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Hochwasserschutz

Der Klimawandel und daraus resultierende extreme Wetterereignisse sind in den letzten Jahren immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten. Hochwasserschutz und der Umgang mit Starkregenereignissen zählen zu den zentralen Aufgaben von Kommunen und Gebietskörperschaften. Die Stadt Karlsruhe stellt sich schon seit vielen Jahren dieser Herausforderung.

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme von einem Hochwasserrückhaltebecken in Karlsruhe.
Das Bild zeigt ein Hochwasserrückhaltebecken in Karlsruhe.
Das Bild zeigt ein Hochwasserrückhaltebecken in Karlsruhe.

Umgang mit Starkregenereignissen

Hochwasserschutz und Umgang mit Starkregenereignissen bleibt für Karlsruhe Daueraufgabe

Der Klimawandel und daraus resultierende extreme Wetterereignisse sind in den letzten Jahren immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten.

Vor allem die schockierenden Nachrichten über die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal vom Juli 2021 haben deutlich gemacht, dass Hochwasserschutz und Umgang mit Starkregenereignissen zu den zentralen Aufgaben von Kommunen und Gebietskörperschaften zählen.

Die Stadt Karlsruhe stellt sich schon seit vielen Jahren dieser Herausforderung. Zahlreiche Projekte wurden bereits umgesetzt, doch es gibt auch in Zukunft noch einiges zu tun.

Schutz und Vorsorge bleiben Daueraufgaben.

Dies betrifft sowohl den Hochwasserschutz an den Fließgewässern als auch die Vorsorgemaßnahmen gegen lokale Starkregenereignisse. Bei Letzteren beobachten Meteorologen in jüngster Zeit eine Zunahme sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Intensität. Auffällig oft waren 2021 in Deutschland sehr unterschiedliche Regionen von Hochwasser und Starkregen betroffen, wie im Juni in unmittelbarer Nähe der Großraum Stuttgart, Pforzheim und Karlsbad.

Aber auch schon in der Vergangenheit gab es in Karlsruhe bereits verschiedene Hochwasser- und Starkregenereignisse, so etwa im Mai 2013, Juni 2016 und Juni/Juli 2021. Zu unterscheiden ist dabei zwischen sogenannten lokalen Starkregenereignissen, die weder räumlich noch zeitlich exakt vorsehbar sind, und den klassischen Hochwasserereignissen an Fließgewässern, dem Flusshochwasser.

 

Von besonderer Bedeutung für den Hochwasserschutz in Karlsruhe ist das Flussgebiet der Alb, da dieses weite Teile des Stadtgebiets berührt.

Das große Hochwasser 1978 mit der Überflutung der Autobahn hatte seinerzeit die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen eindrücklich aufgezeigt, so dass Karlsruhe gemeinsam mit der Nachbarstadt Ettlingen in der Folge ein Hochwasserschutzsystem errichtete. Dank stetig verbesserter Methoden zur Erstellung von Hochwassergefahrenkarten ist das relativ kleinräumige Einzugsgebiet der Alb inzwischen gut erfasst. Eine zuverlässige Vorhersage von Hochwasserwellen und die Berechnung der zu erwartenden Wassermengen ist möglich.

Im Zuge der Aktualisierung der Hochwasserstatistik und fortschreitender klimatischer Veränderungen wurde deutlich, dass das in den 1980er Jahren errichtete Hochwasserschutzsystem der Alb heute nicht mehr ausreichend ist. Welch hohes Gefahrenpotenzial insbesondere in kleinen Flussgebieten wie dem Albtal besteht, hat zuletzt die Katastrophe im Ahrtal nachdrücklich aufgezeigt.

Daher planen die Städte Ettlingen und Karlsruhe seit mehreren Jahren gemeinsam die Wiederherstellung des 100-jährlichen Hochwasserschutzes an der Alb.

Hochwasser- und Naturschutz in Einklang zu bringen, ist in einem so dichtbesiedelten Raum mit den zahlreichen Anforderungen an die Flächen eine komplexe Aufgabe. Ausgehend von der aktuellen Hochwasserstatistik besteht für die Städte Ettlingen und Karlsruhe heute nur noch ein Schutz vor einem etwa 23-jährlichen Hochwasserereignis. Im Falle eines statistisch gesehen einmal in 100 Jahren auftretenden Hochwasserereignisses und unter Berücksichtigung des Klimaänderungsfaktors würde es auf Karlsruher Gemarkung aufgrund der Überlastung der bestehenden Rückhalteräume Weiherwald, Salmenwiesen und Oberwald zu weiträumigen Überschwemmungen kommen. Auf Gemarkung Ettlingen wäre vor allem die Kernstadt mit der historischen Altstadt erheblich betroffen.

