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Ein kleiner Hoffnungsschimmer

OB Mentrup und KVV-Geschäftsführer Pischon sprechen auf Sommer-PK zur Situation des ÖPNV

Impression von der Sommer-PK von OB Mentrup auf der Dachterrasse des KVV-Gebäudes. KVV-Geschäftsführer Prof. Dr. Alexander Pischon (v.l.), Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Pressesprecher Florian Kaute bei der Sommer-Pressekonferenz auf der Dachterrasse des KVV. © Stadt Karlsruhe, Presse- und Informationsamt, Boris Burghardt

Hoher Aufwand für Sanierungen, weiter steigende Betriebskosten und wenig auskömmliche Finanzierung von Bund und Land – keine Frage, der öffentliche Personennahverkehr steckt auch in Karlsruhe in der Krise. In dieser Situation sieht Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup „einen kleinen Hoffnungsschimmer am Ende eines langen dunklen Tunnels“. Angezündet hat dieses Licht das Land Baden-Württemberg mit der Absicht, das Landesmobilitätsgesetz zu erweitern. Hatte dies bislang vor allem zum Ziel, Mittel für den Ausbau des ÖPNV sicherzustellen, soll es nun die Möglichkeit geben, bei „drohender Verschlechterung“ des Angebots, Gelder aus dem Mobilitätspass einzusetzen. Damit könne man eventuell ein Abschmelzen des Verkehrsangebots ausgleichen, welches ansonsten infolge der Finanzmisere in den Kommunen droht. „Wir nehmen diese Option möglicherweise gerne an“, sagte OB Mentrup bei seiner diesjährigen Sommer-Pressekonferenz und signalisierte Bereitschaft zu einer vertiefenden Untersuchung, für die es Zuwendungen vom Land gebe. Die Alternative dazu seien Ausdünnungen des Fahrplantaktes und Kürzungen von Buslinien bei den städtischen Verkehrsbetrieben (VBK). Hierüber werde im Herbst der Gemeinderat zu befinden haben.

Mit Mobilitätsgesetz und -pass will das Land Kommunen und Landkreisen ein Instrument an die Hand geben, um neue Wege bei der Finanzierung des Nahverkehrs zu beschreiten. Zur Wahl stehen zwei Optionen: Entweder ein Beitrag, den alle Einwohnerinnen und Einwohner entrichten, oder der von Kraftfahrzeughalterinnen und -haltern aufgebracht wird. Als Gegenleistung dafür gibt es ein Guthaben für ÖPNV-Leistungen. Nicht abgerufene Guthaben fließen dann in die Verbesserung des Nahverkehrsangebots ein. Eine ursprünglich vorgesehene dritte Option, die Arbeitgeberabgabe, wurde vom Land zwischenzeitlich wieder fallen gelassen – sehr zum Bedauern von OB Mentrup.

Wie problematisch sich die Lage darstellt, verdeutlichte Prof. Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsleitung der VBK und der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG). „Wir kommen in eine Situation, in der die öffentlichen Mittel zunehmend fehlen“. Bundesweit fehlten 1,4 Milliarden Euro pro Jahr alleine zur Erhaltung des Status Quo. Wolle man die Klimaziele des Bundes im Verkehrssektor erreichen, seien sogar vier Milliarden erforderlich. Hinzu komme die weiterhin ungeklärte Zukunft des Deutschland-Tickets. „Wir kämpfen für eine auskömmliche und langfristige Finanzierung“, kündigte Pischon an. Öffentlicher Nahverkehr sei kein Luxusgut, sondern Daseinsvorsorge und daher laute die Maxime „sanieren, leisten, wachsen“. Letzteres bezog der VBK- und AVG-Chef auch auf die Personalgewinnung. Rund 200 Personen müssten jedes Jahr alleine durch den demografischen Wandel in den städtischen Verkehrsunternehmen ersetzt werden. Während bei den VBK der Personalstand inzwischen ausreiche, gebe es bei der AVG immer noch Lücken. Diese sollen unter anderem durch verstärkte Ausbildung geschlossen werden. Kommendes Jahr wolle die AVG rund 100 Ausbildungsplätze für Fahrpersonal anbieten.

Impression von der Sommer-PK von OB Mentrup auf der Dachterrasse des KVV-Gebäudes.

Beim Themenbereich Öffentlicher Nahverkehr machte der Oberbürgermeister in diesem Jahr Licht und Schatten gleichermaßen ausfindig. Auf der Erfolgsseite sah er die für Anfang kommenden Jahres angestrebte Fusion des Karlsruher Verkehrsverbunds mit dem Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis. Nach vielen Verhandlungsrunden gehe es nun darum, den neuen Gesellschaftsvertrag durch alle beteiligten Gremien zu bringen. Da in der neuen Verbundstruktur das Land Baden-Württemberg als Gesellschafter einsteige, bedeute dies, „dass die Stadt Karlsruhe ihren dominierenden Einfluss auf den KVV verlieren wird“, sagte Mentrup. Der Gemeinderat habe das akzeptiert, „weil wir an einer gemeinsamen Vision weiterarbeiten wollen, ein möglichst großes Verbundgebiet zu generieren“. Eher der Schattenseite ordnete das Stadtoberhaupt hingegen den aktuellen Stand in Sachen Neubau der Turmbergbahn zu. Noch immer stehe der Förderbescheid des Landes Baden-Württemberg zur Bezuschussung des Großvorhabens aus. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum wir Monate auf diesen Bescheid warten müssen“, zürnte Mentrup, zumal jeder Monat Verzug am Ende möglicherweise Mehrkosten wegen steigender Baupreise bedeuten könne. Die Festpreiszusage des potenziellen Erbauers lasse lediglich eine inflationsbedingte Entwicklung zu. Und auch zum Deutschland-Ticket hatte der OB seine eigene Meinung. Mit den Worten „so richtig überzeugend ist das nicht“ kommentierte er die bisherigen Aussagen aus der Politik zur weiteren Finanzierung und richtete dabei an den Bund die Forderung, „hier endlich für Verlässlichkeit zu sorgen“. Dabei stehe der Erfolg des Deutschland-Tickets außer Frage. Seit seiner Einführung habe sich die Abonnentenzahl im KVV-Verbundgebiet deutlich erhöht. Bereits etablierte Angebote wieder zurück zu nehmen, sei nach den Worten von Alexander Pischon keine Option, denn „dann würden viele wieder ins Auto steigen“. -eck-

Impression von der Sommer-PK von OB Mentrup auf der Dachterrasse des KVV-Gebäudes.
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