Der nördliche Bereich des Rheinstrandbads, so der Vorschlag, steht künftig unter der Ägide des Fördervereins. Da dieser noch recht jung sei und die finanziellen sowie personellen Ressourcen in der kurzen Zeit nicht akquieren könne, "muss sich noch vieles entwickeln", führte Bürgermeisterin Yvette Melchien in der Gemeinderatssitzung aus, "aber: Wir sind sehr froh und dankbar für das Engagement und die angekündigte Unterstützung".
Einer ursprünglich avisierten Einsparsumme von rund 900.000 Euro durch die vollständige Schließung des Rheinstrandbads für zwei Jahre steht nun ein Finanzierungsdelta von rund 250.000 Euro gegenüber – eine Lücke, die durch eine Umschichtung innerhalb der bestehenden Zuschüsse erfolgen soll: Die beiden Gesellschaften Europabad und Fächerbad erhalten jeweils rund 126.430 Euro weniger Verlustausgleich, um die Mehraufwendungen zu decken. Falls deren operative Ergebnisse 2026 dafür nicht ausreichen, kann der Fehlbetrag einmalig über das Eigenkapital der Gesellschaften ausgeglichen werden.
"Bei Einsparkurs auch eine der besten Bäderlandschaften nicht außen vor lassen"
In den Reihen der Stadträtinnen und Stadträte stieß das vorgeschlagene Konzept auf Wohlwollen: Alle hoben die besondere Aufenthaltsqualität des "Rappele" hervor, die durch den Weiterbetrieb vorerst erhalten bleiben könne, auch wenn einige Fraktionen erklärten, sich mit der Entscheidung schwergetan zu haben. "Lässt es sich rechtfertigen, dass 250.000 Euro für Investitionen möglicherweise bei den anderen Bädern fehlen?", fragte etwa Verena Anlauf (Grüne). "Unser Rappele war eine Mammutaufgabe", erklärte Thomas Hock (FDP/FW) und dankte der Verwaltung für den Versuch, trotz Sparkurs eine Lösung zu finden. Auch Mathias Tröndle ließ für die SPD ähnliches verlauten: Seine Fraktion setze mit dem Votum für den Verwaltungsvorschlag ein "Zeichen der Anerkennung", der Stadtrat betonte jedoch auch: "Wir können, dürfen und wollen beim Einsparkurs auch eine der besten Bäderlandschaften nicht außen vor lassen." Für eine übergreifende Schau wie etwa im Rahmen eines Bäderforums plädierte auch Detlef Hofmann. "Vielleicht müssen wir uns von dem ein oder anderen Bad verabschieden", sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion. "Das jetzt allein auf Rappenwört abzuwälzen, ist nicht fair."
KAL-Stadträtin Sonja Döring hob die vielen positiven Wirkungen des Rheinstrandbads zur Abkühlung an heißen Tagen, Lernort für das Schwimmen und sichere Bewegen im Wasser sowie Ruhe und Aufenthalt in der Natur vor, die ihre Fraktion gegen den enormen Kostenfaktor abgewogen habe. Zustimmung gab es auch von Seiten der AfD, auch wenn Andreas Seidler den Zugriff auf den Verlustausgleich als eine im Rahmen der Haushaltskonsolidierung "schlechte Gewohnheit" kritisierte: "Jedoch ist es auch hier so: 'Not kennt kein Gebot'", erklärte der Stadtrat.
Sorge vor Überforderung des Ehrenamts
Das Engagement des Fördervereins erntete fraktionsübergreifend viel Lob, schließlich gebe es auch in Karlsruhe positive Beispiele – wenngleich ein "Rappele" nicht etwa mit dem "Wölfle", dem Freibad in Wolfartsweier, vergleichbar sei, wie Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup abschließend zu bedenken gab. Jedoch hatten die Mitglieder des Gemeinderats auch Sorgen: FÜR-Stadtrat Friedemann Kalmbach drängte auf eine langfristig tragfähige Lösung, "unser größtes Schwimmbad auf die Schultern von Ehrenamtlichen zu laden, ist eine Überforderung". Dass man die Ehrenamtlichen gegebenenfalls "bitter enttäuschen" müsse, falls 2027 die Gelder für den finanziellen Ausgleich fehlen, befürchtete Verena Anlauf. Fabian Gaukel (Volt) blieb hingegen optimistisch: Der Förderverein habe nun Zeit, sich zu beweisen und eine Entscheidung könne nach der "Testsaison" getroffen werden. AfD-Stadtrat Oliver Schnell nutzte die öffentliche Bühne des Gemeinderats für einen Appell an die Bevölkerung, ein klares Zeichen für das Rheinstrandbad zu setzen und es im Sommer rege zu besuchen.