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Quartiersküchen und Hülsenfrüchte

Stadtverwaltung organisierte zum zweiten Mal den Ernährungsgipfel / Austausch intensiviert

Zum zweiten Ernährungsgipfel hatte die Stadtverwaltung in die Karlskantine eingeladen. Regen Austausch gab es beim Ernährungsgipfel an den Thementischen. © Stadt Karlsruhe, Georg Hertweck

Was könnte als Symbol für die Veranstaltung besser geeignet sein als eine Pizza: Reich belegt, lecker – und vor allem eine runde Sache. So ließe sich auch der zweite Ernährungsgipfel beschreiben, zu dem die Stadtverwaltung vor kurzem in die Karlskantine eingeladen hatte. Auf der Zutatenliste standen unter anderem Quartiersküchen, Hülsenfrüchte in der Gemeinschaftsverpflegung, Direktvermarktung und Circular Economy. Damit alles gut gemischt wird, gab es zudem Zeit für den gegenseitige Austausch der Akteurinnen und Akteure.

Hierin sah Erste Bürgermeisterin Bettina Lisbach einen großen Vorteil. Durch eine intensivere Vernetzung "hat sich einiges getan". Als Beispiel nannte Lisbach Fortschritte in der Direktvermarktung etwa mit dem monatlichen Bauernmarkt am Alten Schlachthof, "ein wirklich toller Erfolg". Des Weiteren sollte bei der Schulverpflegung der Bio-Anteil weiter erhöht und beim Food-Sharing die Aktivitäten verstärkt werden. "Hier sind viele tolle Aktivitäten am Laufen", freute sich die Erste Bürgermeisterin, "das alles hilft uns weiter". 

 

Zum zweiten Ernährungsgipfel hatte die Stadtverwaltung in die Karlskantine eingeladen.

Beiträge zur gesellschaftlichen Transformation

Dass Ernährung alle angeht und globale Dimensionen hat, verdeutlichte Wanda Wieczorek vom Institut für Technikfolgenabschätzung ITAS des KIT. Ein Drittel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen entfielen auf den Ernährungssystem. Dieses "bietet mehr als genug Stoff, um es ein Leben lang zu erforschen". Beiträge zur gesellschaftlichen Transformation fänden dabei sehr oft in kleinen Schritten statt, so Wieczorek, und damit auch von lokalen Initiativen getragen. Auch das ITAS verstehe sich als Teil der Praxis, etwa mit der Arbeit im Rahmen des Projekts Co-SFSC zur kooperativen Umgestaltung von Lebensmittel-Lieferketten.

Weit in die Zukunft griff Sandra Schmidt von KA.Wert mit der Beschreibung einer nachhaltigen Produktion als "Orte, an denen auch Wissen und Stolz erzeugt wird". Mit der konsequenten Priorisierung von Bio-Lebensmitteln könnten nicht nur Böden regeneriert und die Artenvielfalt verbessert werden, auch Zivilisationskrankheiten gingen zurück: "Die Art, wie wir uns ernähren, bestimmt auch die Art, wie wir zusammenleben".

Hülsenfrüchte gut für Böden

Eine größere Rolle bei der Ernährung sollten dabei Hülsenfrüchte einnehmen. Hierin waren sich die Experten einig. So verwies Patric Bies, Mitglied bei Slow Food Saarland und Betreiber einer Ölmühle, darauf, dass der Anbau von Hülsenfrüchten wie Linsen nicht nur gut für die Böden sei, sondern auch günstige Rohstoffe liefere, die Vielfalt in der Küche bieten. Dies konnte Ulrich Ostarhild vom Stuttgarter Ernährungsrat bestätigen. Er berichtete vom "Bohnentag", für den Bruchbohnen bei Bauern gekauft und der Sozialküche geschenkt wurden. "Gutes Essen für alle" sollte seiner Ansicht nach als zentrales Motto gelten. Außerdem empfahl Ostarhild die Gründung von lokalen Ernährungsräten, "das spart Euch zwei bis drei Stellen in der Stadtverwaltung".

Zum zweiten Ernährungsgipfel hatte die Stadtverwaltung in die Karlskantine eingeladen.

Gurken dürfen krumm sein

Mit den Aspekten der Direktvermarktung beschäftigte sich Landwirtin Helga Decker aus Bühl. Ihre Bio-Kisten liefert sie an Schulen, Kindergärten und Privatpersonen. "Da kann dann auch mal eine Gurke krumm sein", sagte Decker, was bei Vermarktung über den Großhandel nicht ginge. Außerdem sehe sie sich in der Verantwortung für die Region: "Wir haben hier eine Kulturlandschaft und die müssen wir erhalten". Instrumente der Landschaftspflege seien beispielsweise Hecken, Blüh- und Planzenstreifen zwischen den Äckern und Regenwasser-Nutzung. Genau das sollten die "Städter" auch einmal sehen, meint Irene Nitsch von der Quartiersküche München und bringt deshalb Erzeuger mit Verbrauchern zusammen. In der  - überwiegend von Singles frequentierten - Quartiersküche versuche sie mit ihrem Team "aus regionalen Produkten einen abwechslungsreichen Speiseplan zu erstellen". Auch hier spielten Hülsenfrüchte eine wichtige Rolle, weil günstig im Bezug und ganzjährig verfügbar. Wichtige Themen seien außerdem die Logistik sowie die Freistellung von Haftungsfragen, etwa wenn Lebensmittel das Haltbarkeitsdatum überschritten haben.

Auf diese Weise mit reichlich Input versehen, ging es anschließend an die Thementische. Hier wurden etliche Verbesserungsvorschläge erarbeitet, wie beispielsweise ein Food-Hub-System in der Direktvermarktung oder Pop-up-Läden auf den Bauernhöfen mit Shuttle-Service, um das Angebot noch bekannter zu machen. Des Weiteren sollte im Sinne der "Circular Economy" stärker darauf geachtet werden, dass noch brauchbare Lebensmittel nicht weggeworfen werden. "B-Ware" von lokalen Erzeugern sollte den Quartiersküchen zur Verfügung gestellt werden. Ein zentrales Thema war zudem Ernährungsbildung etwa in Grundschulen. Und auch die Hülsenfrüchte kamen nicht zu kurz: Vom Aktionstag in der Kantine ging der Vorschlag hin zu einer Aktionswoche. Das finde sie sehr sympathisch, meinte Birgit Hoinle von der Uni Hohenheim, "um das Thema mal richtig sichtbar zu machen". Offen blieb am Ende lediglich der Wunsch von Janine Schwienke, die den Bauernmarkt organisiert. Eine Markthalle für Karlsruhe wäre ihr größter Traum, bekannte sie.

Wie gut die von Bürgermeisterin Lisbach gelobte Vernetzung funktioniert, wurde deutlich, als sich am Ende der Podiumsdiskussion bereits einige der Teilnehmenden zu künftigen Arbeitsgruppen zusammengefunden haben, in den die drei zentralen Themen intensiver beleuchtet werden sollen. Erste Treffen der Arbeitsgruppen sind in der zweiten Jahreshälfte vorgesehen. 

Zum zweiten Ernährungsgipfel hatte die Stadtverwaltung in die Karlskantine eingeladen.

Dies ist ein Beitrag der StadtZeitung, die auch in gedruckter Form erscheint. Alle Ausgaben des ePapers sind digital verfügbar.

Mehr zu städtischen Themen und den Aktivitäten der Stadtverwaltung Karlsruhe unter www.karlsruhe.de/stadtzeitung.

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