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Sparen mit Ausnahmen im Kulturbereich

Rat halbiert vorgeschlagene Kürzungen der institutionellen und quasi-institutionellen Förderung / Sondertopf für freie Projekte

Ausgefüllte Postkarten der Petition "Geht's noch Karlsruhe". Viele Karlsruherinnen und Karlsruher sprachen sich gegen starke Kürzungen im Kulturbereich aus. © Stadt Karlsruhe, Presse- und Informationsamt, Monika Müller-Gmelin

"Rasenmäher" oder "Gießkanne" waren während der Haushaltsberatungen beliebte sprachliche Bilder, sollten aber laut einigen Stadträtinnen und Stadträten als Prinzipien der Mittelverteilung ausgedient haben – so auch bei den Beratungen zum Kulturhaushalt. Die Verwaltung hatte eine pauschale Kürzung der institutionellen Förderung im Theaterbereich, im Musikbereich sowie bei den übrigen Kultureinrichtungen um 8,7 Prozent vorgeschlagen, im quasi-institutionellen Bereich um 10 Prozent. Diese Kürzung "per Rasenmäherprinzip" hatten mehrere Fraktionen bemängelt.

Zuschüsse für institutionelle und quasi-institutionelle Förderung halbiert

Wie im Kulturbereich die Einsparungen umgesetzt werden können, darüber schieden sich die Geister. Ein interfraktioneller Antrag von Grünen, CDU, SPD und KAL strebte eine Halbierung der vorgeschlagenen Kürzungen an, im institutionellen Bereich um 4,35 Prozent (statt 8,7 Prozent) und bei der quasi-institutionellen Förderung um fünf Prozent (statt zehn).

Kommunale Kulturförderung im Überblick

In Karlsruhe bedeutet institutionelle Kulturförderung, dass die Stadt ausgewählte Einrichtungen dauerhaft und regelmäßig aus dem städtischen Haushalt finanziell unterstützt. Dazu gehören zum Beispiel soziokulturelle Zentren, Museen und Heimathäuser, zahlreiche Theater, Literatureinrichtungen, Orte der bildenden Kunst, Vereine zur Kinder- und Jugendbildung und viele weitere Institutionen. Diese Einrichtungen erhalten in der Regel jährlich wiederkehrende Zuschüsse, die einen wesentlichen Teil ihrer Betriebs-, Personal- und Sachkosten abdecken und ihnen so eine verlässliche Planung ermöglichen. Die Förderung ist an Kriterien wie künstlerische Qualität, Bedeutung für das Kulturleben, Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit und eine gesicherte Grundfinanzierung durch weitere Mittel (etwa Eigenmittel oder Förderung durch Land oder Bund) geknüpft.

​Quasi-institutionelle Förderung meint sinngemäß längerfristige, wiederkehrende Zuschüsse an Kulturinitiativen und Vereine, die (noch) nicht als voll institutionell gefördert gelten, aber für die städtische Kulturszene wichtig sind. Das können etwa freie Theatergruppen, Kulturzentren oder soziokulturelle Initiativen sein, die über mehrere Jahre Basis- oder Rahmenförderungen erhalten und dadurch regelmäßige Angebote machen können, ohne eine vollständige Dauerfinanzierung zu haben.

​Im Zusammenspiel mit der Projektförderung, mit der das Kulturbüro auf Antrag Kunst- und Kreativschaffenden aus allen künstlerischen Sparten finanzielle Unterstützung gewährt, ist dieses System so gestaltet, dass sowohl die etablierte kulturelle Grundversorgung – also die „Kultur-Infrastruktur“ – stabil bleibt, als auch neue Formate, Festivals und Experimente entstehen können.

 

"Wir wollen keine Neiddebatte in der Kulturszene", erklärte Dr. Rahsan Dogan die Position der CDU-Fraktion. "Alle Existenzen sollen weiter gewährleistet sein." Dem schloss sich die KAL-Fraktion an und wies auf den "existenzbedrohenden" Charakter der vorgeschlagenen Kürzungen für manche Einrichtungen und Projekte hin, ebenso die SPD-Fraktion, für die Stadträtin Elke Ernemann an die Auswirkungen der Pandemie erinnerte. "Wir wollen keine Kultureinrichtungen verlieren", sagte sie. Dennoch müsse man auch an der Kultur sparen, "aber überlegt vorgehen."

Akzente setzen

Eine Alternative dazu schlug die Volt-Fraktion vor, denn die negativen Effekte des Rasenmäherprinzips mildere man nicht ab, "indem wir die Höhe des Rasenmähers ändern", argumentierte Stadtrat Kiên Nguyen (Volt). Seine Fraktion wolle daher eigene Prioritäten festlegen und einen Akzent vor allem auf Angebote für Kinder und Jugendliche, besonders aus prekären Verhältnissen, setzen. Ähnliches ließ auch die FDP/FW-Fraktion verlauten, Annette Böringer beurteilte das "Rasenmäherprinzip" als "nicht sachgerecht": "Es gibt welche, die können damit überleben, aber andere nicht." Daher schlage das Fraktionsbündnis für 2026 eine Absenkung der Kürzungen auf vier Prozent vor, für 2027 solle dann der "institutionelle Bereich vom Kopf wieder auf die Füße gestellt" werden. "Es gibt keine Konzeption, keine Bewertung, mit der man überlegt, wie man die Mittel verteilt", sagte die Stadträtin. Höhere Einsparungen schlug die AfD-Fraktion für bestimmte Institutionen vor, darunter Kürzungen von zehn Prozent unter anderem bei Kammertheater, Sandkorn, Tollhaus, Marotte, Werkraum und Substage. "Die Kultur soll ihren Anteil bringen, den Haushalt zu konsolidieren", forderte Stadtrat Oliver Schnell. Die Kindermalwerkstatt wollte die AfD hingegen von den Kürzungen gesamt ausnehmen.

