Ein Montagmorgen im Großen Sitzungssaal des Rathauses: Rund 50 Personen nehmen an einer zweitägigen Fortbildung der Stadt teil. Sie möchten ehrenamtlich als Sicherheitsberaterinnen und -berater Senioren unterstützen. Dazu hielten Vertreter vom Polizeipräsidium, vom Netzwerk Demenz Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung sowie von Stadt- und Kreisseniorenrat Vorträge.
Bürgermeister Dr. Albert Käuflein verwies auf Karlsruhe als eine „lebenswerte und sichere Stadt“ – beides habe viel miteinander zu tun. Dazu brauche es ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die sich einsetzten – als Ansprechpartner, die informieren und aufklären, sodass sich ältere Menschen sicherer im Alltag bewegen und ihre Selbständigkeit beibehalten könnten.
Käuflein verwies auf Betrugsmaschen wie den sogenannten „Enkeltrick“, wo Seniorinnen oder Senioren per Anruf von einem vermeintlichen Enkel in Not unter Druck gesetzt werden, um hohe Geldbeträge zu übersenden.
Die teilnehmenden ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater entstammten vielen Bereichen der Gesellschaft – darunter ein Student, ein ehemaliger Polizeibeamter, eine Grafikerin, eine Forstingenieurin, eine Pflegerin oder ein Bankkaufmann. Teils sind es Erfahrungen im eigenen Umfeld, die sie zu der Fortbildung bewegen. Dass Menschen ruiniert würden, ihre gesamten Ersparnisse weg seien und das Auftreten „falscher“ Polizisten das Vertrauen in die Polizei erschüttere – das könne nicht angehen, meinte ein anderer. Er wolle durch Aufklärung einen Beitrag leisten.
Sogenannte „Phishing Mails“, bei denen Daten erbeutet werden, nannte eine Teilnehmerin als eigene Erfahrung. Es sei etwas anmaßend, lediglich Senioren als Opfer von Betrugsmaschen zu sehen, gab ein Teilnehmer zu bedenken, denn Menschen jeden Alters seien betroffen. Thomas Gack vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Karlsruhe betonte, dass Schockanrufe täglich passierten, mit immer neuen Tricks. Manchmal seien ältere Menschen froh über einen Anruf – darüber, dass sich jemand für sie interessiere. Dann seien sie schnell in einem Tunnel, kämen nicht aus dem Schockzustand heraus. Unter emotionalem Druck reagierten Opfer anders als mit Abstand zur Situation. Die Teilnehmenden würden durch die Fortbildung nicht zu „Hilfspolizisten“, so Gack, sie vergrößerten vielmehr die Reichweite, um Menschen auf die Problematiken aufmerksam zu machen. Wer sich in einer Gefahrenlage befinde, solle immer die 110 wählen. Der Referent rief aber auch die Teilnehmenden zum Selbstschutz auf: Bei aller Zivilcourage sei es auch wichtig, sich nicht selbst zu gefährden. Interessierte können sich an das Amt für Stadtentwicklung und an die Polizeiprävention wenden. -nke-