Mit durchschnittlich 82,02 Jahren ist die Lebenserwartung in Baden-Württemberg am höchsten, wie neueste Daten des Statistischen Bundesamtes belegen. Mit zunehmendem Alter steigt aber auch der Bedarf an Unterstützung im Alltag und in der Pflege. Wie die Entwicklung von Pflege- und Bevölkerungsdaten verläuft und welche Kennzahlen für die Versorgung in Karlsruhe wichtig sind, zeigt seit 2024 der sogenannte „Pflege-Monitor“. Die zweite Ausgabe wurde jetzt im Sozialausschuss vorgestellt.
Mehr Menschen werden zuhause versorgt
Laut Statistik sind in Karlsruhe insgesamt 15.199 pflegebedürftige Personen gemeldet (Stand: Dezember 2023). Im Vergleich zum Berichtsjahr 2021 bedeutet dies einen Anstieg um 1.565 Personen. Der Zuwachs gehe vor allem auf die gestiegene Anzahl von Menschen zurück, die überwiegend zuhause versorgt werden, heißt es im Bericht. Vier von fünf Pflegebedürftigen werden häuslich betreut – etwa durch Angehörige (8.390 Personen) und ambulante Pflegedienste (2.285 Personen) – oder nehmen ausschließlich landesrechtliche Unterstützungsleistungen in Anspruch (2.002 Personen), um möglichst lange im häuslichen Umfeld leben zu können. In der ambulanten Pflege in Karlsruhe sind 45 Pflegedienste mit insgesamt mehr als tausend Beschäftigten tätig. In den aktuell 43 Pflegeheimen wiederum kümmern sich mehr als 2.700 Beschäftigte vollstationär um rund 2.500 Pflegebedürftige. Unter den Karlsruherinnen und Karlsruhern im Alter von 65 bis 85 Jahren sind rund 13 Prozent pflegebedürftig, ein leichtes Plus im Vergleich zu 2021. Bei den Seniorinnen und Senioren über 85 Jahre ist mehr als die Hälfte auf Hilfe angewiesen. Für das Jahr 2040 werden anhand der aktuellen Schätzung 16.717 pflegebedürftige Personen in Karlsruhe prognostiziert. Das entspricht einem Anstieg um zehn Prozent gegenüber 2023.
Demografischer Wandel als Herausforderung
Ob demografischer Wandel, Fachkräftemangel oder Änderungen in der Pflegegesetzgebung: Verwaltung, Träger und pflegende Angehörige stünden vor herausfordernden Zeiten, so die einhellige Meinung im Ausschuss. Vor diesem Hintergrund wurde der Pflege-Monitor, der alle zwei Jahre fortgeschrieben wird, fraktionsübergreifend gelobt. Verena Anlauf (Grüne) schlug vor, zukünftig auch das Thema „Hitze“ im Bericht aufzugreifen, auch die Schaffung neuer Pflegeheime sei wichtig. Sonja Döring (KAL) machte sich Sorgen, welche Auswirkungen ein neues Pflegegesetz auf Angehörige, Pflegedienste und Heime haben könnte. Kien Nguyen (Volt) fragte, inwieweit die pflegende Generation bis zum Jahr 2040 schrumpfen wird. Friedemann Kalmbach (FÜR) erinnerte an die Reform der Pflegestufen 2017 und ihre Auswirkungen.
„Alle Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause bleiben“, erläuterte Karina Langeneckert, Leiterin der Sozial- und Jugendbehörde. Umso wichtiger sei es, unterschiedliche Formen der Pflege zu ermöglichen. Markus Barton, als sachkundiger Einwohner Mitglied im Sozialausschuss und zugleich Geschäftsführer der AWO in Karlsruhe, berichtete aus dem Pflegealltag. Er plädierte für „mutige neue Lösungen“ in der Pflege. -jd-