Einen anderen Vorschlag stellte Einzelstadtrat Friedemann Kalmbach (FÜR) zur Debatte: "Die Summe der Kürzungen beim Staatstheater ergeben die freie Szene", erläuterte er und berichtete, dass nach einem Austausch mit dem Badischen Staatsheater auch die Schließung einer ganzen Sparte denkbar wäre. "Wir müssen die Balance wieder herstellen", sagte der Stadtrat. "Wir finden das Vorgehen an sich nicht in Ordnung", monierte Anne Berghoff (Die Linke). Ihre Fraktion stelle sich klar gegen eine Pauschalisierung, enthalte sich aber "wohlwollend" bei den Anträgen, die eine Halbierung der Kürzungen im Sinn hatten. "Die existenzielle Bedrohung sehen wir auch", so die Stadträtin.

Mehrheiten fanden sich für die interfraktionellen Vorschläge der Halbierung, zusätzlich klammerten einige Anträge manches komplett aus. So wird bei den Kultureinrichtungen KOHI Kulturraum e.V., Kindermalwerkstatt e.V., Werkraum e.V. und TanzAreal e.V. nicht gekürzt. Beispielhaft sagte Einzelstadtrat Max Braun (Die PARTEI): "Wir erhalten beim KOHI einen großen kulturellen Wert mit vergleichsweise wenig Geld."

Bei der quasi-institutionellen Förderung erhielten ähnliche Anträge, die eine Ausnahme von einzelnen Angeboten oder gar Erhöhung der Fördersumme forderten, keine Mehrheiten, so etwa für den Karlsruher CSD (Christopher Street Day), das dokKa-Filmfestival, Independent Days e.V. und Stummfilmtage. Auch das Pride Pictures Queer Film Festival, Tiyatro Diyalog Karlsruhe e.V. und das Sandkorn Theater müssen sich auf eine Halbierung des quasi-institutionellen Zuschusses einstellen, für den sich schließlich eine Mehrheit aussprach.

Fördertopf und Ausnahmen bei Projekten

Bei der Projektförderung höhlten mehrheitlich beschlossene Anträge den Vorschlag der Verwaltung, die Unterstützung freier und innovativer Projekte sowie "Schule und Kultur" und die "Wochen gegen Rassismus" einzustellen, weitgehend aus. So wird der Jüdische Friedhof gefördert, mit 50.000 Euro pro Jahr bleibt die Projektförderung für "Schule und Kultur" und 20.000 Euro die Wochen gegen Rassismus. "In Karlsruhe leben rund 38 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund", erläuterte Grünen-Stadträtin Ceren Akbaba, "und Teilhabe produziert Konflikte, wenn Institutionen nicht mitwachsen." Die "Wohlfühlformate", so Volt-Stadtrat Nguyen, seien daher wichtig und auch Linke-Stadträtin Berghoff und Stadtrat Braun erachteten diese Angebote als wichtig und zeitgemäß. Der Vorstoß der SPD-Fraktion, die Projektförderung für freie Projekte in den Haushaltsjahren 2026 und 2027 weiterhin in bestimmten Bereichen („Kinder- und Jugendtheater“, „Darstellende Kunst und Tanz“, „Musik“, „Popularmusik“, „Literatur“, „Bildende Kunst“, „Film/Video“, „ Sonstige Gesch/Brauch/Heimat/Denkmal“, „Interdisziplin./Kinder- und Jugendkultur“, „Kultur- und Kreativwirtschaft“ und „Sonstiges“ (bisheriger Umfang: 150.920 Euro pro Jahr) aufrechtzuerhalten, wurde mehrheitlich beschlossen. Dafür sollen insgesamt 120.000 Euro pro Jahr bereitstehen.

Weiterhin fand sich eine knappe Mehrheit (27 Ja- zu 19 Nein-Stimmen, die gegen die Mittelstreichung für den Runden Tisch Kommunale Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit stimmte. Einen externen Antrag, das Amt eines kommunalen Antisemitismusbeauftragen einzurichten, wurde als erledigt betrachtet. Es sei "schwierig, wie das konzeptionell ausgestaltet wird," merkte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup an. "Eigentlich sollte das nicht nötig sein," argumentierte Oliver Schnell, die Stadt habe ja bereits den Runden Tisch. Der AfD-Stadtrat beklagte jedoch, dass dessen Positionspapier nichts zum Thema Antisemitismus enthalte – dem widersprach der OB, eine Passage dazu sei nachgetragen worden.

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