Menü
eService
Direkt zu
Suche

Einbürgerungsfeier: Vielfalt und Willkommenskultur

508 Karlsruher Neubürgerinnen und Neubürger erhalten 2023 einen deutschen Pass

Einbürgerungsfeier 2023 im Konzerthaus Andrés González-Castellón (re.) mit seiner Frau Katy Mamukashvili und OB Mentrup im Konzerthaus © Stadt Karlsruhe, Boris Burghardt

Warum er "so ein schönes Land" verlassen habe, werde er öfters mal gefragt. Für Gilberth Andrés González-Castellón, 1993 in Costa Rica geboren, war früh klar: er wollte nicht jeden Tag aufs Neue überlegen, ob er etwas zu Essen habe. Ihn störte die hohe Kriminalität in der Heimat, er war entrüstet von der Korruption. Mit 19 begann er sich selbst Deutsch beizubringen, ergriff bald schon die Chance einer Au-pair-Stelle im Südschwarzwald, begann ein Studium in Karlsruhe. Seit 2014 ist er in Deutschland – seit diesem Jahr auch deutscher Staatsbürger.

Am vergangenen Montag nahm der 30-Jährige, der inzwischen als Hörgeräte-Akustiker arbeitet, aus den Händen von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup formal die Einbürgerungsurkunde in Empfang – an der Seite seiner aus Georgien stammenden Frau Katy Mamukashvili, die er 2015 im Sprachkurs kennenlernte.

Neubürger aus 58 Ländern

González-Castellón ist einer von 508 Neubürgerinnen und Neubürgern, darunter 53 Kinder – aus 58 Ländern, die in diesem Jahr in Karlsruhe den deutschen Pass erhielten. Bei der Einbürgerungsfeier im Konzerthaus hielt González-Castellón, stellvertretend für andere, eine kurze Ansprache, in der er mit viel Humor und Emotionen "seinen Weg in die Fächerstadt" beschrieb. Er äußerte sich "extrem dankbar für alles" was er hier erleben durfte.

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup sagte, es brauche Mut, aufzubrechen "und alles was man kennt hinter sich zu lassen und an einen anderen Ort zu gehen". Er sprach von Vielfalt und Willkommenskultur. Knapp 40 Prozent der Karlsruher hätten einen Migrationshintergrund. Ihre Einbürgerung stärke "unsere Gemeinschaft und trage zu einer offenen, toleranten und inklusiven Stadt bei".

Oberbürgermeister zitierte "fiktive" Lebenswege in der sich manche wiedererkennen

Chancen nutzen wollte beispielsweise auch der IT-Spezialist Sameer Gupta aus Indien, der innerhalb von nur sechs Monaten eingebürgert wurde. OB Mentrup zitierte in seiner Ansprache drei "fiktive" Lebenswege, die beispielhaft für andere stehen können: etwa in dem Diplomatenkind Anna, das seine Kindheit in verschiedenen Ländern verbrachte, und sich nun für Deutschland entschieden habe; oder den Flüchtling Ahmed, der über das Mittelmeer hier her kam – und schließlich Liam aus einer kleinen Stadt in Irland mit begrenzten Möglichkeiten der Arbeit. Mentrup wollte an den Beispielen vor Augen führen wie individuelle Lebenswege aussehen können, in den sich die Anwesenden der Feierstunde im Konzerthaus wiedererkennen können.

So wie ein Paar aus Osteuropa: Mit ihren zwei Kindern bei der Feier im Konzerthaus zugegen waren Viktor und Tatiana Schmalz: er kam schon 1996 als Spätaussiedler aus Kasachstan nach Deutschland. Seine russische Frau lernte er beim Urlaub in Ungarn kennen – sie heirateten vor acht Jahren in Moskau und führten vier Jahre lang eine Fernbeziehung. Die beiden sechs und ein Jahr alten Kinder Raphael und Fabian sind in Karlsruhe geboren – die Mutter Tatiana wollte sich, wie sie sagt, mit ihrem Antrag auf Einbürgerung nun auch endlich "zu ihrer deutschen Familie bekennen".

"Alle Hautfarben und Kulturen einzigartig und unverwechselbar"

Weitere Teilnehmer der Feier im  Konzerthaus waren beispielsweise auch Faisal und einige seiner Verwandten, die vor dem Bürgerkrieg in Somalia geflohen sind und jetzt als Paketfahrer arbeiten. Farida ist Kommunikationswissenschaftlerin und stammt wie Maria Eunice, die jetzt als Artdirektorin arbeitet, aus Indonesien. Sie kamen nach Deutschland, um hier zu studieren. Karlsruhes Oberbürgermeister hatte für solche und vergleichbare Familiengeschichten ein Zitat der US-amerikanischen Schriftstellerin Gwendolyn Brooks parat: "Uns eint die Tatsache, dass alle Hautfarben und alle Kulturen einzigartig und unverwechselbar sind".        

Einbürgerungsfeier 2023 im Konzerthaus

-

Kopieren Kopieren Schreiben Schreiben