"Ich bin Hesse". Als gebürtiger Frankfurter sagt sich das für Eckhart Nickel leicht. Doch für den Schriftsteller ist dieser Satz mehr als ein Herkunftsnachweis. Zugleich brachte Nickel damit seine lebenslange Bewunderung für Hermann Hesse zum Ausdruck. Dass der Literaturpreis, den er in dieser Woche erhielt, den Namen Hesses trägt, „erfüllt mich mit tiefer Demut und einer allumfassenden Dankbarkeit“, bekannte der 58-Jährige in seiner Dankesrede.
"Dem Schönen verpflichtet"
Zuvor hatten ihm Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und der Vorstandsvorsitzende der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe, Prof. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, den mit 15.000 Euro dotierten Preis überreicht. Eckhart Nickel entwerfe, so die Begründung der Jury, "schillernde Kunstverstecke gegen die graue, überreglementierte Gegenwart". Sein Roman "Punk", für den Nickel den zum 26. Mal verliehenen Hesse-Preis erhielt, stelle nach den Vorgängerwerken "Hysteria" und "Spitzweg" den "architektonischen Höhepunkt einer ästhetisch einzigartigen Trilogie" dar. Für den Schriftsteller Jan Drees, der die Laudatio hielt, habe Eckhart Nickel einen "Roman überbordender Komplexität" geschaffen. Er spielt in einer Welt, in der ein mysteriöser "weißer Lärm" jegliche Wahrnehmung von Musik verhindert. Nickel, dessen Literatur "sich dem Schönen verpflichtet fühlt", beziehe damit Position "gegen den Aderlass unserer humanistischen Erfolgsgeschichte", so die Ansicht von Drees.
Flucht aus dem Iran
Zweiter Preisträger des Abends war Amir Gudarzi, der für seinen Roman "Das Ende ist nah" den mit nunmehr 7.500 Euro dotierten Förderpreis erhielt. Diese Aufstockung passe bestens, befand OB Mentrup, da Gudarzi "ein mehr als notwendiges literarisches Werk" vorgelegt habe. Das Debüt des aus dem Iran stammenden und in Wien lebenden Autors zeichnet die Migrationsgeschichte des Protagonisten auf dem Weg ins Exil auf. Gudarzi überblende "hemmungslose Gewaltresiduen einer Theokratie mit dem Spießrutenlauf durch die rechtsstaatliche Asylbürokratie", würdigte die Jury. Für Laudator und Literaturredakteur Dr. Stefan Kister sind an "Das Ende ist nah" zwei Aspekte bemerkenswert: Die Darstellung einer „transzendentalen Obdachlosigkeit“ des Protagonisten und das Architektur-Motiv mit inhaltlicher Gliederung in verschiedene Stockwerke.
In der Tradition eines politischen Autors
Wie der Stiftungsvorsitzende Schmidt-Bergmann feststellte, nehme die Auswahl der diesjährigen Preisträger auf die Tatsache Bezug, dass Hermann Hesse auch ein politischer Autor gewesen sei. Sowohl die Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Zensur in "Punk" als auch das Thema Migration in "Das Ende ist nah" passten hierzu. Auch OB Mentrup unterstrich, dass der Hesse-Preis Schriftsteller würdige, die "tiefgründige, gesellschaftlich relevante und künstlerisch anspruchsvolle, hinterfragende Literatur schaffen."