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"Heroische Geste" stand am Anfang

Rundes Jubiläum der Partnerschaft Karlsruhe – Nancy / Das Geburtstagsgeschenk geht nach Winnyzja

Trilaterale Freundschaft bekräftigt: Die Oberbürgermeister Mentrup und Klein präsentieren mit Winnyzjas Stadtratsvorsitzendem Pavlo Yablonskyi (v.l.) ein Bild des Jubläumsgeschenks. Trilaterale Freundschaft bekräftigt: Die Oberbürgermeister Mentrup und Klein präsentieren mit Winnyzjas Stadtratsvorsitzendem Pavlo Yablonskyi (v.l.) ein Bild des Jubläumsgeschenks. © Stadt Karlsruhe, Presse- und Informationsamt, Boris Burghardt

Es gibt Zeiten, in denen bei der "großen Politik" die Pflege internationaler Beziehungen schwierig ist und die Kommunen Vorreiterfunktion übernehmen. Das war 1955 so, als die Städtepartnerschaft zwischen Nancy und Karlsruhe gegründet wurde – und es ist nach Ansicht von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup auch 70 Jahre später wieder so.

Dass die beiden Partnerstädte weiterhin als "Keimzelle für Miteinander und Gemeinsamkeit" funktionieren, wurde bei der Jubiläumsfeier am vergangenen Wochenende eindrucksvoll unterstrichen. So standen neben dem Festakt im Bürgersaal eine Reihe weiterer Veranstaltungen auf dem Programm und zudem dokumentierte die Teilnahme von Vertretern aus der gemeinsamen ukrainischen Partnerstadt Winnyzja, dass sich die einstige Zweierbeziehung inzwischen zu einer funktionierenden trilateralen Partnerschaft weiterentwickelt hat.

Anfänge vor 70 Jahren

"Alles begann mit dem mutigen Schritt einer Lehrerin und ihrer Schülerinnen", erinnerte Mentrup an die Anfänge vor 70 Jahren. Die aus einer deutsch-französischen Ehe stammende Lehrerin Elisabeth Teichmann hatte die Bande zwischen dem hiesigen Lessing-Gymnasium und dem ­Lycée Jeanne d‘Arc aus Lothringens Hauptstadt geknüpft. Einige Wochen später folgte dann eine offizielle Delegation aus der Fächerstadt, ohne große Feierlichkeiten. "Eine bescheidene Geste, deren Tragweite sich jedoch als immens erwies", sagte Nancys Oberbürgermeister Mathieu Klein in seinem Grußwort, "eine Geste, die ich im edelsten Sinne des Wortes als 'heroisch' bezeichnen würde: die Hand ausstrecken, ohne zu wissen, ob sie ergriffen wird".

OB Mentrup wiederum verwies darauf, dass der Elysée-Vertrag zur deutsch-französischen Aussöhnung erst 1963 unterzeichnet wurde. "Hätte es nicht so viele mutige Städte gegeben", wäre dieses Abkommen vielleicht noch später zustande gekommen. Denn Karlsruhe und Nancy waren als sechste deutsch-französische Partnerschaft damals echte Vorreiter.

Logo 70 Jahre Partnerschaft mit Nancy

Großes Interesse in der Bevölkerung

"Siebzig Jahre später ist dieses Wagnis ein Erfolg", konstatierte OB Klein. Allen geopolitischen Umwälzungen und Wirtschaftskrisen zum Trotz sei die Freundschaft auf vielfältige Weise lebendig, vom Schüleraustausch über Kontakte der Vereine und kulturellen Einrichtungen bis hin zu den Sommerpraktika der Studierenden.

Wie groß das Interesse bei der Bevölkerung in Karlsruhe zeitweise war, die Partnerstdt persönlich kennenzulernen, verdeutlichte in der anschließenden Talkrunde Roland Roth, der ehemalige Vorsitzende des 1969 gegründete deutsch-französischen Freundeskreises: "Die erste 'Jedermannsfahrt' war schon nach zwei Tagen ausverkauft". Es seien viele Freundschaften entstanden, wenn auch in jüngster Zeit es schwieriger werde, den Nachwuchs zu begeistern. An Jenny Kastalion, Vorstandsmitglied im Stadtjugendausschuss, liegt das zumindest nicht. Sie ist viel international unterwegs und warb daher um ­rege Beteiligung bei der Jugendkonferenz „YouConf“ 2026, die unter dem Motto „Deine Zukunft für Europa“ steht.

OB Klein: "Städte sind Akteure des Friedens"

Was Nancy und Karlsruhe ebenfalls vereint, ist die trilaterale Partnerschaft mit Winnyzja. Diesen im vergangenen Dezember feierlich besiegelten Bund bezeichnete Mentrup als "ein deutliches Zeichen der Unterstützung für die Ukraine". Auch sein Amtskollege Klein sprach von einem "politischen Akt im wahrsten Sinne des Wortes". Dies bekräftige, "dass Städte Akteure des Friedens, der Solidarität und des Wiederaufbaus sind". Gemeinsam könne man helfen, Schulen, Infrastrukturen und universitäre Kooperationen in der Ukraine wieder aufzubauen.

Sichtbares Zeichen der Freundschaft war an diesem Tag nicht nur, dass Winnyzjas Stadtratsvorsitzender Pavlo Yablonskyi mit ­einer Delegation nach Karlsruhe gekommen war, sondern auch, dass das Geburtstagsgeschenk zum 70. Jubiläum schon in der Ukraine steht: Eine Schaukel mit drei Sitzplätzen sorgt nun auf einem Spielplatz in Winnyzja für Spaß und Freude bei der jungen Generation - was in schweren Zeiten besonders wichtig ist.

Dieser Artikel erscheint in der StadtZeitung Nr. 27 am 4. Juli 2025.

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