Am 2. August 1878 kam die Karlsruher Politikerin Clara Siebert als Clara Maria Ritter in Südbaden zur Welt. Mit ihrem Ehemann Dr. Albert Siebert, zuletzt Oberregierungsrat beim Verwaltungshof im Innenministerium, kam sie 1907 nach Karlsruhe. Zutiefst religiös, engagierte sie sich in der katholischen Sozialbewegung. 1907 gründete Siebert den ersten badischen Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbundes mit und fungierte auf Landesebene 1920 bis 1933 als Vorsitzende. Wegen ihrer sozialen Kompetenz war Siebert von 1911 bis 1918 Mitglied der städtischen Krankenhauskommission.
Abgeordnete im Badischen Landtag
Ihr Engagement beförderte die Emanzipation von Frauen, obgleich sie nicht, wie von Teilen der Frauenbewegung gefordert, auf politische Partizipation wie das Wahlrecht ausgerichtet war, sondern auf professionalisierte weibliche Fürsorgetätigkeiten und Respekt vor der Leistung von Frauen. Ihr christlich-konservatives Frauenbild führte sie auch in der Politik später zur Unterordnung unter die führenden Männer des politischen Katholizismus. Mit der Einführung des Frauenwahlrechts nach der Novemberrevolution 1918 stellte das katholische Zentrum die redegewandte Sozialrechtlerin zur Wahl. Clara Siebert war Abgeordnete im Badischen Landtag von 1919 bis 1933, zeitweilig im Vorstand der Fraktion. Auch bei den Reichstagswahlen 1932 und 1933 errang sie ein Mandat, das sie im selben Jahr schließlich niederlegte und sich fortan als Mutter eines Sohnes allein um die katholischen Sozialwerke wie die Müttervereine sowie in ihrer heimatlichen Karlsruher Pfarrgemeinde St. Elisabeth engagierte.
Überliefert sind einige ihrer zahlreich getexteten Sing- und Weihespiele für religiöse Feierlichkeiten. Nach 1945 knüpfte Clara Siebert nicht mehr an ihre früheren politischen Aktivitäten an. Sie stand aber der Zentrumsnachfolgepartei CDU stets mit Rat zur Seite. Mit fast 90 Jahren starb Siebert 1963 in Karlsruhe. Seit 2000 erinnert in der Südstadt-Ost ein Straßenname an eine der ersten Parlamentarierinnen der Fächerstadt.