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85 Jahre Gurs

Karlsruhe gedenkt den 6.500 Juden und Jüdinnen aus Baden, der Pfalz und dem heutigen Saarland, die 1940 in das in Südfrankreich gelegene Camp de Gurs deportiert wurden.

© Stadt Karlsruhe, Simone Traub

Deportation in Karlsruhe

Seit den frühen Morgenstunden des 22. Oktobers 1940 wurden die Menschen unter Verantwortung der Gestapo aus ihren Wohnungen geholt. Ihnen wurde befohlen, innerhalb kürzester Zeit zu packen. Im Anschluss erfolgte der Abtransport zu Sammelstellen. In Karlsruhe war dies der östliche Eingang des Hauptbahnhofs. Die Deportierten wussten nicht, was mit ihnen geschah und wie es weitergehen würde. Über Karlsruhe transportierten insgesamt fünf Züge Menschen aus Nordbaden in das Lager Gurs in Südfrankreich. Hinzu kamen zwei Züge über Südbaden und zwei weitere aus der Pfalz und dem heutigen Saarland.

Unter den 945 Jüdinnen und Juden aus Karlsruhe, die in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert wurden, waren 83 Kinder und Jugendliche. Die Zeitzeugin Hanna Meyer-Moses, geboren am 30. September 1927 in Karlsruhe, war eine von ihnen. Zusammen mit ihrer Schwester Susanne und den Eltern Betty und Nathan wurde sie von den Nationalsozialisten in das Lager Gurs deportiert. Alice Resch, eine Mitarbeiterin der Quäker, rettete die Schwestern im Februar 1941 aus dem Lager. Zur Geschichte der Geschwister Moses.

Hanna Meyer-Moses und ihre Schwester überlebten die Gräueltaten.

Trotz der traurigen Erinnerungen hat sich Hanna Meyer-Moses in den 1980er Jahren ihrer Geburtsstadt wieder angenähert. In persönlichen Gesprächen und Begegnungen, vor allem aber in zahlreichen Vorträgen an Schulen und anderen Einrichtungen, hat sie die Erinnerung an die verschleppten Jüdinnen und Juden wachgehalten. 2013 wurde Hanna Meyer-Moses mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet. Im Alter von 96 Jahren verstarb sie im Februar 2024 in einem Pflegeheim in der Schweizer Gemeinde Wohlen.

Damit ihr Schicksal und das zahlreicher anderer Karlsruher Jüdinnen und Juden unvergessen bleibt, gedenkt Karlsruhe jährlich in Gurs den Deportierten.

Zum 85. Gedenktag besuchte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup am 19. und 20. Oktober zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlands, der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Erzdiözese Freiburg, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, des Gemeinderats der Stadt Karlsruhe sowie Vertreterinnen und Vertretern der 17 Mitgliedsstädte der Arbeitsgemeinschaft Gurs und des Bezirksverbands Pfalz den Deportiertenfriedhof und das Lagergelände in Gurs.

Dr. Frank Mentrup

Oberbürgermeister

Wir denken an alle Opfer der Shoa und an die Menschen, die damals am 22. Oktober 1940 aus dem Südwesten des Deutschen Reichs nach Gurs deportiert wurden. Sie sind nicht vergessen. Gemeinsam rufen wir in Erinnerung, dass Selbstbestimmung, Menschenrechte, Demokratie und Freiheit nicht selbstverständlich sind, sondern wir für sie einstehen müssen.

Projekt zu deportierten Jugendlichen

Die Fachschule für Sozialpädagogik Agneshaus engagiert sich seit vielen Jahren in der Gedenkarbeit zur Deportation der Karlsruher Jüdinnen und Juden. Zum 100-jährigen Bestehen des Agneshauses nahmen sich 2025 drei Schülerinnen, neben Unterricht, Praxiszeiten und Prüfungen, einer sehr wichtigen, gesellschaftlich relevanten Aufgabe an: Sie recherchierten im Rahmen eines Projekts über die persönlichen Erfahrungen von Jugendlichen bei den Deportationen 1940. Besonders interessierte die Schülerinnen das Leben der letzten Karlsruher Zeitzeugin und Trägerin der Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe Hanna Meyer Moses. Neben Recherchen im Stadtarchiv und im Generallandesarchiv tauschten sich die Schülerinnen mit Rolf Meyer, dem Sohn der im Jahr 2024 verstorbenen Zeitzeugin, aus.

Rolf Meyer

Sohn der Zeitzeugin Hanna Meyer-Moses

Möge das Gedenken an alle selbstlosen Helfer, aber auch an die vielen sinnlos Ermordeten, darunter meine ganze Familie, stets in Ehren gehalten werden!

Die Ergebnisse ihrer Arbeit 6,13 MB (PDF) präsentierten die Schülerinnen im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten am 20. Oktober in der Nähe von Gurs.

Initiiert wurde das Projekt durch das Hauptamt der Stadt Karlsruhe anlässlich des 85. Gedenken an die Deportation.

Das Projekt wird gefördert durch:

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

Landeszentrale für politische Bildung Saarland

Logos der Landeszentrale für politische Bildung Saarland und Rheinland-Pfalz sowie des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
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Ausgezeichnet für 60 Jahre Gedenkarbeit

Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden (IRG) verlieh im Rahmen des jüdischen Neujahrsfests Rosch Haschana der Arbeitsgemeinschaft Gurs die Verdienstmedaille.

Rami Suliman

IRG Baden

Die kommunale Arbeitsgemeinschaft Gurs ist im Jahr 2025 Trägerin der Verdienstmedaille der Israelitische Religionsgemeinschaft Baden. Uns eint das vertrauensvolle und partnerschaftliche Gedenken an die Deportierten.

