Die Jury des Planungswettbewerbs „Künstlerisches Stadtmobiliar für den Werderplatz“ hat sich für das Konzept „Wer da?“ der Kunstagentur ato mit Jannik Lang und Norina Quinte zur Realisierung ausgesprochen. Das Möbelsystem aus Sitz-, Spiel-, Begrünungs- und Kunstelementen sowie einer Bühne soll den Werderplatz beleben, denn mit der Erweiterung der Fußgängerzone entsteht neuer Platz. Die Realisierung ist für Sommer 2027 vorgesehen.
Hintergrund der Ausschreibung
Anlass war die Erweiterung der Fußgängerzone auf dem Werderplatz (Gemeinderatsbeschluss 2025/0230) und der darauf aufbauende Antrag zur Gestaltung dieses Bereichs (DHH/2025/6712). Die Stadt erhofft sich von der Umgestaltung bessere Sichtbeziehungen und mehr Belebung durch unterschiedliche Nutzungsgruppen. Das soll das Nebeneinander und Sicherheitsgefühl verbessern.
Das Kulturamt der Stadt Karlsruhe hatte vier Künstlerinnen und Künstler, Gestaltungs- und Architekturbüros eingeladen, Entwürfe für künstlerisches Stadtmobiliar zu entwickeln. Grundlage waren unter anderem die Ergebnisse der Planungswerkstatt vom Juli 2026, bei der Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Vertretungen aus Politik, Vereinen, Kirchen und sozialen Trägern Ideen für den Platz erarbeitet hatten. Die Bürgerinnen und Bürger waren zuvor per Zufallsauswahl aus dem Melderegister ausgewählt worden.
Die Jury und ihre Entscheidung
In der Jury waren die Bürgergesellschaft der Südstadt, das Institut für Regionalwissenschaften des KIT, das Stadtplanungsamt, die UNESCO City of Media Arts und das Amt für Stadtentwicklung vertreten. Angesichts der hohen Qualität der Einreichungen fiel die Wahl nicht leicht. „Wer da?“ überzeugte durch folgende Punkte:
- vielfältige Elemente, die für unterschiedliche Altersgruppen intuitiv nutzbar sind,
- die besondere Auseinandersetzung mit dem Ort und den Ergebnissen der Planungswerkstatt,
- ein realistisches Herstellungs- und Pflegekonzept.
Das Konzept
„Wer da?“ besteht aus mehreren eigenständigen Objekten aus Stahl, Gitternetz, Rohr und Stein, die durch ihre gemeinsame Formensprache verbunden sind. Alle Möbel sind versetzbar und kommen ohne Fundamente aus. Sie bieten bequeme Sitz- und Stehmöglichkeiten, barrierefreie Tische und Spielangebote. Die Gitterflächen dienen zugleich als Freiluftausstellung mit Bürgerbeteiligung: Über mehrere Jahre hinweg zeigen sie Arbeiten aus der Stadtgesellschaft und von professionellen Künstlerinnen und Künstlern. Solarbetriebene Lichter beleuchten das Mobiliar.
Die dreidimensionalen Elemente reichen über den westlichen Teil hinaus und stärken den Platz als Einheit. Nach Einschätzung der Jury verbinden sie Abschirmung und Transparenz: Sie definieren neue Orte und erhalten zugleich Sichtbeziehungen. Die einzeln beleuchteten Elemente verbessern Nutzbarkeit und Sicherheitsgefühl auch bei Nacht. Fast alle Anregungen aus der Planungswerkstatt sind berücksichtigt, darunter Kunst, Bühne und Spielelemente. Die derzeitige Paletten-Bühne wird neu entwickelt und in das Gestaltungskonzept integriert. Besonders überzeugte die Jury die Vision eines niederschwellig Zugangs zu Kunst: Neben der Verstetigung der Bühne soll ein „Recht auf Kultur“ im öffentlichen Raum möglich werden, den lokale Kulturschaffenden bespielen können.
Jurymitglied Dr. Agnes Matago, Institut für Regionalwissenschaft/KIT, beschreibt es so: „Der Entwurf ‚Wer da?‘ schafft mit seinen unterschiedlichen Sitzgelegenheiten, den Kunstflächen und der Beleuchtung vielfältige Möglichkeiten, den Werderplatz gemeinsam zu erleben. Besonders schön finde ich, dass die Elemente nicht nur zum Verweilen einladen, sondern auch Anlässe für Begegnung schaffen. Zudem wird in dem Entwurf Kultur als ein selbstverständlicher Teil des öffentlichen Raums gedacht.“
Auch Dr. Martina Hillesheimer, erste Vorsitzende der Bürgergesellschaft der Südstadt, hebt hervor: „Der Slogan ‚Südstadt ist Leben‘ scheint das Motto des Entwurfs ‚Wer da?‘ zu sein: Bunt und vielseitig, stabil und gleichzeitig flexibel, lädt er ein zum Begegnen und Verweilen. Völlig selbstverständlich wird Kunst und Kultur in den öffentlichen Raum, in den Alltag integriert.“
Die Realisierung des Entwurfs ist im Doppelhaushalt 2026/27 budgetiert und wird für Sommer 2027 nach der Umwandlung des Werderplatzes zur Fußgängerzone angestrebt.