Melitta Schöpf zählte von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre zu den prägendsten Kommunalpolitikerinnen der Fächerstadt. Vor 125 Jahren, am 27. Januar 1901, kam sie im nordbadischen Mosbach Melitta Schöpf zur Welt. Nach der Versetzung ihres Vaters, des Bahnmeisters Wilhelm Fretz, an den Bahnhof Mühlburger Tor in Karlsruhe wuchs sie ab 1906 in der Weststadt auf und besuchte die Höhere Mädchenschule.
Bis 1928 arbeitete sie im Postscheckamt und ließ sich danach ein Jahr lang für eine Amerikareise beurlauben. Aus ihrer 1931 geschlossenen Ehe mit dem Kaufmann Karl Schöpf, dem Mitinhaber des Modegeschäfts am Marktplatz, entstammt die Tochter Maria Melitta.
Recht spät begann Melitta Schöpf, sich politisch zu betätigen. Angeregt durch ihre Freundschaft mit der Frauenrechtlerin und FDP-Politikerin Marie-Elisabeth Lüders trat sie 1953 der Partei bei und engagierte sich in der Karlsruher FDP-Frauengruppe, deren Vorsitz sie 1955 übernahm. Im Jahr darauf zog sie als erste Freidemokratin in den Gemeinderat ein, dem sie ununterbrochen bis 1975 angehörte.
Melitta Schöpf engagierte sich insbesondere in den Bereichen Soziales, Schulen, Frauenrechte, aber auch im Kampf für den Erhalt des architektonischen Erbes der Fächerstadt. Von allen Seiten wurde ihr dabei eine durchaus positiv wahrgenommene Durchsetzungsfähigkeit bescheinigt. Wenn sie es als notwendig ansah, stellte sie sich im Einzelfall auch gegen ihre FDP-Gemeinderatskollegen, zum Beispiel als diese die gynäkologische Abteilung am Städtischen Klinikum schließen wollten.
Melitta Schöpf war auch außerhalb des Gemeinderats ehrenamtlich tätig, in ihrer Kirchengemeinde, beim Roten Kreuz, im Deutschen Evangelischen Frauenbund oder im Club berufstätiger Frauen. Für ihr vielfältiges Engagement erhielt sie 1967 das Bundesverdienstkreuz, 1975 verlieh ihr die FDP die Thomas-Dehler-Medaille. Im Jahr 2000 – elf Jahre nach ihrem Tod – wurde eine Straße in der Südstadt nach Melitta Schöpf benannt. -vs-