Um dem entgegenzuwirken, haben die Städte Ettlingen und Karlsruhe in den vergangenen Jahren in verschiedenen Stufen Untersuchungen durchgeführt. Ergebnis hieraus ist die Entscheidung zum Bau eines Rückhaltebeckens oberhalb von Ettlingen inklusive kleinerer Anpassungsmaßnahmen bei den Zuleitungen und Rückhalteräumen auf der Gemarkung Karlsruhe am Erlengraben und im Weiherwald. Derzeit werden die Genehmigungsunterlagen vorbereitet mit dem Ziel, 2022 den Planfeststellungsantrag zu stellen.

 

Genauso wie am Rhein wird auch beim Albhochwasser durch einen 24/7 Betrieb der planmäßige Hochwasserabfluss der Alb sichergestellt. Hierbei ist die Verteilung auf die drei Retentionsräume Weiherwald, Salmenwiesen und Oberwald von besonderer Bedeutung.

Die Hochwasserereignisse der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass dieses Konzept aus den 80er Jahren inzwischen überholt ist. Die Hochwasserspitzen und -mengen haben sich um circa 30 Prozent erhöht und werden durch die Klimaänderung vermutlich um weitere 15 Prozent steigen.

Dies hat die Städte Ettlingen und Karlsruhe veranlasst eine Wiederherstellung des 100-jährlichen Hochwasserschutzes zu planen. Um die Planung mit dem tragfähigsten Kompromiss und der breitesten Akzeptanz zu erreichen, findet die Lösungsfindung im Rahmen eines ergebnisoffenen Konsensgespräches mit den Naturschutzverbänden, -behörden, Genehmigungsbehörden und den Vorhabenträgern statt.

Neben der Alb gibt es im Stadtgebiet viele kleinere Gewässer mit Hochwasserpotential. Aufgrund der topografischen Lage betrifft dies insbesondere Nebengewässer in den Höhenstadtteilen.

Dafür unterhält die Stadt Karlsruhe fünf Hochwasserrückhaltebecken und 30 weitere offene Rückhaltesysteme. Insgesamt haben die Systeme bei vielen Ereignissen sehr gut funktioniert und so Bebauung wie Infrastruktur vor größeren Schäden bewahrt. Dennoch ist es erforderlich, den Ausbau der Becken an die aktuellen Anforderungen anzupassen. So wurde in den vergangenen Jahren das Rückhaltebecken Lustgarten in Hohenwettersbach ertüchtigt.

Des Weiteren ist es vorgesehen, das Hochwasserrückhaltebecken Zennerklamm in Stupferich zu erweitern.

 

Starkregenereignisse sind lokal begrenzte Regenereignisse mit großer Menge und Intensität. Sie sind meist von sehr geringer räumlicher Ausdehnung und kurzer Dauer. Somit kann das jeweilige Ereignis nur sehr schwer eingeschätzt werden.

Zu unterscheiden ist hier zwischen Ereignissen in der Ebene und in Hanglage. Da die Höhenstadtteile zur Hanglage zählen, ist hier verstärkt mit einem Risiko von schnell abfließendem Wasser sowie mitgeführtem Erd- und Geröllmaterial zu rechnen. Im Gegensatz dazu besteht im Stadtgebiet eher die Gefahr, dass sich Mulden oder unter dem Geländeniveau liegende Bauwerke, wie etwa Unterführungen, sehr schnell mit großen Wassermengen füllen.

Das Karlsruher Kanalsystem ist entsprechend aller gültigen Richtlinien bemessen und für eine langfristige Entwicklung ausgelegt. Allerdings lässt sich ein Kanalnetz aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht für extreme Regenereignisse jeglicher Größenordnung auslegen. Daher sind Risikobetrachtungen und Abwägungen im Rahmen des Katastrophenschutzes erforderlich.

Bei der Stadt kümmern sich darum im Einsatzfall Führungs- und Verwaltungsstäbe. Zusätzlich wird ein Arbeitskreis, bestehend aus verschiedenen Fachämtern, ein Risikomanagement für Starkregen entwickeln. In Zukunft geht es vor allem darum, Risiken aus Wetterextremen als kommunale Gemeinschaftsaufgabe gemeinsam mit den Bürgern zu erkennen und mögliche Vorsorgemaßnahmen und Strategien zu entwickeln. Das Tiefbauamt berät Bürger und Bauherren im Einzelfall auch zu Fragen des Objektschutzes und zu den Möglichkeiten der Starkregenvorsorge.

