für Technologie (KIT), das den Prozess begleitet, dazu entschieden, bereits die Ausgangsüberlegungen und Zwischenschritte öffentlich zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Begonnen hat der öffentliche Leitbildprozess 2013 mit der Ausstellung „Die Stadt neu sehen – Zehn Fragen an Karlsruhe“ im Stadtmuseum. Die Findung der Schlüsselthemen für das Räumliche Leitbild wurden als „Work-in-Progress“ in der Ausstellung vermittelt und im Rahmen eines Begleitprogramms diskutiert. Die Erarbeitung von drei Leitbildkonzepten fand im ersten Halbjahr 2014 mit der „Planungswerkstatt Räumliches Leitbild Karlsruhe 2015“ ebenfalls öffentlich statt. Was im Rahmen der Planungswerkstatt von den beteiligten Teams, den involvierten Expertinnen und Experten und interessierten Karlsruherinnen und Karlsruhern zum Räumlichen Leitbild erarbeitet worden ist, dient nun als Basis für die Ausformulierung des Leitbildes. Zum 300. Geburtstag der bekanntesten Planstadt Deutschlands wird das Ergebnis im Rahmen einer Ausstellung 2015 gezeigt und dient als Grundlage für ein zukunftsfähiges räumliches Gerüst der Stadt.
Der Leitbildprozess bietet mit seinem umfangreichen Veranstaltungsprogramm vielfältige Plattformen des öffentlichen Diskurses: unter anderem mit den Diskussionsformaten „Stadtansichten 1+2“ (Begleitprogramm 2013), den Workshops der Planungswerkstatt 2014 und den Folgeveranstaltungen, die in Reflexion der Ergebnisse der Planungswerkstatt und in Vorbereitung auf die Ausstellung zum Stadtjubiläum 2015, im Herbst 2014 stattfinden werden. Im Rahmen der Ausstellung 2015 wurde das Begleitprogramm nochmals um Stadtspaziergänge, spielerische Herangehensweisen durch Theater und Kinder-Projekte, sowie Vortragsabende zum gemeinsamen Diskutieren erweitert (Begleitprogramm 2015).
Seit Beginn der Planungswerkstatt haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Anregungen zur zukünftigen Entwicklung Karlsruhes auf dem Facebook-Auftritt des Räumliche Leitbild Karlsruhe 2015 zu posten und zu diskutieren. Zusätzlich werden immer wieder nach Bedarf Online-Werkzeuge zur Rückmeldung und Kommentierung aufgesetzt.
Ideen und Anregungen zum Räumlichen Leitbild konnten auf Kommentarkarten während der Ausstellung 2013 (208 Kommentare) und der Planungswerkstatt 2014 (50 Kommentare) eingereicht werden. Diese wurden den Planungsteams zur Verfügung gestellt. Außerdem fließen sie in die Ausstellung 2015 und den weiteren Leitbildprozess mit ein. Dort wurde die Kommentarmöglichkeit wieder rege genutzt (102 Karten). Die Auswertung der nun sehr konkreten Rückmeldungen zum Leitbild wird bei der Ausformulierung des Leitbildes nochmals die Schwerpunkte überprüfen können.
Auftraggeberin des Verfahrens ist die Stadt Karlsruhe unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Dr. Frank Mentrup. Die Verantwortung für die Durchführung des Verfahrens liegt beim Stadtplanungsamt Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Stadtquartiersplanung des KIT. Die inhaltliche Begleitung der Arbeit der Teams während der Planungswerkstatt erfolgte durch ein Beurteilungsgremium, bestehend aus externen Sachverständigen und Fachexperten und -expertinnen der Stadt Karlsruhe sowie weitere Akteurinnen und Akteure.
Seit Dezember 2016 ist der Rahmenplan Räumliches Leitbild beschlossen und die Stadt arbeitet intensiv damit weiter.
Zum Thema Gewerbeentwicklung sind bereits zwei ganz unterschiedliche Projekte entstanden: Reload Technologiepark mit einer Nachverdichtung des Clusters durch einen neuen Bebauungsplan sowie der Rahmenplan Grünwinkel zur Aufwertung eines der ältesten Gewerbegebiete, die Karlsruhe hat. Auch das Thema Höhenentwicklung wurde bereits in Form einer ersten Öffentlichkeitsbeteiligung zu der Frage „Wie hoch will Karlsruhe hinaus?“ angegangen. Zum Thema „Mehr Wohnen“ liegen für verschiedene Wohnungsbau-Quartiere sogar schon ausgearbeitete Entwürfe und Wettbewerbsergebnisse vor, die derzeit in die Feinabstimmung gehen.