Seit Mitte April sorgt ein schillerndes Band aus spiegelnden Platten entlang der Eisenbahnüberführung Weiherfeldstraße für große Aufmerksamkeit. Was hat es damit auf sich?
Mit dem Neubau der Eisenbahnüberführung über die Weiherfeldstraße Ende 2015 erhielt die Deutsche Bahn als Bauherrin die Auflage, das nüchterne Betonbauwerk gestalterisch aufzuwerten. Dafür lobte die Stadt einen Wettbewerb für Architektinnen, Architekten, Künstlerinnen und Künstler aus. Als Sieger ging das Team "Agence Ter Landschaftsarchitekten und Lorenz Richardt Architekten" mit der Idee hervor, Wasserspiegelungen der Alb auf der Wand sichtbar zu machen.
Eine veränderte Brückenkonstruktion, Auflagen zum Umwelt-, Gewässer- und Artenschutz, ein reduzierter Kostenrahmen und Probleme bei der Materialbeschaffung erforderten einige Umplanungen und verzögerten die Umsetzung immer wieder. Nun konnte das durch die Deutsche Bahn finanzierte Projekt von den beiden Büros und in enger Abstimmung mit dem Tiefbauamt endlich abgeschlossen werden.
Die Entwurfsidee
Ausgangspunkt des Entwurfs ist die Übersetzung von Lichtspiegelungen des Wassers in eine räumliche Installation. Unterschiedlich große Edelstahlpaneele an der Seitenwand der Betonbrücke greifen Bewegungen von Passantinnen und Passanten, Fahrrädern und Fahrzeugen sowie die Farbigkeit des umliegenden Grün- und Stadtraums auf. Der Außenraum wird optisch in die Unterführung hineingezogen und zugleich vervielfältigt. Zentrales Element der Installation ist die Bewegung: Mit jedem Schritt verändern sich die spiegelnden Fragmente, verschieben sich Perspektiven, verbinden sich und lösen sich wieder auf.
Durch die freie, an eine „Petersburger Hängung“ erinnernde Anordnung entsteht eine lebendige, nahezu malerische Oberfläche, die an Spiegelungen auf einer Wasseroberfläche erinnert. Unter dem Titel „Stadteingang im Fluss“ verwandelt die Installation den alltäglichen Verkehrsraum in einen Stadtraum mit einer lebendigen, sich stetig ändernden Bildfläche und lädt zu einer bewussten Wahrnehmung von Raum, Licht und Bewegung ein.