Zuerst ist da ein unüberhörbarer Signalton, dann beginnt sich ein quadratisches Stück Kaiserstraße langsam zu heben. Das Öffnen der Entrauchungsklappen, das im Falle eines Brands im Stadtbahntunnel für den Abzug der giftigen Gase sorgt, passiert nicht ruckartig. Stattdessen fährt die Klappe langsam und gleichmäßig nach oben. Rundherum bleiben Passantinnen und Passanten stehen und beobachten die Vorführung. Viele haben den markierten Flächen zuvor keine Beachtung geschenkt. Dass die Anlage im Alltag so wenig auffällt, ist gewollt: In der Planung ging es gerade darum, die Sicherheitseinrichtung so in den öffentlichen Raum zu integrieren, dass sie die Bummelnden auf der Kaiserstraße nicht stört.
Sicherheit ohne neue Barrieren
Zum Pressetermin „ohne aktuellen Anlass“ hatte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup geladen – ganz ohne Anlass war die Vorführung allerdings nicht. Vom Beirat für Menschen mit Behinderungen auf den Öffnungsmechanismus der Klappen angesprochen, hatte die Verwaltung entschieden, diesen kurzerhand einmal praktisch zu demonstrieren. Wie schnell öffnet sich die Klappe? Was passiert, wenn sich in diesem Moment jemand auf der Fläche befindet? Und wie gefährlich sind offen stehende Klappen etwa für Menschen mit einer Sehbehinderung?
Fragen, die sich bei einer Sicherheitseinrichtung in einer stark frequentierten Fußgängerzone durchaus stellen. Bereits bei der Planung war deshalb intensiv darüber diskutiert worden, wie die im Boden eingelassenen Klappen gekennzeichnet werden sollten. Zusätzliche Schilder oder gar eine Einzäunung hätten sie zwar hervorgehoben, zugleich aber neue Hindernisse im öffentlichen Raum geschaffen. Die nun in der Kaiserstraße umgesetzte Lösung versucht, einen guten Kompromiss zu finden. Die Anlagen fügen sich möglichst unauffällig in das Straßenbild ein. Im Boden verankerte Stühle verhindern, dass die Flächen zugestellt oder zugeparkt werden. Im Auslösefall machen deutliche akustische und optische Signale auf die bevorstehende Öffnung aufmerksam.
Dass das auch praktisch funktioniert, davon konnten sich Artur Budnik und Meftune Ippolito vom Beirat für Menschen mit Behinderungen gemeinsam mit Oberbürgermeister Mentrup sowie den Fachleuten der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) überzeugen. Bevor sich die Klappe in Bewegung setzt, bleibt nach dem Warnsignal ausreichend Zeit, die Fläche zu verlassen – das testeten OB Mentrup und Artur Budnik bei einer „Sonderfahrt“ gleich selbst. Auch das Sicherheitsgitter, das vor einem Sturz in den freigelegten Schacht schützt, wurde auf mögliche Gefahrenstellen etwa für blinde oder sehbehinderte Menschen sowie Rollstuhlfahrende begutachtet. Damit die Öffnung für möglichst alle Passantinnen und Passanten wahrnehmbar ist, setzt die Anlage auf das Zwei-Sinne-Prinzip: Ein deutlich hörbares Signal ergänzt das gelbe Signallicht an den Seiten der Entrauchungsklappe und soll insbesondere Menschen, die die geöffnete Klappe nicht sehen können, rechtzeitig warnen und davon abhalten, sich ihr weiter zu nähern.