Bewegungsmangel, digitaler Wandel und steigender Leistungsdruck: Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht vor neuen Herausforderungen. Wie fit ist die nächste Generation wirklich, welchen Einfluss hat Stress und wie revolutionieren Künstliche Intelligenz und digitale Testverfahren die Sportwissenschaft?
Für Dienstag, 14. Juli, lädt die Effekte-Reihe dazu ein, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bieten den Besuchenden wissenschaftliche Einblicke, stellen innovative digitale Methoden vor und geben die Gelegenheit, diese bei interaktiven Mitmachangeboten selbst auszuprobieren. Beginn ist wegen des WM-Halbfinales ausnahmsweise bereits um 17:30 Uhr im TRIANGEL Transfer | Kultur | Raum am Kronenplatz. Der Eintritt ist kostenfrei.
Physische Fitness und Stresserleben: ein zentraler Gesundheitsindikator
Eine altersgemäße motorische Leistungsfähigkeit ist das Fundament für eine gesunde körperliche, soziale und kognitive Entwicklung. Zum Auftakt des Abends beleuchten PD Dr. Anke Hanssen-Doose (PHKA) und Dr. Claudia Niessner (KIT) den aktuellen Status der physischen Fitness bei Heranwachsenden sowie innovative Methoden zu deren Erfassung über die Lebensspanne.
Direkt daran knüpft Dr. Elke Opper (PHKA) an: Sie präsentiert erstmals Ergebnisse der bundesweit repräsentativen MoMo-2.0-Studie zum Thema Stress. Während Bewegung eine Schlüsselressource gegen Alltagsbelastungen darstellt, nimmt das Stresserleben schon im Kindesalter besorgniserregend zu. Der Vortrag zeigt auf, wie intensiv Kinder Stressoren wahrnehmen und wie sich Symptome wie Kopfschmerzen, Nervosität oder Schlaflosigkeit äußern.
E-Health: Videokonferenzen und Künstliche Intelligenz im Praxistest
Wie lässt sich Fitness präzise messen, wenn kein persönlicher Kontakt möglich ist? Thorsten Klein (PHKA) stellt das innovative, videokonferenzbasierte Testprofil „DigiMot“ vor. Dass digitale Testformate eine vollwertige und ortsunabhängige Alternative zu klassischen Präsenztests sind, belegen die Ergebnisse der COMO-Studie mit über 1.500 getesteten Kindern, die am Abend anschaulich per Video präsentiert werden.
Den nächsten evolutionären Schritt zeigt Clara Zöller (KIT): Sie führt in die KI-gestützte Bewegungserfassung ein. Mithilfe von Modellen wie der automatisierten „Pose Estimation“ können Bewegungsabläufe in Prävention, Training und Reha präzise analysiert werden. Sie erläutert dabei auch die Chancen und Grenzen der Methodik, wenn es um Aspekte des Datenschutzes und der technischen Genauigkeit geht.
Zudem lenkt Dr. Sarah Heinisch (PHKA/KIT) den Blick auf ein wegweisendes Projekt zur Inklusion: Ein neu entwickelter Motoriktest für Kinder und Jugendliche mit Behinderung bricht mit alten Standards. Statt bestehende Defizite aufzuzeigen, macht das neue, hochflexible Verfahren individuelle Stärken sichtbar. Damit liefert es wertvolle Impulse für eine gezielte Förderung in Therapie, Schule und Alltag sowie für echte gesellschaftliche Teilhabe.
Als Highlight wird es an diesem Abend auch für die Besuchenden sportlich: Alle haben die Möglichkeit, im mitgebrachten Feldtestlabor verschiedene Anwendung unter Anleitung der PHKA-Studentin Lale Kohrell (PHKA) selbst auszuprobieren, um die eigene motorische Leistungsfähigkeit live zu erfassen und auszuwerten.