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Kommunen am Limit: Wenn Sparen nicht mehr reicht

Aktionstag macht auf strukturelles Problem aufmerksam / Fragen zur Finanzkrise

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz , Erste Bürgermeisterin Bettina Lisbach, Bürgermeisterin Yvette Melchien sowie Bürgermeister Dr. Albert Käuflein (von links) beteiligen sich am Aktionstag „Kommunen am Limit“. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz , Erste Bürgermeisterin Bettina Lisbach, Bürgermeisterin Yvette Melchien sowie Bürgermeister Dr. Albert Käuflein (von links) beteiligen sich am Aktionstag „Kommunen am Limit“. © Stadt Karslruhe, Monika Müller-Gmelin

Karlsruhe spart – und hat trotzdem immer weniger Geld. Warum eigentlich? Genau diese Frage hat Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup beim Aktionstag „Kommunen am Limit“ zum Thema gemacht. Gemeinsam mit den Beigeordneten hat er plakativ und kurzzeitig das Rathaus geschlossen.

Warum sind Bund und Länder für der Finanzierung kommunaler Aufgaben relevant?

Bund und Länder verweisen Aufgaben an Städte, Landkreise und Gemeinden. Dazu zählt vieles, was zum alltäglichen Leben gehört. Diese Pflichtaufgaben, zu deren Erfüllung die Kommunen gesetzlich verpflichtet sind, werden jedoch nicht dauerhaft gegenfinanziert.

Bund und Land übertragen den Kommunen weit mehr Aufgaben, als sie bezahlen. Bei dem Pressegespräch zum Aktionstag nannte OB Mentrup beispielhaft die Reformen von Bundesteilhabegesetz und Krankenversicherung – zwei Vorgänge, die erhebliche finanzielle Steigerungen zu Lasten der Kommunen erwarten lassen.

Wie dramatisch ist die Situation?

Deutschlandweit lag das kommunale Defizit 2025 bei rund 30 Milliarden Euro – das größte in der Geschichte der Bundesrepublik. „80 bis 90 Prozent aller Kommunen sind nicht mehr in der Lage, für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen“, erklärte der OB.

Warum reichen Sparmaßnahmen allein nicht aus, um die ­Finanzlage zu stabilisieren?

Die Kommunen leisten mehr als ein Viertel der staatlichen Ausgaben, erhalten aber nur ein Siebtel der staatlichen Einnahmen. Dieses strukturelle Defizit lässt sich durch Sparmaßnahmen allein nicht beheben. Karlsruhe hat in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Haushaltssicherungsmaßnahmen umgesetzt, dennoch verschlechtert sich die Finanzlage weiter.

Schild Kommunen am Limit vorm Rathaus zum Städtetag Aktionstag Finanzen der Kommunen – Fahnen auf Halbmast

Grund dafür: Viele Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen der Stadt. Dazu zählen vor allem Aufwände für Sozialleistungen, ÖPNV und das Städtische Klinikum. Gleichzeitig sind wichtige Einnahmequellen wie die Gewerbesteuer schwankungsanfällig.

Welche Auswirkungen hat die Situation auf die Bürgerinnen und Bürger?

Es sei nicht zu erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage für die Kommunen in naher Zukunft verbessert, warnte OB Mentrup, im Gegenteil: „Wir müssen künftig noch stärker in die Struktur der Stadt eingreifen.“ So etwa bei den Freibädern, dem ÖPNV, der Instandhaltung und Pflege von Straßen und Grünflächen sowie den Serviceleistungen in den Bürgerbüros. Neben den deutlich sichtbaren und spürbaren Auswirkungen für die Karlsruherinnen und Karlsruher befürchtet der Oberbürgermeister aber noch einen politischen Effekt: „Die finanziellen Daumenschrauben machen uns als Kommunen leistungs- und handlungsunfähig. Wenn Bürger das Gefühl haben, dass sie vom Staat allein gelassen werden, wenden sie sich von diesem ab – das gefährdet die Demokratie in diesem Land,“ befürchtet Mentrup.

Welche Ansätze werden diskutiert, um die finanzielle Situation der Kommunen zu verbessern?

Nach Ansicht der Kommunen braucht es vor allem eine bessere finanzielle Ausstattung durch Bund und Länder. Städte und Gemeinden sollen einen größeren Anteil an den Steuereinnahmen erhalten. Zudem fordern sie, dass neue Aufgaben nur dann übertragen werden, wenn die dafür entstehenden Kosten vollständig übernommen werden, das sogenannte Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt“). Auch Reformen bei den Sozialausgaben werden diskutiert, da diese einen wachsenden Teil der kommunalen Haushalte binden. Oberbürgermeister Mentrup plädierte für eine gemeinsame Verantwortung: „Es nützt nichts, mit dem Finger zu zeigen. Wir brauchen eine Kultur des Miteinanders, Land und Kommunen sitzen in einem Boot.“ Gute Ansatzpunkte wie das Einsetzen einer Zukunftskommission, die auf Landesebene angekündigt wurde, gebe es bereits. Die Kommunen besser finanziell auszustatten und von Aufgaben zu befreien, daran führe kein Weg vorbei. -los-

Dies ist ein Beitrag der StadtZeitung, die auch in gedruckter Form erscheint. Alle Ausgaben des ePapers sind digital verfügbar.

Mehr zu städtischen Themen und den Aktivitäten der Stadtverwaltung Karlsruhe unter www.karlsruhe.de/stadtzeitung.

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