Am 20. Juni 1876, vor 150 Jahren, wurde Hans Waag geboren. Waag hatte in Ingenieurswissenschaften promoviert und als Architekt im Staatsdienst gearbeitet, bevor er sich mit 32 Jahren noch einmal völlig neu orientierte und ans Theater ging.
Nach einer Station als Dramaturg und Oberspielleiter am Nationaltheater Mannheim stieg er schnell auf und wirkte als Intendant an verschiedenen Hof- und Stadttheatern. Nach seinem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Intendant an den Städtischen Schauspielen Baden-Baden und wurde schließlich 1926 Intendant des Badischen Landestheaters Karlsruhe (das von den Nationalsozialisten 1933 in Badisches Staatstheater umbenannt wurde). Dort betrieb er, wie er selbst formulierte, „Kompromissarbeit“: zwischen national-konservativen und zeitgenössisch-experimentellen Stücken, linker und rechter Presse, Politik und Geldgebern.
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Waag im März 1933 entlassen und 1934 wegen vermeintlicher Arbeitsunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen pensioniert. Hintergrund für zahlreiche Entlassungen an deutschen Theatern im Frühjahr 1933 war die von den Nationalsozialisten angestrebte „Neuordnung des deutschen Bühnenlebens“, das unter anderem durch die Neubesetzung von Stellen konsequent in den Dienst nationalsozialistischer Ideologie gestellt werden sollte. In diesem Zusammenhang wurden auch andere Mitarbeitende des Badischen Landestheaters entlassen.
Im Falle Waags dürfte es nicht zu seinen Gunsten gewesen sein, dass er sich noch im Februar 1933 vor Gericht erfolgreich gegen eine von der Partei-Zeitung der NSDAP in Baden, „Der Führer“, gestartete Verleumdungskampagne zur Wehr gesetzt hatte. Nach seiner Pensionierung siedelte Waag nach Baden-Baden auf Schloss Neuweier um, das sich im Besitz der Familie seiner zweiten Ehefrau befand. Dort verfasste er populäre Theaterstücke, die in der Region durch Laien-Ensembles aufgeführt wurden. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er als 63-Jähriger 1939 zur Wehrmacht eingezogen und starb im Sommer 1941 infolge einer Erkrankung im Lazarett in Schimsk (Russland). -nüb-