Manche Menschen werden nicht nur durch die Verwaltung geprägt – sie prägen sie vielmehr selbst, "leise, aber nachhaltig". Ein gutes Beispiel für diese wechselseitige Prägung sei nach Einschätzung von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup der scheidende Leiter des Rechnungsprüfungsamts (RPA), Detlev Bettendorf. Nach über 45 Jahren im öffentlichen Dienst beginnt für den gebürtigen Murgtäler in Kürze die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit.
Bettendorf war 2002 von der Stadt Gaggenau zum Karlsruher Rechnungsprüfungsamt gewechselt, wo er zunächst als Unternehmensprüfer, später als Abteilungsleiter und seit 2020 als Amtsleiter arbeitete. In dieser Position habe er das Amt "mit Fachkompetenz, hoher Integrität und bemerkenswerter Ruhe" ausgeübt, würdigte der OB. Auch wenn "Sie mir gegenüber manchmal unerbittlich hartnäckig waren", so Mentrup, habe der Noch-Amtsleiter unterschiedliche Meinungen respektiert und "in der Sache selbst sehr konsequent" gehandelt. Was Detlev Bettendorf außerdem besonders auszeichne, sei ein hohes Maß an Loyalität und Kollegialität. Er habe "nie den Blick dafür verloren, dass hinter den Zahlen auch immer Menschen stehen". Die verwaltungsinternen Prüfungen bei der Stadtverwaltung sowie bei den städtischen Gesellschaften wie VBK, Klinikum und Volkswohnung habe Bettendorf daher auch nicht als Fehlersuche verstanden, sondern als Auftrag, "Risiken frühzeitig zu erkennen, diese aufzuzeigen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln", betonte der Rathauschef.
"Endgegner einer jeden unklaren Buchung"
Nur ungern ließen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RPA ihren Chef ziehen, bekannte Personalrätin Sabine Weber. Nach außen der "Endgegner einer jeden unklaren Buchung", habe der "Rechnungsprüfer aus Leidenschaft" intern durch seine freundliche und zugewandte Art und mit seiner stets offenen Tür großen Respekt erworben. Daher attestierte Weber ihrem Amtsleiter eine Karriere, die "selbst bei strengster Prüfung keinerlei Beanstandungen" aufweise. Zumal er als bekennender KSC-Fan im Stadion Eigenschaften zeige, die auch bei der Stadtverwaltung wichtig seien: "leidenschaftlich, leidensfähig und optimistisch".
"Für mich hat diese Rolle gut gepasst", bilanzierte Bettendorf selbst. Mehr als 50 städtische Gesellschaften prüfungstechnisch zu begleiten, sei eine ebenso herausfordernde wie reizvolle Aufgabe gewesen. Seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger wünschte er "Stärke und Empathie", "damit der Tanker Stadt Karlsruhe weiterhin gut durch die unruhigen Gewässer kommt". Die neu gewonnene Zeit wolle er seinen Hobbys Wandern, Städtetouren und Mountainbiken widmen sowie vor allem der Familie mit inzwischen fünf Enkelkindern, die bei der Verabschiedung für Leben in der Karlskantine sorgten. Denn, so rief Bettendorfs Sohn Benjamin noch einmal ins Gedächtnis: "Zeit ist eines der wertvollsten Geschenke, die man geben kann."