Durch ein Bauvorhaben der Katholischen Gesamtkirchengemeinde entstand eine Baulücke neben dem Ständehaus. Diese bietet die Chance, die im Anfang der 1990er Jahre errichteten Gebäude beheimatete Bibliothek nicht nur – wie aktuell nötig – zu sanieren, sondern durch einen Ergänzungsbau auf Teilen des Nachbargrundstücks zu erweitern.
Damit können die beiden Standorte Kinder- und Jugendbibliothek und Zentrale zusammengeführt werden. Auch programmatisch soll eine Erweiterung der Häuser möglich werden, im Sinne eines sogenannten „Dritten Ortes“, der moderne Mediennutzung und eine gemeinsame Aufenthaltsmöglichkeit ohne Konsumzwang bieten soll.
Der Gemeinderat hat nun über eine Vorlage entschieden, ob das Konzept umgesetzt werden soll. Im Bestandsgebäude wird dazu die technische Infrastruktur untersucht, bei Bedarf saniert und an den Ergänzungsbau angepasst.
Zwischenzeitlich wurde eine vertiefte Kostenschätzung abgeschlossen. Der städtische Haushalt steht derzeit stark unter Druck, die Sanierung des Bestands lasse sich allerdings nicht vermeiden, so die Verwaltung. Die Finanzierbarkeit dieser Maßnahmen hänge von Städtebaufördermitteln ab. Auch verlange der Zustand des Prinz-Max-Palais und die dort erforderliche Sanierung mittelfristig den Auszug der Kinder- und Jugendbibliothek. Weiterhin habe eine Baulücke an dieser zentralen Stelle eine schädliche Wirkung für die Innenstadt. Verbunden mit der Möglichkeit einer programmatischen Neuausrichtung empfahl die Verwaltung das Vorhaben trotz Kostendruck. Jährlich frequentieren über 350.000 Menschen die beiden Einrichtungen, was die Stadtbibliothek zur besucherstärksten Kulturinstitution macht.
Die geschätzten Kosten belaufen sich bei der Bestandssanierung auf 17,25 Millionen Euro, beim Anbau auf 18,72 Millionen Euro – zusammen 35,97 Millionen Euro. Das Ständehaus befindet sich im Sanierungsgebiet „Kaiserstraße-West“, wodurch sich die Gelegenheit ergebe, durch die Städtebauförderung eine finanzielle Zuwendung zu erhalten. Dabei soll eine mögliche Förderung von rund 21,5 Millionen Euro entstehen. Davon werden rund 12,9 Millionen Euro von Bund und Land bereitgestellt, 40 Prozent der Fördersumme (rund 8,6 Millionen Euro) verbleiben als Komplementärfinanzierung bei der Kommune.
Das Projekt wurde mit 42 Ja-Stimmen angenommen, wobei die große Zustimmung vor allem aus den günstigen Umständen der Förderung resultierte. Lediglich von der FDP kamen Gegenstimmen, die zwar das Konzept begrüßten, aber die Haushaltslage als ungeeignet für die Umsetzung eines solchen Großprojekts erachteten. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup erklärte, man hätte als Alternative ohnehin neue Räumlichkeiten für die Kinder- und Jugendbibliothek anmieten müssen. Es sei ein kleines Wunder gelungen, ein so großes Projekt nochmal in die Hand zu nehmen – man tue etwas für alle Kinder und Jugendlichen, so das Stadtoberhaupt. Anfang 2028 ist der Baubeginn und bis 2031 die Fertigstellung geplant. -nke-