Am Samstag, 7. Juni, fand der „Christopher Street Day“ (CSD) statt. Die Teilnehmenden demonstrieren dort für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung queerer Menschen – darunter unter anderem lesbische, schwule, bisexuelle geschlechtsneutrale oder Transpersonen – aus der sich als „LGBTQIA+“ bezeichnenden Gemeinde. Dazu veranstaltete die Stadt Karlsruhe vorab einen „Regenbogenempfang“ am 4. Juni im Haus Solms mit rund 80 Teilnehmenden. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup erklärte, das Motto des diesjährigen CSD – „Nie wieder still!“ – könne nicht aktueller sein: 2024 seien bundesweit 2.917 Straftaten gegen queere Menschen registriert worden – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023 (1.785). Das sei nur ein Teil der Realität: Laut einer Dunkelfeldstudie meldeten 90 Prozent der queeren Menschen Übergriffe aus Angst, von der Polizei nicht ernst genommen zu werden, nicht. Ein politischer Rechtsruck gefährde weltweit hart erkämpfte Freiheiten. Die Stadtgesellschaft dürfe nicht zulassen, dass Fortschritte rückgängig gemacht würden, sondern müsse laut und entschlossen für die Rechte der queeren Gemeinschaft eintreten.
Flammer: Queere Kultur sei "Kultur der Liebe"
Kat Flammer vom CSD Karlsruhe e.V. hob die Besonderheit des Regenbogenempfangs hervor – der zunehmende Hass gegenüber queeren Menschen mache traurig und müde. Queere Kultur sei „eine Kultur der Liebe“, im Kern gehe es nur um sie – die Liebe zueinander und zu sich selbst, verbunden mit der Freiheit, Leben zu dürfen, wie die Menschen sind. Cal Engelhardt von queerKAstle – Queeres Zentrum Karlsruhe verwies auf die Begegnungsstätte, die durch viel ehrenamtliche Unterstützung betrieben werde. Damit sei eine zentrale Anlaufstelle entstanden, die Menschen ein zweites Zuhause böte. Im Rahmenprogramm des Empfangs sang der Lesbenchor WEIBrations (unser Bild).
Der CSD wurde in Karlsruhe mit einem Umzug durch die Innenstadt und einem Familienfest am 7. Juni sowie einem Abschluss-Event am 8. Juni gefeiert, rund 11.000 Menschen nahmen teil. Der Tag wurde ursprünglich 1969 durch einen Aufstand in New York geprägt und wird mittlerweile in mehreren tausend Städten begangen. In Karlsruhe wurde die Veranstaltung erstmals 1984 organisiert, seit 2010 wird sie jährlich vom Verein CSD Karlsruhe e.V. veranstaltet.