Bei der ersten „Ameisen-weg-Woche“ in Neureut hat die Verwaltung die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, gemeinsam gegen die invasive Art Tapinoma magnum vorzugehen. Denn nur durch gemeinsames Handeln bestehe eine realistische Chance, die Ausbreitung der Kolonien wirksam einzudämmen, verdeutlichte Karen Eßrich, Koordinatorin der Ameisenbekämpfung vom städtischen Gartenbauamt. Das Interesse an den drei Vor-Ort-Terminen war nicht nur bei den Einwohnerinnen und Einwohnern Neureuts groß – auch aus umliegenden Stadtteilen und Gemeinden kamen Interessierte, um sich Tipps für die erfolgreiche Ameisenbekämpfung zu holen und untereinander auszutauschen. So kamen je rund 50 Personen an den drei Tagen.
Eßrich hat gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Martens von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und Diplom-Biologe Dr. Manfred Verhaagh, früherer Leiter der Insektenkunde und seit 2025 ehrenamtlicher Mitarbeiter des Naturkundemuseums Karlsruhe, Fragen beantwortet und verschiedene Bekämpfungsmethoden vorgestellt. Die vorgestellten Bekämpfungsmethoden sind günstig und mit Haushaltsmitteln durchführbar. „Wir wollen, dass Sie nicht weiter mit Giften hantieren“, betont Martens, der an der Entwicklung der Methoden maßgeblich beteiligt war.
Um zu verhindern, dass Ameisen ins Haus eindringen, kann Kieselgur verwendet werden. Das feine Pulver verklebe die Atemröhrchen der Insekten, so dass diese erstickten. Das Kieselgur kann als Barriere an Türen und Fenstern genutzt werden. Allerdings weist Martens darauf hin, dass dies nur bei Trockenheit funktioniere. Eine weitere Methode, die Martens erfolgreich getestet hat, ist die Bekämpfung mit Hilfe eines Lochsteins aus dem Baumarkt. Die Lochsteine werden an einer Ameisenstraße platziert und mit einer Folie abgedeckt. Fängt es an zu regnen oder wird der Bereich außen rum gewässert, versuchen die Ameisen ihre Brut zu retten und bringen diese in den Löchern des Steins in Sicherheit. Der Stein mit den gefangenen Ameisen und der Brut wird dann in einem Eimer mit Wasser und Spülmittel versenkt. Ameisen und Brut werden aus dem Stein gespült und können anschließend mit Hilfe eines Siebes herausgefiltert und mit kochendem Wasser abgetötet werden. „Die Lochsteinmethode ist interessant, weil sie Königinnen anlockt“, verdeutlicht Verhaagh. Denn anders als andere Arten, so erklärt es der Experte, kann Tapinoma magnum tausende Königinnen haben. Letztendlich gibt es jedoch kein Patentrezept zur Ameisenbekämpfung. „Wir müssen viele Methoden ausprobieren“, sagt Eßrich.
Um sich in Neureut gegenseitig zu unterstützen, sei es wichtig, dass sich die Nachbarschaft untereinander vernetzt. Auch Anwohner Wolfgang Proß sieht das so: „Ich habe eine ‚Selbsthilfegruppe‘ gegründet.“ Über einen QR-Code können Interessierte direkt beitreten. Viele Anwesende nutzten die Möglichkeit direkt. Ebenso setzen sie sich auf eine Liste, um gemeinsam ein Heißwasserdampfgerät für den privaten Gebrauch anzuschaffen. Kosten: rund 3000 Euro – auf mehrere Nutzende verteilt, ist das deutlich günstiger als der Einsatz eines professionellen Schädlingsbekämpfers. -gia-