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Die Europahalle Karlsruhe ist nach der Brandschutzsanierung wieder fit für die sportliche Zukunft
Lange war sie das sportliche Herz Karlsruhes, bis sie wegen gravierender Brandschutzmängel vor dem Aus stand. 2014 wurde die Europahalle für große Events geschlossen, ein Abriss schien wahrscheinlich. Doch die Stadt entschied sich für den Erhalt und so wurde aus der Ikone von gestern eine moderne Halle mit Geschichte. 2024 feierte sie ihr Comeback.
„Man kann die alte Europahalle wiedererkennen, so wie sie konzipiert wurde: als Sportstätte.“
Sie ist aus dem Stadtbild im Karlsruher Westen nicht wegzudenken: Die Europahalle, zwischen 1981 und 1983 nach Plänen des Architekturbüros Schmitt, Kasimir + Partner erbaut, war jahrzehntelang das (nicht nur) sportliche Herz der Stadt. Dank ihrer stützenfreien Dachkonstruktion mit großer Spannweite – typisch für Mehrzweckhallen der 1970er- und 80er-Jahre – hatten hier zeitweise bis zu 9.000 Menschen freie Sicht auf das Geschehen im Zentrum.
Die Halle, deren rechteckiger Baukörper sich mit klarer Linienführung und reduzierter Fassadengestaltung bewusst funktional zeigt, wurde ursprünglich als Großsporthalle mit leichtathletischen Anlagen und einer 200-Meter-Tartan-Rundbahn konzipiert. Ihre architektonische Besonderheit: eine an Seilbindern aufgehängte Konstruktion, die eine rund 6.450 Quadratmeter große Hallenfläche stützenfrei überspannt – eine Ingenieursleistung, die nicht nur für Sportveranstaltungen ideale Bedingungen schuf, sondern auch für eine beeindruckende Atmosphäre sorgte. Durch die Absenkung der Nutzungsebene um ein Geschoss wurde zusätzlich Nähe und Dynamik für Publikum und Wettkampfteilnehmer*innen geschaffen. 2014 kam das vorübergehende Aus: Gravierende Mängel beim Brandschutz führten zur Schließung der Europahalle, nur noch Kleinstveranstaltungen mit maximal 200 Personen waren möglich. Die Stadt stand vor der Entscheidung: Neubau oder Sanierung?
Nach intensiven Diskussionen sprach sich der Gemeinderat 2019 für die Sanierung aus. Ein interdisziplinäres Team entwickelte gemeinsam mit Behörden tragfähige Konzepte. Im Mai 2021 begannen die Bauarbeiten unter der Leitung der Karlsruher Architekten Rossmann + Partner, 2024 erfolgte die Wiedereröffnung. Seither ist die Europahalle wieder für Sportveranstaltungen mit bis zu 4.800 Personen zugelassen.
Ein Kernthema waren die Fluchtwege. In der abgesenkten Spielfläche unter Geländeniveau gelangte man beispielsweise ehemals nur auf langem Wege über die Tribünen nach draußen. Nach der Sanierung führen drei neue Ausgänge direkt ins Freie. Die alte mobile Tribüne konnte aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwendet werden. Eine neue mobile Tribüne wurde installiert, die flexibel aufgestellt werden kann. Auch die Empore darf künftig aus Sicherheitsgründen nicht mehr für Publikum geöffnet werden, da eine Entrauchung bei Brand nicht gewährleistet ist.
Ziel war es, durch vorsichtige Eingriffe die ursprünglichen gestalterischen Qualitäten der Halle wieder sichtbar zu machen – einerseits durch den Rückbau zahlreicher im Laufe der Jahre hinzugekommener Einbauten und Möblierungen, andererseits durch gezielte Eingriffe wie eine neu abgestimmte Beleuchtung und die punktuelle Ergänzung ausgewählter Elemente. So wurden etwa Sportböden, Umkleidebereiche sowie sämtliche Trennvorhänge, Netze und Prallwände – nun allesamt schwer entflammbar und PVC-frei.
Viele Veränderungen bleiben für Besucher unsichtbar, saniert wurde vor allem im Bestand. Hunderte Rauchmelder und Lautsprecher sowie Kilometer neuer Leitungen wurden verbaut. Ein neues LED-Beleuchtungssystem bringt energiesparend Helligkeit in alle Bereiche: So wird in Zukunft nicht nur Strom gespart, sondern auch die CO2-Emissionen gesenkt. Ähnliches gilt für die Lüftungsanlage und die Heizung, die nach der Sanierung deutlich energiesparender und damit emissionsärmer betrieben werden können.
Zudem wird in Zukunft nicht zuletzt auch durch die modernisierte Shed-Verglasung in der Dachfläche – die übrige Außenhaut des Baus blieb von den Sanierungsmaßnahmen unberührt – der Wärmeverlust vermindert. Auf diese Weise können weitere rund acht Tonnen CO2 eingespart werden.
Das Catering konzentriert sich künftig auf die Nordseite der Halle. Dort entstand eine neue Hauptgastronomie mit Küche und Komplettangebot an der Stelle der rückgebauten Treppenanlagen im Osten und Westen. Ergänzend gibt es neue Ausgabestellen für Speisen und Getränke, einen zusätzlichen Getränkestützpunkt sowie eine Standfläche für Merchandising.
Die Kioske, die im Brandfall abgetrennt werden können, sind nun in markantem Gelb markiert – keine neue Erfindung, sondern ein bewusster Rückgriff auf die ursprüngliche Farbgestaltung, die sich an verschiedenen Elementen der Signaletik in der ganzen Halle wiederfindet. Die neue Farbe Gelb, die zuvor nicht verwendet wurde, harmoniert mit den Blau- und Türkistönen des Bestandsgebäudes und unterstützt durch den starken Kontrast die Orientierung in und außerhalb des Gebäudes. Am prägnantesten sichtbar ist dies vielleicht auf dem Vorplatz: Hier kündet eine gelbe Stele von der neuen alten „Europahalle“, die als eine Ikone der Sportstättenarchitektur erhalten werden konnte – modernisiert, aber mit Charakter.
| Architektur | Rossmann + Partner Architekten mbB, Karlsruhe |
| Projektleitung | Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft |
| Projektsteuerung | Hitzler Ingenieure GmbH & Co. KG, Stuttgart |
| Tragwerksplanung | Ingenieurgruppe Bauen, Karlsruhe |
| Brandschutzgutachten | LWKonzept, Stuttgart |
| Fachplanung Haustechnik | b.i.g. bechtold Ingenieurgesellschaft, Kaiserslautern |
| Fachplanung Elektrotechnik | Schindler Consult, Stuttgart |
| Aufzugsplanung | Hochmuth & Beyer, Ettlingen |
| Bauphysik | Kurz und Fischer, Winnenden |
| Küchentechnik | IVT GmbH, Karlsruhe |
| Signaletik | Unit Design, Frankfurt am Main |
| Lichtplanung | In Lph 8 lighting architects |
| Sicherheits- und Gesundheitkoordination | IWP, Wilfried Peter, Baden-Baden |
| Bauzeit | Juni 2021 - September 2024 |
| Gesamtaufwand | 30 Millionen Euro |
| Fotos | Dirk Altenkirch, Karlsruhe |
| Text | Dr. Simone Kraft |