Samstags fahren die Straßenbahnlinien tagsüber weiterhin im 10-Minuten-Takt. Das ist die gute Nachricht aus dem Gemeinderat für die Fahrgäste der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). Aber ein paar bittere Pillen gibt es für ÖPNV-Kundinnen und Kunden trotzdem zu schlucken, nachdem im Gremium ein zähes Ringen um das Einsparkonzept für die VBK seinen Abschluss fand.
So wird ab dem Fahrplanwechsel im Sommer – zunächst auf zwei Jahre befristet – auf allen Straßenbahnlinien der Zehn-Minuten-Takt morgens erst um 6 Uhr beginnen und abends schon um 19 Uhr enden. Ab 23 Uhr fahren die Bahnen dann nur noch alle halbe Stunde. Zudem entfallen die Verstärkerfahrten auf der Linie 3 zwischen Europaplatz und Tivoli. Auch im Busverkehr gibt es Abstriche, vor allem in Knielingen, Neureut, Hagsfeld, Grötzingen und der Nordweststadt. Hier entfallen einzelne Linien und werden durch Anruf-Linien-Taxis (ALT) ersetzt.
Rund 3,7 Millionen Euro pro Jahr
Für Letzteres hatten sich Grüne, CDU und SPD mit einem interfraktionellen Antrag stark gemacht, der eine Mehrheit fand. Der Antrag räumte zudem den Vorschlag der VBK ab, auf allen Tramlinien samstags im 20-Minuten-Takt und abends schon ab 21 Uhr alle 30 Minuten zu fahren. Nachteil des Beschlusses ist hingegen ein geringeres Einsparpotenzial: Anstatt knapp sechs Millionen Euro pro Jahr, wie von den VBK prognostiziert, lassen sich nach den Berechnungen der Verwaltung jetzt nur noch voraussichtlich bis zu 3,7 Millionen Euro jährlich einsparen. Einen Änderungsantrag der Volt-Fraktion auf weitestgehenden Verzicht von Kürzungen hätte gar nur noch gut eine Million gebracht, wurde aber mit großer Mehrheit abgelehnt.
Die jetzt erzielte Summe nannte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup dennoch einen "nennenswerten Beitrag" und attestierte dem Gemeinderat, er habe "seinen Job ernst genommen". Denn die Zahlen sind gewaltig: Von derzeit 117 Millionen Euro wird der Jahresfehlbetrag bei den VBK bis 2030 voraussichtlich auf rund 146 Millionen steigen
Die Verantwortung hierfür, so der Tenor von OB und Ratsfraktionen, liege indes größtenteils bei Bund und Land. Die dort verantwortlichen Politiker müssten endlich für eine auskömmliche Finanzierung des Nahverkehrs Sorge tragen. -eck-