Software kann vieles berechnen, aber doch nicht alles. Aus dieser Erkenntnis heraus setzt das Tiefbauamt bei der Starkregenvorsorge auf lokale Expertise und lud daher zahlreiche Akteure aus den städtischen Dienststellen zu einem gemeinsamen Workshop. Ziel war es, die Kartenwerke für das Starkregen-Risikomanagement zu verfeinern. Diese waren zuvor unter anderem mit Hilfe von Lasercans aus Flugzeugen erstellt worden.
Persönliche Erfahrungen entscheidend
Bei der Zusammenkunft im Rathaus West kam einiges an Erkenntnissen zusammen. So gab beispielsweise Bernd Struck vom städtischen Forstamt den "Maisfaktor" zu bedenken. Mit Folien bedeckte oder abgeerntete und nicht umgepflügte Felder sorgten dafür, dass "ein Hochwasser-Rückhaltebecken innerhalb kürzester Zeit voll läuft". Auch Veränderungen im Gebäudebeststand, Querschnitte von Durchlässen oder Fließhindernisse bei Gewässern und Mulden in Hanglagen wurden angesprochen und dabei einige Detailpunkte entdeckt. "Technik leistet viel, aber persönliche Erfahrungen sind entscheidend", zog Toralf Kramer vom Tiefbauamt am Ende ein zufriedenes Fazit.
Nächste Phase im Planungsprozess
Die beim Workshop gewonnenen Erkenntnisse münden nun in die nächsten Phasen des Planungsprozesses zum Starkregen-Risikomanagement ein, den eine städtische Lenkungsgruppe bereits im vergangenen Jahr angestoßen hatte. Hierfür gibt es Fördermittel des Landes Baden-Württemberg. „Im Zuge des Klimawandels werden sowohl die Verwaltung als auch die Bürgerschaft verstärkt mit Starkregen umgehen müssen“, erläuterte Kramer die Notwendigkeit, tiefbauamtsinterne Starkregenkarten abzulösen und das Thema weiter gestreut in der Stadtgesellschaft zu platzieren. Wie Leonhard Lange vom beauftragten Ingenieurbüro ergänzte, „entstehen 50 Prozent aller Hochwasserschäden durch Starkregen“, so dass Handlungsbedarf bestehe.
Handlungskonzept bis Ende 2024
Bei der Risikoanalyse gibt es drei Szenarien: Seltene, außergewöhnliche und extreme Ereignisse. Letztere orientierten sich an den höchsten, jemals in Baden-Württemberg gemessenen Niederschlägen, so dass Flächen im Extremfall bis zu einem Meter unter Wasser stehen könnten. Als nächster Schritt findet nun ein zweiter Rechenlauf statt, ehe dann im kommenden Jahr aus den gewonnen Daten mit der Ermittlung und Bewertung des Überflutungsrisikos begonnen wird. Bis Ende 2024 will die Lenkungsgruppe mit den Ergebnissen des Handlungskonzeptes und den Karten an die Öffentlichkeit gehen, damit Bürgerinnen und Bürger selbst Gefährdungslagen einschätzen können. -eck-