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Solide Finanzierung gefordert

Selbstverpflichtung des Gemeinderats gegen Mittelkürzungen / Bedarf wächst weiter

Teilnehmerinnen beim Pressetermin des Paritätische Wohlfahrtsverbands mit den Karlsruher Frauenhäusern. v.l.n.r.: Dr. Katrin Lehmann, Verena Meister, Dr. Ute Leidig, Ulrike Stihler und Stefanie Sickinger Teilnehmerinnen beim Pressetermin des Paritätische Wohlfahrtsverbands mit den Karlsruher Frauenhäusern. v.l.n.r.: Dr. Katrin Lehmann, Verena Meister, Dr. Ute Leidig, Ulrike Stihler und Stefanie Sickinger © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin

Laut Kriminalstatistik 2023 stieg die Zahl registrierter Fälle häuslicher Gewalt in Baden-Württemberg gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 16 400 Fälle. Dem gegenüber stehe ein lückenhaftes Hilfesystem, so der Paritätische Wohlfahrtsverband beim Pressetermin mit den Karlsruher Frauenhäusern anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen, der am 25. November begangen wird.

Deutschland hat sich der „Istanbul-Konvention“ zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt verpflichtet. Laut der Konvention fehlen in Baden-Württemberg rund 2 000 Frauenhausplätze und zudem Beratungsstellen. Die Ampel-Koalition wollte mit dem Gewalthilfe-Gesetz Abhilfe schaffen, nach dem Scheitern der Regierung ist die Umsetzung fraglich. Aus diesem Grund fordern die Teilnehmerinnen eine landeseinheitliche solide Finanzierung.

„Es steht im Ermessen der Kommunen, ob sie spezialisierte Angebote für Opfer, Täter und mitbetroffene Kinder von Gewalt einrichten und fördern“, so Dr. Katrin Lehmann, Referentin für Frauen und Mädchen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. Menschen stehe ein gesetzlicher Anspruch auf Hilfe zu. Zwar existierten hier 44 Frauenhäuser und 109 Beratungsstellen, sie könnten die Bedarfe jedoch nicht abdecken.

Plakat zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Mit einer Selbstverpflichtung hatte der Karlsruher Gemeinderat beschlossen, die Mittel nicht zu kürzen. Die Selbstverpflichtung müsse alle zwei Jahre erneuert werden, so die Gleichstellungsbeauftragte Verena Meister. Zudem seien Kürzungen nicht ausgeschlossen. Der bisherige Erfolg führe zu erhöhtem Bedarf: Die Staats­anwaltschaft schicke mehr Täter zum Anti-Gewalt-Training. Auch durch die verbesserte Zusammenarbeit mit Polizei und dem Familiengericht steige die Nachfrage, die sie allerdings nicht bedienen könnten.

„Wenn wir wollen, dass Frauen aus dem Dunkelfeld kommen, müssen wir selbst sichtbar werden“, ergänzte Ulrike Stihler, Geschäftsführerin des Vereins zum Schutz misshandelter Frauen und deren Kinder. Es dauere im Schnitt sieben Jahre, bis sich Gewaltbetroffene Hilfe suchten. In dem Moment sei ein Anrufbeantworter nicht hilfreich. Das Verständnis des Karlsruher Gemeinderats sei ungewöhnlich, meinte Lehmann. Falls das Bundesgesetz scheitere, müsse man über eine Landesgesetzgebung nachdenken. -nke-

Dieser Artikel erschien in der StadtZeitung Nr. 47 am 22. November 2024.
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