"Gewalt darf keinen Platz haben"
Auch Generalkonsul Mahmut Niyazi Sezgin würdigte die vom Stadtarchiv gestaltete Stele als "eine edle Geste der Stadtverwaltung". Damit werde drei Menschen Respekt erwiesen, die durch ihren gewaltsamen Tod ein Teil der Stadtgeschichte wurden. Zwar seien die Täter nie ermittelt worden, sagte Sezgin, doch "wir wissen, was ein Brandanschlag gegen Menschen in den 90er Jahren bedeutete". Gewalt in welcher Form auch immer, so der Appell des Generalkonsuls, "darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben". So hege er die Hoffnung, dass das Mahnmal "zur Säule einer Freundschaft zwischen deutschen und türkischen Menschen wird".
OB Mentrup erinnerte in seiner Ansprache an das Entsetzen nach dem Brandanschlag: "Das Verbrechen wühlte die Stadtgesellschaft seinerzeit auf und verunsicherte die türkische Gemeinschaft in Karlsruhe stark." Die in den 1990er Jahren stark zugespitzte und emotionalisierte Debatte um Asylsuchende habe zu Mordanschlägen gegen türkische Familien in Mölln und Solingen geführt. Ob auch in Karlsruhe rassistische Motive zugrunde lagen, oder ob das Feuer von einem Pyromanen gelegt wurde, konnte die kriminalpolizeiliche Sonderkommission seinerzeit nicht zweifelsfrei klären.
OB Mentrup: "Konsequenzen für das Heute und Morgen ziehen"
Weil mit dieser Tat aber Menschen auf brutalste Weise das Recht abgesprochen worden sei, ihr Leben in dieser Stadt aufzubauen, müssen "wir uns gerade in diesen Tagen daran erinnern und unsere Konsequenzen für das Heute und Morgen ziehen“, sagte Mentrup. Karlsruhe sei schon immer eine "weltoffene, multikulturelle, tolerante Stadt" gewesen. 120.000 von den aktuell 300.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Fächerstadt kämen aus dem Ausland oder hätten Migrationshintergrund. Ohne diese Geschichte, so der OB, hätte Karlsruhe nicht "diese erfolgreiche, lebendige und von hoher Lebensqualität geprägte Stadtgesellschaft". Das Denkmal in der Markgrafenstraße erinnere in erster Linie an Fethiye und Alahittin Yilmaz sowie an Hüseyin Evcim – "das sind wir ihnen schuldig". Zugleich sei es aber auch eine Selbstvergewisserung, auf welchen Säulen die Stadtgesellschaft aufgebaut ist.