Arbeitsgemeinschaft Gurs

Seit über 60 Jahren ist der Arbeitsgemeinschaft Gurs gemeinsam unterwegs für den Erhalt und die Pflege des Deportiertenfriedhofs Gurs.

Informationsangebote aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zur Deportation und Ermordung südwestdeutscher Jüdinnen und Juden gibt es auf: gurs.education

Im Jahre 1957 ergriff der damalige Oberbürgermeister Karlsruhes, Günther Klotz, nach der Veröffentlichung eines Zeitungsberichts über den Verfall des Friedhofs in Gurs, die Initiative zur Instandsetzung und Pflege des Deportiertenfriedhofs. Unterstützt wurde er vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Die badischen Städte, Gemeinden und Kreise, aus denen jüdische Bürgerinnen und Bürger nach Gurs deportiert und dort begraben worden waren, brachten durch eine Spendenaktion die Gesamtkosten der Neugestaltung auf und finanzieren seitdem die Unterhaltung und weitere Pflege des Friedhofsgeländes, der Stelenfelder und Gebäude.

Gerade erst 12 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges war diese Maßnahme nicht selbstverständlich. Nicht alle der 33 badischen Stadt- und Landkreise, die von Karlsruhes Oberbürgermeister 1957 Post bekamen, waren von der Idee begeistert. In einigen kleineren Städten und Gemeinden wurde der Spendenaufruf sogar per Gemeinderatsbeschluss abgelehnt. Trotz allem konnte bis 1959 eine Spendensumme von 100.000 Deutschen Mark zusammengetragen werden. Davon wurden 1.000 Deutsche Mark alleine vom Evangelischen Oberkirchenrat beigesteuert.

Der sanierte Friedhof, den die Gemeinde Gurs dem Oberrat für 99 Jahre verpachtet hatte, wurde am 26. März 1963 feierlich eingeweiht.

Die fünf badischen Städte Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Heidelberg und Pforzheim verpflichteten sich dazu, die Kosten für die weitere Unterhaltung und Pflege des Friedhofs gemeinsam zu tragen.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit lief reibungslos. Im Mai 1964 gab es sogar Überlegungen, eine Partnerschaft zwischen Karlsruhe und dem nahe Gurs gelegenen Navarrenx zu etablieren. Aufgrund des deutlichen Größenunterschieds der Städte wurde 1965 beschlossen, dass die damaligen Städte Mörsch und Malsch, das heutige Rheinstetten, diese Städtepartnerschaft gründen sollen.

1973 wurde der Gedenkkubus auf dem Friedhof mit dem Buch der Toten, die in umliegenden Friedhöfen ihre letzte Ruhe fanden, eingeweiht.

Seit Ende der 90er Jahre gibt es bereits Überlegungen, ein Museum oder ein Internationales Jugendbegegnungszentrum in der Nähe von Gurs zu errichten. Im Jahr 2024 fand ein Architektenwettbewerb dazu statt. Das Vorhaben soll in den nächsten Jahren in die Tat umgesetzt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Gurs ist mittlerweile auf 18 Mitglieder angewachsen.

Jedes Jahr finden Gedenkfeiern auf dem Deportiertenfriedhof statt. Zudem organisiert der Bezirksverband Pfalz alle fünf Jahre eine größere Jugendgedenk- und Bildungsreise nach Gurs.

Zu den runden und halbrunden Gedenkfeiern schließen sich meist die Kirchenvertretungen, der Landesrabbiner der IRG Baden und Minister*innen der drei Länder Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg der Gedenkreise an.

Gedenken in Gurs: Bürgermeister Dr.  Albert Käuflein, zusammen mit drei SchülerInnen aus Baden-Baden
Kranzniederlegung in Gurs mit Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen ­Religionsgemeinschaft Baden (rechts).
Gedenken: BM Käuflein mit den Jugendlichen Emanuel Ünal und Jessica Pieth bei der Kranzniederlegung auf dem Friedhof in Gurs.
Gedenkveranstaltung 2021

Seit 1963:

Karlsruhe

Mannheim

Freiburg

Heidelberg

Pforzheim

Seit 1994:

Konstanz

Seit 1996:

Weinheim

Seit 2000:

Emmendingen

Seit 2002:

Lörrach

Offenburg

Seit 2006:

Bezirksverband Pfalz

Seit 2008:

Bruchsal

Seit 2010:

Baden-Baden

Seit 2015:

Bühl

Rastatt

Seit 2016:

Kuppenheim

Bretten

Seit 2024:

Lahr

Die Geschäftsführung hat die Stadt Karlsruhe inne.

Oberbürgermeister Otto Dullenkopf anlässlich der Einweihung des Gedenkkubus auf dem Deportierenfriedhof im Jahr 1973: „Niemand kann ein solches Übermaß an Unrecht gutmachen, niemand kann solche Verbrechen auf dieser Erde sühnen. Was wir aber können, ist das Andenken wachhalten an die vielen Unglücklichen, die, wehrlos und entrechtet, unvorstellbares Leid über sich ergehen lassen mussten.“

30. Oktober 2025, Stadt Karlsruhe

Meldungen zum Gedenken an die Deportation

Weitere Informationen zur Deportation

Lager und Gedenkstätte Gurs

Am 22. Oktober 1940 wurden über 6.500 jüdische Menschen aus Baden, der Pfalz und dem heutigen Saarland in das unbesetzte Frankreich deportiert. Die Gedenkstätte Gurs ist Teil der Erinnerung an die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Verbrechen.

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