Bei seiner Rede zur Einbringung des Doppelhaushalts 2026/2027 kündigte OB Dr. Frank Mentrup an, dass es – wie in der Vergangenheit – darum gehe, „Karlsruhe in die zu Zukunft führen“, wenngleich unter nochmals verschärften Rahmenbedingungen, „sodass diese Zukunft mitunter ziemlich düster aussieht.“ Sie müssten „mit den Menschen, den Bürgerinnen und Bürgern, den Institutionen eine Perspektive entwickeln.“ Im früheren Jahrzehnt sei es richtig gewesen, „jeden zusätzlichen Euro umgehend in die Entwicklung der Stadt investiert zu haben“, zitierte er aus seinen vergangenen Haushaltsreden, für zusätzliche Dienstleistungen „zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und der Gäste unserer Stadt“. Gleichzeitig sei es künftig richtig, all das zu hinterfragen, sich auf „das noch Mögliche oberhalb des absolut Nötigen zu beschränken“ und Aufgaben zu verteilen, um nicht dauerhaft die Handlungsmöglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken. Die Stadt müsse sich „mehr denn je fokussieren“.
Prioritäten setzen
Im Kern gehe es um Priorisierung: Was für die Stadt künftig noch leistbar sei, worauf man verzichten könne und müsse – und die Frage danach, was nötig sei, um „das Wesentliche, das, was uns wichtig ist, zu sichern“. Als Präsident des Städtetags Baden‑Württemberg sehe er täglich, wie dramatisch sich die Finanzlage der Städte und Gemeinden zuspitze, resümierte der Oberbürgermeister. Das Grundproblem sei die Unwucht, „dass die kommunale Ebene 25 Prozent der staatlichen Aufgaben erbringt, aber nur 14 Prozent der Einnahmen zugewiesen bekommt“. Zudem übertrügen Bund und Länder den Kommunen immer neue Pflichtaufgaben in der Bildung, bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten sowie bei Klimaschutz oder Digitalisierung, ohne die notwendige finanzielle Ausstattung. Mentrup wies zudem auf „fatale Systemfehler“ etwa in der Finanzierung der Krankenhäuser und des ÖPNV hin. Das im Grundgesetz geregelte sogenannte Konnexitätsprinzip solle sicherstellen, dass vom Bund beauftragte Aufgaben auch vom Bund finanziert werden, es werde allerdings „ausgetrickst“ und finde oftmals keine Anwendung. In der Folge fahre die kommunale Handlungsfähigkeit mit Volldampf an die Wand, befand Mentrup. Fast 90 Prozent der Mitgliedsstädte im Städtetag könnten keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen.
Neue Kommunen-Finanzierung
Der Städtetag fordert eine strukturelle Neuordnung der Finanzbeziehungen, unter anderem eine stärkere Beteiligung an der Umsatzsteuer, „und vor allem ein klares Bekenntnis: Wer bestellt, muss auch bezahlen. Es reiche nicht, Aufgaben weiterzureichen und sich dann aus der Verantwortung zu ziehen. Von Lippenbekenntnissen zur Bedeutung der Kommunen allein können wir unsere kommunalen Haushalte nicht ausgleichen.“