Unter dem Motto „Queer Minds Matter; Weil Hass krank macht“ stellt der Christopher Street Day (CSD) Karlsruhe in diesem Jahr die psychische Gesundheit queerer Menschen in den Fokus. Bei einem Empfang im Bürgersaal des Rathauses am Marktplatz betonte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Aljoscha Löffler die Bedeutung von Sichtbarkeit, Schutzräumen und gegenseitiger Unterstützung. Es sei Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass Vielfalt, Schutz und Akzeptanz selbstverständlicher Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens seien.
Löffler verwies zugleich auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen, die zeigten, dass Fortschritte bei Gleichberechtigung und Selbstbestimmung nicht selbstverständlich seien. Der Erhalt dieser Errungenschaften bleibe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Sichtbarkeit als wichtiges Signal
Schirmherr des CSD ist in diesem Jahr Prof. Dr. Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums. Er bezeichnete das Motto als hochaktuell und betonte, dass kulturelle Einrichtungen Orte sein müssten, an denen sich Menschen unabhängig von ihrer Identität willkommen und sicher fühlen. Mit der Regenbogenflagge auf dem Schlossturm wolle das Museum ein sichtbares Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Museen seien Orte des Austauschs und der gesellschaftlichen Entwicklung. Queere Menschen habe es in allen Epochen gegeben – verändert habe sich vor allem die Art, wie über sie gesprochen werde. Sichtbarkeit sei deshalb ein wichtiges Signal für Respekt und Gleichberechtigung.
Familie und Freunde als „Stahlnetz“
Besonders eindringlich schilderte Finn Ziegler, Vorstandsmitglied beim CSD Karlsruhe e. V., die Auswirkungen von Hass und Diskriminierung auf die psychische Gesundheit. Queere Menschen seien deutlich häufiger von Depressionen, Angststörungen, Burnout oder Essstörungen betroffen. Er berichtete von eigenen Erfahrungen mit Anfeindungen, übergriffigen Fragen und Ablehnung im Alltag und im Gesundheitswesen. Familie und Freundeskreis seien für ihn ein „Stahlnetz“, das ihn auffange und stärke. Mit Blick auf die Demonstration erklärte er, die Teilnehmenden wollten am Samstag „unübersehbar“ sein.
Geschützte Räume zur Unterstützung
Auch Elisabeth Steiner, Leiterin des Queeren Jugendzentrums LA ViE, unterstrich die Bedeutung geschützter Räume für junge Menschen. Das LA ViE wurde als erstes queeres Jugendzentrum Baden-Württembergs gegründet und begleitet Jugendliche unter anderem bei Themen wie Coming-out, geschlechtlicher Identität und psychischen Belastungen. Im Unterschied zur klassischen offenen Jugendarbeit stünden hier Beziehungs- und Beratungsarbeit besonders im Vordergrund.
Der Querbeet-Chor sowie die Band "Radio Ananas" sorgten für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung.
Der CSD Karlsruhe findet immer am ersten Samstag im Juni statt. Kern ist an diesem Samstag, 6.Juni 2026 eine Demonstration durch die Innenstadt mit anschließender politischer Kundgebung auf dem Marktplatz. Dort findet das ganze Wochenende ein buntes Familienfest statt.