Mit lautem Motor im tiefergelegten, getunten Fahrzeug samt aufgedrehter Anlage ums Karree fahren, um Passanten und Café-Besucher zu beeindrucken: „Posing“, das bedeute etwa „Umherfahren, sich präsentieren – dabei auch zu schnell fahren, schnell beschleunigen“, so Polizeioberkommissar Hiller von der Verkehrspolizeiinspektion des Polizeipräsidiums Karlsruhe.
Was für manche zum gelungenen Abend gehört, findet nicht bei allen Passanten und Anwohnern Anklang. Und tatsächlich sind unnötiger Lärm sowie manche Umbauten am Fahrzeug illegal. In der Innenstadt sind in der Szene beispielsweise die Bereiche um Europaplatz, Stephanienstraße, Amalienstraße und Erbprinzenhof beliebt.
Mit einer gemeinsamen Kontrollaktion nahmen sich Polizei und Ordnungsamt am Freitagabend, 4. September 2026, dem Thema an. Das Ordnungsamt kontrolliert den ruhenden Verkehr – sprich parkende Fahrzeuge – und ist für Geschwindigkeitskontrollen zuständig. Die Polizei verfügt über die sogenannten „Anhalterechte“ – sie kann verdächtige Fahrzeuge aus dem fließenden Verkehrt ziehen.
Während Ordnungsamt und Polizei täglich separat im Stadtgebiet im Einsatz sind, sollte die gebündelte Aktion gegen „Poser“ die gemeinsamen Maßnahmen sichtbar machen. Neben Falschparken und überhöhter Geschwindigkeit stand auch unnötiger Verkehrslärm im Mittelpunkt. Anwohner im Erbprinzenhof hatten sich im Vorfeld mehrfach darüber beschwert, dass sich die Szene dort insbesondere abends lautstark versammle – mit seiner „Wendeschleife“ bietet der Anwohnerparkplatz reizvolle Bedingungen für „Poser“.
Dort gebe es zudem regelmäßig Verstöße gegen das Bewohnerparken, erklärt Matthias Günzel, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts. Die Anwohnerschaft würde sich einen Poller im Eingangsbereich wünschen – das sei allerdings nicht umsetzbar, da der Erbprinzenhof öffentlicher Verkehrsraum sei.
In der eingeschränkten Haltverbotszone kontrolliert das Ordnungsamt am Abend immer wieder. Zunächst verwarnen die Überwachungskräfte mit 25 Euro. Nach einer Stunde erhöht sich das Verwarnungsgeld auf 40 Euro. Dazu wird eine Abschleppmaßnahme geprüft. In dem Zusammenhang erfolgt zunächst eine Halterabfrage.
Wohnt der Fahrzeughalter in unmittelbarer Umgebung, klingeln die Überwachungskräfte nach Möglichkeit , damit das Fahrzeug weggefahren werden kann. Falls die Maßnahme erfolglos bleibt, wird ein Abschleppunternehmen beauftragt. Die Kosten trägt der Halter. Am Abend werden im Erbprinzenhof fünf Fahrzeuge abgeschleppt. Beim Verladen eines BMW-SUV auf den Abschleppwagen geht die Alarmanlage gleich drei Mal los.
Der Halter taucht direkt nach dem Abschleppen verdutzt auf dem Parkplatz auf, fragt, ob es sein könne, dass sein Auto gerade gestohlen wurde. Nach eigenen Angaben hat er eine Parkberechtigung – ohne sie allerdings sichtbar im Fenster ausgelegt zu haben, wie er einräumt. 59 weitere Anzeigen erfolgten wegen Ordnungswidrigkeiten, 19 bezogen sich davon auf Lärm- und Abgasverstöße, der Rest etwa auf Fahren in der Fußgängerzone der Erbprinzenstraße sowie auf Halte- und Parkvorschriften.
Bei Geschwindigkeitskontrollen in der Stephanienstraße wurden vom Ordnungsamt 28 Fahrzeuge zwischen 19 und 23 Uhr geblitzt – die zulässige Geschwindigkeit an der Stelle – zwischen zwei Seniorenheimen – beträgt 30 km/h. Die Senioren scheinen sich über die Präsenz zu freuen. Wie reagieren die Menschen, nachdem sie am Straßenrand von dem Fahrzeug der Stadt geblitzt wurden? Manche halten an, fragen, wie viel sie zu schnell gefahren sind, erklärt eine Mitarbeiterin der Verkehrsüberwachung. Es gehe – je nach Vorbelastung – um Führerscheine, bei vielen hängt die Existenz dran. Auskunft dürfen sie vor Ort keine erteilen, sie sagen dann, dass die Menschen auf den Bescheid warten sollen. Dass das Verkehrsrecht eingehalten wird und Menschen vor Rasern geschützt werden, dürften sich die meisten wünschen. Für einen Verstoß selbst bezahlen wollen dann allerdings doch die wenigsten.
Die Polizei war rund um den Europaplatz im Einsatz. Zwischen 17:30 Uhr und 2 Uhr kontrollierten die Beamten 108 Fahrzeuge und stellten 34 Verstöße fest – darunter Lärm- und Abgasbelästigung sowie illegales Tuning. Ein älterer BMW mit einem jungen Erwachsenen am Steuer ist 30 Millimeter zu tiefgelegt, mit Toleranzabzug 25 Millimeter. Fahrer und Passagiere sind mäßig begeistert. Ein weiterer junger Erwachsener fährt in einem Suzuki-SUV ohne Führerschein. Im Rahmen einer Kontrolle an der Ecke Erbprinzenstraße/Waldstaße wollte er zunächst nicht anhalten. Angeblich hatte er keine Dokumente dabei – geriet dann beim Geburtsdatum ins Stocken. Im Hinblick auf die Gesamtumstände nimmt ihn die Polizei vorläufig fest. Die Lage entspannt sich, als der Beschuldigte doch einen Ausweis zückt und geständig wird – er habe die Daten seines Bruders angeben wollen, da er selbst keine gültige Fahrerlaubnis besitze. Er kommt auf freien Fuß, der Straftatbestand des Fahrens ohne Führerschein sowie die Angabe falscher Personalien werden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und ein Verfahren wird eröffnet.
Bei einem anderen Verkehrsteilnehmer stellen die Polizeibeamten Alkoholeinfluss fest, ein weiterer leistete Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten. Ein Fahrzeug, dessen Lärm rund 40 Dezibel über den im Fahrzeugschein eingetragenen Werten liegt, und dessen Abgasanlage manipuliert scheint, wurde beschlagnahmt. Stichwort Lärm: Das Fahrzeug müsse mit möglichst geringem Lärm betrieben werden, heißt es. 80 Euro Bußgeld falle als Ordnungswidrigkeit an, dazu ein Punkt in Flensburg.
Ziel der gemeinsamen Maßnahme sei, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden, der Ziel der Maßnahme sei gewesen, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden, der Anwohner sowie die Aufenthaltsqualität aller zu verbessern, hieß es von den Beteiligten. Eine weitere gemeinsame Aktion fand am 11. September 2026 statt. Dabei wurden wiederum 78 Verstöße festgestellt, 37 in den Bereichen Posing oder Fahrzeugmanipulation. Bei drei Fahrzeugen waren die Veränderungen derart gravierend, dass dadurch die Betriebserlaubnis erloschen war. Bei Geschwindigkeitsmessungen an der Ludwig-Erhard-Allee bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h stellte das Ordnungsamt 25 Geschwindigkeitsverstöße fest. Zwei Fahrzeuge wurden mit über 90 km/h gemessen. -nke-