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Gas und Wasserstoff statt Kohle

Gemeinderat stimmt Bebauungsplanverfahren für Block 9 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks zu

Blick auf das Rheinhafen-Dampfkraftwerk am Rhein. Vor dem Umbau: Das Rheinhafen-Dampfkraftwerk der EnBW © Stadt Karlsruhe, Presse- und Informationsamt, Georg Hertweck

Lautstarker Protest gegen einen Bebauungsplan zählt im Gemeinderat zu den eher seltenen Ereignissen. Bei der Sitzung in der vergangenen Woche allerdings musste die Debatte über den vorgezogenen Bebauungsplan zum Rheinhafen-Dampfkraftwerk sogar vorübergehend unterbrochen werden, um Klimaschutz-Aktivisten des Saales zu verweisen. Beeindrucken ließ sich der Gemeinderat davon aber nicht und sprach sich letztlich mehrheitlich für das Großvorhaben der EnBW aus.

Das Energieversorgungsunternehmen möchte auf seinem Kraftwerksareal am Rheinhafen einen neuen Block 9 errichten, der zunächst mit Gas betrieben werden soll. Darüber hinaus beabsichtigt die EnBW die endgültige Stilllegung von Block 7 und die Überführung des ebenfalls kohlegefeuerten Blocks 8 in die Netzreserve. "In vielen Runden und mit harten Bandagen", so Jonathan Faller vom Liegenschaftsamt, handelten Stadt und EnBW daraufhin Verträge aus, die unter anderem den schnellstmöglichen Umstieg von Gas als Brennstoff auf regenerativ erzeugten Wasserstoff festschreiben, sobald die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind. Zudem falle die Jahresfracht an Stickoxid künftig um ein Drittel geringer als als ursprünglich geplant. Dabei sei Eile geboten gewesen, verdeutlichte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, denn wenn der Bund seine Ankündigung wahr mache und Kraftwerksneubauten von Bebauungsplänen befreit würden, „haben wir nicht mehr die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen mitzugestalten“. Karlsruhe müsse in jedem Fall Kraftwerksstandort bleiben. Wenn die EnBW als Großabnehmer von Wasserstoff auftrete, erleichtere dies den Anschluss der Fächerstadt an das überregionale Versorgungsnetz. 

Kohlehalde des Rheinhafen-Dampfkraftwerks

"Großer Gewinn für Karlsruhe"

Aus den Ratsfraktionen wurde das Vorhaben unterschiedlich beurteilt. CDU, SPD, FDP/FW, Volt und Friedemann Kalmbach (FÜR) stimmten zu, die KAL enthielt sich. Ablehnung kam von AfD, Die Linke und Max Braun (Die
Partei), während die Grünen einen Änderungsantrag eingebracht hatten. Mit diesem Ansinnen wollten sie weitergehende Vorgaben zum Umwelt- und Klimaschutz in den Verträgen verankern, etwa zur Art des eingesetzten Erdgases und zu den Stickoxid-Emissionen. Nach der Ablehnung dieses Antrags votierten die Grünen dann ebenfalls gegen das Gesamtprojekt. 

"Wir haben es seit Jahren nicht geschafft, die Voraussetzungen dafür zu schaffen", klagte Grüne-Fraktionschef Aljoscha Löffler, "dass wir auf den Betrieb von Kraftwerken mit fossiler Feuerung verzichten können". Zudem richtete sich sein Unmut gegen die EnBW: "Es wäre möglich, der Absichtserklärung verbindliche Worte und Taten folgen zu lassen", so Löffler. Dagegen berichtete Tilman Pfannkuch (CDU) von "sehr konstruktiven und realistischen Verhandlungen" mit dem Betreiber. "Wir sollten den Bogen nicht überspannen", warnte Pfannkuch, denn das Kraftwerk werde für die überregionale Versorgung dringend benötigt. Auch Dr. Anton Huber (SPD) nannte die EnBW-Pläne "einen großen Gewinn für Karlsruhe". Wenn sich die Fächerstadt dagegen ausspreche, dann würde eine andere Kommune zum Zuge kommen. Ähnlich äußerte sich Petra Lorenz (FDP/FW): "Wir diskutieren nicht darum, ob das Kraftwerk gebaut wird, sondern wo". Unternehmen wie Bevölkerung bräuchten Planungssicherheit.

Frage nach Verfügbarkeit von Wasserstoff

Als ein "Denkmal der Selbstüberschätzung des Gemeinderats" brandmarkte Dr. Paul Schmidt (AfD) den Beschluss. Die Bundeszuschüsse zum Betrieb eines Gas- und Wasserstoffkraftwerks würden den Strompreis weiter in die Höhe treiben. Stattdessen forderte Schmidt eine Rückkehr zur Kernenergie. "Wir können nicht über die Energiepolitik des Bundes entscheiden", hielt Fabian Gaukel (Volt) dem entgegen. Vielmehr gehe es darum, "aus einer schlechten bundespolitischen Ausgangslage das Beste für die Stadt zu machen". Tanja Kaufmann (Die Linke) bezeichnete Block 9 als "energiepolitisch nicht notwendig und ökologisch unsinnig". Außerdem begründete sie die Ablehnung ihrer Fraktion damit, dass die angekündigte Umrüstung auf Wasserstoff ungewiss sein und in weiter Ferne liege. Auch Michael Haug (KAL) sah zu viele offene Fragen, insbesondere bei der Verfügbarkeit von Wasserstoff und ergänzte: "Was wir brauchen, ist der Umstieg auf alternative Energien".

 

Gebäudeansicht auf dem Thermoselectgelände am Rheinhafen

Logistik-Fläche statt Leerstand

Wie Heike Dederer-Schöberl, Leiterin des Stadtplanungsamts, informierte, bringe der Bebauungsplan außerdem einen "städtebaulichen Vorteil", indem er sich auch auf das Areal der "Thermoselect"-Anlage erstreckt. Die Industrie-Ruine, die auf der Landspitze zwischen den Hafenbecken 4 und 5 liegt, wurde von 22 Jahre endgültig außer Betrieb genommen, nachdem das Konzept, aus Müll Energie zu gewinnen, sich als als nicht praktikabel erwiesen hatte. Laut einer Ankündigung der EnBW soll der Rückbau der Anlage in diesen Tagen beginnen. Das Areal soll anschließend als Logistik-Fläche für den Kraftwerksneubau dienen. -eck-

Dieser Beitrag gehört zur StadtZeitung, die auch in gedruckter Form erscheint. Alle Ausgaben des ePapers sind digital verfügbar.

 

Mehr zu städtischen Themen und den Aktivitäten der Stadtverwaltung Karlsruhe unter www.karlsruhe.de/stadtzeitung

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