Wie können Städte und Gemeinden schneller zu dringend benötigtem Wohnraum kommen? Diese Frage treibt auch die Verwaltung in der Fächerstadt um. Eine Antwort darauf bietet nach Einschätzung von Bürgermeister Daniel Fluhrer das Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung, kurz „Bauturbo“, genannt.
Nachdem der Bundestag im Herbst 2025 die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen hatte, läuft nun seit Januar die Pilotphase – und das mit „sehr erfreulicher Entwicklung“, wie Fluhrer bei einem Pressegespräch bilanzierte: „Karlsruhe hat den Bauturbo erfolgreich implementiert“.
Insgesamt 58 Vorhaben seien bisher eingereicht worden, davon wurde bei 19 eine Zustimmung erteilt, während es 28 Ablehnungen gab. Letzteres führt Monika Regner, Leiterin des Bauordnungsamts, darauf zurück, dass teilweise „Altfälle“, die in der Vergangenheit bereits negativ beschieden wurden, nun noch einmal auf die Agenda kämen. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht zu gefährden, bedürfe es hier einer „sehr differenzierten Abwägung“, sagte Regner.
Die Zahl der mit dem Bauturbo ermöglichten Wohneinheiten bezifferte die Leiterin des Stadtplanungsamts, Heike Dederer-Schöberl, auf aktuell rund 40. Weitere 250 seien schon „planerisch angeschoben“ mit Aussicht auf Realisierung, ergänzte Fluhrer, so etwa auf dem BMD-Areal in Durlach.
In erster Linie entstehe der Zuwachs durch Aufstockungen, was den Zielen der Stadt entspreche. Man wolle „die bisherige Philosophie nicht konterkarieren“, so Dederer-Schöberl, wonach Bauen in zweiter Reihe und im Außenbereich ebenso wenig Priorität genießen wie Umnutzung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum.
Die Implementierung des Bauturbo bedeutete für die städtischen Dienststellen erheblichen Aufwand. So musste unter anderem die Hauptsatzung angepasst werden, damit nicht jeder Einzelfall in den Gemeinderat geht. Vorhaben mit städtebaulicher Relevanz werden nun dem Planungsausschuss vorgelegt.
Zudem erstellt das Stadtplanungsamt bei größeren Vorhaben, die einen Bebauungsplan ersetzen, städtebauliche Verträge. Doch der Mehraufwand lohne, betonen die Verantwortlichen, denn „es ist ein Signal an die Bauherren“, so Bürgermeister Fluhrer. -eck-