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Unsichtbar im Alltag, wichtig im Ernstfall

Vorführung in der Kaiserstraße gibt Einblick in die Sicherheitstechnik des Stadtbahntunnels

Der VBK-Brandschutzbeauftragte Frank Hornberger demonstriert das Öffnen einer Entrauchungsklappe nahe des Lammbrunnens in der Kaiserstraße. Der VBK-Brandschutzbeauftragte Frank Hornberger demonstriert das Öffnen einer Entrauchungsklappe nahe des Lammbrunnens in der Kaiserstraße. © Stadt Karlsruhe, Presse- und Informationsamt, Boris Burghardt

Zuerst ist da ein unüberhörbarer Signalton, dann beginnt sich ein quadratisches Stück Kaiserstraße langsam zu heben. Das Öffnen der Entrauchungsklappen, das im Falle eines Brands im Stadtbahntunnel für den Abzug der giftigen Gase sorgt, passiert nicht ruckartig. Stattdessen fährt die Klappe langsam und gleichmäßig nach oben. Rundherum bleiben Passantinnen und Passanten stehen und beobachten die Vorführung. Viele haben den markierten Flächen zuvor keine Beachtung geschenkt. Dass die Anlage im Alltag so wenig auffällt, ist gewollt: In der Planung ging es gerade darum, die Sicherheitseinrichtung so in den öffentlichen Raum zu integrieren, dass sie die Bummelnden auf der Kaiserstraße nicht stört.

Sicherheit ohne neue Barrieren

Zum Pressetermin „ohne aktuellen Anlass“ hatte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup geladen – ganz ohne Anlass war die Vorführung allerdings nicht. Vom Beirat für Menschen mit Behinderungen auf den Öffnungsmechanismus der Klappen angesprochen, hatte die Verwaltung entschieden, diesen kurzerhand einmal praktisch zu demonstrieren. Wie schnell öffnet sich die Klappe? Was passiert, wenn sich in diesem Moment jemand auf der Fläche befindet? Und wie gefährlich sind offen stehende Klappen etwa für Menschen mit einer Sehbehinderung?

Fragen, die sich bei einer Sicherheitseinrichtung in einer stark frequentierten Fußgängerzone durchaus stellen. Bereits bei der Planung war deshalb intensiv darüber diskutiert worden, wie die im Boden eingelassenen Klappen gekennzeichnet werden sollten. Zusätzliche Schilder oder gar eine Einzäunung hätten sie zwar hervorgehoben, zugleich aber neue Hindernisse im öffentlichen Raum geschaffen. Die nun in der Kaiserstraße umgesetzte Lösung versucht, einen guten Kompromiss zu finden. Die Anlagen fügen sich möglichst unauffällig in das Straßenbild ein. Im Boden verankerte Stühle verhindern, dass die Flächen zugestellt oder zugeparkt werden. Im Auslösefall machen deutliche akustische und optische Signale auf die bevorstehende Öffnung aufmerksam.

Dass das auch praktisch funktioniert, davon konnten sich Artur Budnik und Meftune Ippolito vom Beirat für Menschen mit Behinderungen gemeinsam mit Oberbürgermeister Mentrup sowie den Fachleuten der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) überzeugen. Bevor sich die Klappe in Bewegung setzt, bleibt nach dem Warnsignal ausreichend Zeit, die Fläche zu verlassen – das testeten OB Mentrup und Artur Budnik bei einer „Sonderfahrt“ gleich selbst. Auch das Sicherheitsgitter, das vor einem Sturz in den freigelegten Schacht schützt, wurde auf mögliche Gefahrenstellen etwa für blinde oder sehbehinderte Menschen sowie Rollstuhlfahrende begutachtet. Damit die Öffnung für möglichst alle Passantinnen und Passanten wahrnehmbar ist, setzt die Anlage auf das Zwei-Sinne-Prinzip: Ein deutlich hörbares Signal ergänzt das gelbe Signallicht an den Seiten der Entrauchungsklappe und soll insbesondere Menschen, die die geöffnete Klappe nicht sehen können, rechtzeitig warnen und davon abhalten, sich ihr weiter zu nähern.

Bei einer "Sonderfahrt" testen Artur Budnik und Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, ob genug Zeit bleibt, sich im Fall einer Öffnung von der Klappe herabzusteigen.
Die Markierung zeigt: "Achtung! Klappe öffnet sich bei Brandalarm im Stadtbahntunnel automatisch!"
Die Entrauchungsklappen sind deutlich im Straßenbelag hervorgehoben.
Durch den Schacht ist der darunterliegende Bahnsteig zu sehen.
Die Öffnung der Entrauchungsklappen wurde bei einem Pressetermin demonstriert.

Für den Brandschutzbeauftragten der VBK Frank Hornberger und den Technischen Geschäftsführer Christian Höglmeier ist die eher unscheinbare Technik ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzepts des Stadtbahntunnels. Kommt es dort zu einem Feuer, müssen Rauch und Brandgase aus der Tunnelanlage abziehen können. Insgesamt 17 Entrauchungsklappen schaffen dafür einen Weg an die Oberfläche. Zum Ernstfall kam es glücklicherweise bislang noch nie. Ausgelöst wurden die Anlagen lediglich durch kleinere Mülleimerbrände oder Fehlalarme. Zusätzlich finden jährlich Funktionstests statt.

Die Demonstration der Klappen weckt auch das Interesse vieler Passantinnen und Passanten.

Gerade weil solche Anlagen im Alltag möglichst wenig in Erscheinung treten, sei es wichtig, verständlich zu machen, wie diese funktionieren, betonte OB Mentrup. Er freute sich über das große Interesse der Medien sowie der Passantinnen und Passanten. Insgesamt habe sich gezeigt, dass die Kaiserstraße von der Umgestaltung deutlich profitiert habe. Es sei hervorragend gelungen, die notwendige Technik aus dem Untergrund ästhetisch in das Gesamtbild der Innenstadt zu integrieren.

Dieser Beitrag gehört zur StadtZeitung, die auch in gedruckter Form erscheint. Alle Ausgaben des ePapers sind digital verfügbar.

 

Mehr zu städtischen Themen und den Aktivitäten der Stadtverwaltung Karlsruhe unter www.karlsruhe.de/stadtzeitung

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