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Verloren geglaubte Zeitdokumente

Stadtmuseum zeigt Notenbücher von Ruth Poritzky in Fotoausstellung über Deportation badischer Juden

Besonderer Beitrag: Katrin Dort zeigt BM Käuflein und Museumsleiter Leikam (l.) die wiederentdeckten Notenbücher. Besonderer Beitrag: Katrin Dort zeigt BM Käuflein und Museumsleiter Leikam (l.) die wiederentdeckten Notenbücher. © Stadt Karlsruhe, Georg Hertweck

Bei Ausstellungseröffnungen laufen musikalische Darbietungen in der Regel als Rahmenprogramm. Ganz anders verhielt es sich dagegen am vergangenen Sonntag im Stadtmuseum. Da war der musikalische Part mindestens gleichrangig mit den Fotos in der Ausstellung. Zudem unterstrich der große Beifall für das Duo Claus Temps (Bariton) und Heike Bleckmann (Klavier) den besonderen Charakter der Darbietung. Denn es war ein berührender Moment, als die Musik der jüdischen Künstlerin Ruth Poritzky mehr als 80 Jahre nach ihrer Ermordung durch die Nationalsozialisten wieder erklang.

Dass diese Aufführung überhaupt möglich wurde, verdankten Stadtarchiv und Stadtmuseum einem glücklichen Zufall, wie Archivleiterin Dr. Katrin Dort erläuterte. Die Notenbücher von Poritzky, die sich unter dem Pseudonym Ruth Porita in den 20er und frühen 30er Jahren „als eigenständige und sehr interessante Komponistin“ einen Namen gemacht habe, galten als verschollen, bis sie die Augsburger Kirchenmusikerin Eva Martin dem Archiv übereignete. Ihre Großtante sei 1946 als Flüchtling aus der Tschechoslowakei in Karlsruhe gelandet, berichtete Martin, „aber wie sie in den Besitz der Notenbücher kam, ist völlig unklar“.

Dieser Zufallsfund ist nun Bestandteil der Ausstellung „…von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“, die Fotos von der Deportation der badischen Jüdinnen und Juden in das Lager Gurs im Oktober 1940 zeigt. Die vom Förderverein „Ehemalige Synagoge Kippenheim“ zur Verfügung gestellte Präsentation umfasst 45 Bilder aus sieben badischen Städten und Gemeinden. In Karlsruhe seien zwar keine Bilddokumente der Verbrechen entstanden, berichtete Museumsleiter Dr. Ferdinand Leikam, dennoch stellten die Aufnahmen „eine wichtige Ergänzung der schriftlichen Überlieferung und der Aussagen von Zeitzeugen“ dar. Nachdem vor kurzem erst bei einer Gedenkreise nach Gurs an den 85. Jahrestag der Deportation gedacht wurde, unterstreiche die Ausstellung erneut, „dass wir uns dieser Verantwortung weiter bewusst sind“, betonte Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. „Politik, Verwaltung und Gesellschaft müssten dafür Sorge tragen, die Erinnerung lebendig zu halten, zumal „die Zeit der Zeitzeugen langsam zu Ende geht“. Die Ausstellung ist bis zum 1. Februar zu sehen. -eck-

Dieser Artikel erscheint in der StadtZeitung Nr. 44 am 30. Oktober 2025. Die Inhalte der StadtZeitung schon lesen, bevor sie im Briefkasten steckt: Im ePaper sind alle Ausgaben digital verfügbar.

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