Überflutungsschutzmaßnahmen von öffentlicher Seite können nur einen begrenzten Schutz bieten. Ergänzend dazu ist es daher erforderlich, dass die Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer eigenverantwortlich Objektschutz betreiben. Das Tiefbauamt berät hier im Rahmen der Entwässerungsgesuche und auch individuell im Einzelfall.

Eine wichtige Daueraufgabe ist die Sensibilisierung der Bürgerschaft für mögliche Naturgefahren.

Dabei sind grundsätzlich drei Phasen zu unterscheiden:

  1. Vorsorge: langfristig angepasstes Verhalten und Check der persönlichen Situation im Lebensumfeld und Wohnumfeld.
  2. Im Vorfeld: Maßnahmen unmittelbar vor einem möglichen Ereignis, zum Beispiel bei konkreten Unwetterwarnungen.
  3. Akut: Verhalten während eines Unwetters.

Dazu gibt es von den zuständigen Behörden für Katastrophenschutz umfangreiche Informationen und Checklisten im Internet.
Die Wichtigsten sind am Ende der Webseite aufgelistet.

 

Mit den Themen Klimawandel und den entsprechenden Schutzkonzepten rückt auch das Thema Regenwasserbewirtschaftung in der städtebaulichen Planung weiter in den Vordergrund.

Ziel aller Planungen muss ein möglichst naturnaher Wasserhaushalt in bebauten Gebieten sein. Nur so kann eine Anpassung an künftige Wetterextreme mit langen Trockenphasen und plötzlichem Starkregen gelingen.

Das örtlich anfallende Regenwasser wird im Gebiet behalten und Abflussspitzen werden reduziert.

Beim Anteil der Versiegelung, der Gestaltung von Freiflächen, der Infrastruktur und der geplanten Bebauung (einschließlich Dächer) ist dies zu berücksichtigen. Durch frühzeitige Einbindung in die städtebauliche Planung, können die Maßnahmen der Regenwasserrückhaltung und -speicherung - gemäß dem Prinzip einer "Schwammstadt" - mit multifunktionaler Flächennutzung in die zukünftige Stadtentwicklung in Karlsruhe eingebracht werden.

Dies wurde bereits mehrfach erfolgreich umgesetzt, wie etwa in den Konversionsgebieten Knielingen 2.0, Kirchfeld Nord oder im Erschließungsgebiet Technologiepark. Auch in Zukunft liegt bei städtebaulichen Planungen für künftige Wohngebiete in Karlsruhe ein besonderes Augenmerk auf der Regenwasserbewirtschaftung.

Neben dem Ausbau der Gewässer und der Sicherung vor Hochwasser durch Dämme und Deiche, ist die Rückhaltung eine wichtige Maßnahme.

Insgesamt 35 offene Rückhaltebecken werden unterhalten. Diese Regen- und Hochwasserrückhaltebecken schützen die Unterlieger vor Überschwemmung und Überflutung durch Hochwasser und Starkregenereignissen.

Bau und Betrieb dieser Anlagen sind vorrangige Aufgabenbereiche.

Gerade im Hochwasserfall müssen die Anlagen des technischen Hochwasserschutzes kontrolliert und unterhalten werden. Dies geschieht nicht nur bei den städtischen Anlagen – auch die Rhein- und Pfinzdämme des Landes werden bei Hochwasser kontrolliert.

Diese Kontrolle findet traditionell im Rahmen der Wasserwehr statt. Am Rhein beginnt bei einem Pegelstand von 7,5 Meter am Pegel Maxau, wenn die Schifffahrt eingestellt und das Hafensperrtor geschlossen wird, der 24-stündige Einsatz an allen Wochentagen.

Aber wie alle technischen Schutzeinrichtungen endet der Schutz bei einem außergewöhnlichen Ereignis, hier muss die Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger einsetzen.

Nützliche Hinweise hierzu finden Sie in der Infoblatt "Schutz vor Kellerüberflutung der Stadt Karlsruhe und auf den Webseiten der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA).

Jeder Bürger kann sich über seine Hochwassergefährdung informieren. Hierzu stellt das Land Baden-Württemberg eine Hochwassergefahrenkarte zur Verfügung.

Weitere Informationen

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