Über das "Ob" herrschte im Gemeinderat kein Dissens, aber über das "Wie" gingen die Meinungen auseinander. Während die einen in dem Platz an der Kapellenstraße einen geeigneten "Ort der Besinnung und Erinnerung" sahen, wie es Dr. Susanne Heynen (Grüne) formulierte, hielten die anderen die Fläche zwischen Waldhornstraße und Ludwig-Erhard-Allee für nicht repräsentativ genug. Am Ende fand sich aber doch eine Mehrheit für die Benennung des Karrees als "Familie-Reinhardt-Platz". Damit soll an das tragische Schicksal vieler Sinti und Roma aus der Fächerstadt erinnert werden, die unter den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden. Unter ihnen war auch die siebenköpfige Familie Reinhardt, von der lediglich drei Mitglieder den NS-Terror überlebten. Sie wohnten im benachbarten "Dörfle" zusammen mit vielen dieser "marginalisierten und diskriminierten Menschen", so Dr. Heynen. Ihnen ein Denkmal zu setzen war das Anliegen eines interfraktionellen Antrags von Grünen, SPD, KAL, Linke und Volt. "Diese Opfergruppe war viel zu lange wenig sichtbar in unserer Erinnerungskultur", sagte Sibel Uysal (SPD) zur Begründung.
CDU-Fraktion beantragt Suche nach Alternative
Das Gedenken an die ermordeten Sinti und Roma sei ein "legitimes und wichtiges Anliegen", bekräftigte Dirk Müller (CDU) – nur eben nicht an dieser Stelle. Stattdessen beantragte seine Fraktion die Benennung in „Brigandeplatz“, "weil es da einen direkten Bezug zum Dörfle gibt". Außerdem möge die Stadt nach einem repräsentativeren Ort zum Gedenken an die Sinti und Roma suchen. Welch hohen Stellenwert in deren Kultur Gedenkorte hätten, könne man an den imposanten Gräbern auf dem Hauptfriedhof ablesen, gab Petra Lorenz (FDP/FW) zu bedenken. Zudem habe sich auch der Bürgerverein Altstadt für eine andere Benennung ausgesprochen. Letztlich votierte neben FDP/FW lediglich noch die AfD gegen den Namen "Familie-Reinhardt-Platz“. -eck-