Von außen wirkt das Gebäude neben dem Schulzentrum Südwest fast ein wenig unscheinbar. Doch betritt man die Halle durch das großzügig verglaste Foyer, sorgt die Dimension der Sporthalle für einen "Aha-Effekt". Dann wird auch deutlich, was es mit einer "zweifachen Dreifeldsporthalle“ auf sich hat: Sechs verschiedene Spielfelder erstrecken sich auf zwei baulich voneinander getrennte Gebäudeteile.
Noch laufen in der Halle letzte Restarbeiten, doch nach den Osterferien soll der Sportbetrieb starten. Darüber und über die baulichen Besonderheiten des Projektes informierte vor kurzem Bürgermeister Daniel Fluhrer zusammen mit Thomas Gillich, stellvertretender Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft, Architekt Lukas Hundhausen vom Büro "raum-z Architekten" und Projektleiterin Ute Stegmann bei einem Rundgang vor Ort. Nach Fluhrers Einschätzung wird die Halle "ein Juwel für Oberreut" und "mehr als nur eine Sportstätte", sie habe vielmehr "Ausstrahlung auf das gesamte Carré".
Nachdem der Vorgängerbau aus den 1970er Jahren wegen massiver Baumängel und Asbestbelastung abgebrochen wurde, entstand in dreieinhalbjähriger Bauzeit eine Konstruktion mit vielen Besonderheiten. Unter dem durchlaufenden Hallendach wurden die Sportflächen in das Gelände eingetieft. Hier konnte die Planung- und Bauleitung teilweise auf die Grube vom Rückbau der alten Halle zuückgreifen. Der vordere, Richtung Nordwesten gewandte Hallenteil ist für Veranstaltungen vorgesehen, wie etwa für die Spiele der Zweitliga-Volleyballerinnen des SVK Beiertheim. Hierfür stehen eine ausfahrbare Tribüne mit 600 Plätzen und weitere Servicebereiche zur Verfügung. Der hintere Bereich dient ausschließlich dem Schul- und Vereinssport sowie dem Trainingsbetrieb der angehenden Fitnesskaufleute aus der benachbarten Engelbert-Bohn-Schule.
Im Innern der Halle sorgen großzügige Verglasungen sorgen für eine hohe Transparenz und einen lichtdurchfluteten Raum. Architekt Hundhausen hat dabei nach eigener Ansicht "kein klassisches Farb-, sondern eher ein Materialkonzept" verfolgt. Im Vordergrund stand die Verwendung von Holzbauteilen. So ist das Dach mit Ausnahme der V-förmigen Stahlstützen im Eingangsbereich aus Brettschichtholz erstellt. Dieses Materialkonzept sorgt laut Hundhausen für ein angenehmes Raumklima, "im Sommer wie im Winter". Diverse Farbtupfer setzt das Orientierungssystem mit seinen roten Schildern. "Es erinnert an einen Ball", sagt Projektleiterin Stegmann, "der durch das Gebäude springt". Als weiterer Blickfang thront zudem ein überdimensionaler, von der Künstlerin Anna Kolodziejska gestalteter Federball über dem Eingang.
Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist zudem die Nachhaltigkeit. Bei Bau wurde Recyclingbeton verwendet und auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaik-Anlage, deren Ertrag über den Bedarf des Gebäudes hinausgeht. Ihre Heizenergie bezieht die Halle aus dem vorhandenen Nahwärmenetz, die Wärme wird über eine niedrig temperierte Fußbodenheizung verteilt. Dank des Passivhaus-Standards beziffert Thomas Gillich den Energiebedarf auf "maximal ein Zehntel des Vorgängerbaus". Die auf 36,88 Millionen Euro veranschlagten Gesamtkosten werden nach Einschätzung von Ute Stegmann aller Voraussicht nach eingehalten. -eck-
Eckdaten des Projekts
Im Juli 2016 Stilllegung der bestehenden Dreifeldsporthalle aus den 1970er Jahren aufgrund von massiven Mängeln.
15. Mai 2018: Gemeinderatsbeschluss, zwei Dreifeldhallen am Schulzentrum Südwest in Oberreut zu realisieren. Die Verwaltung wird mit der Durchführung eines Planungswettbewerbs beauftragt.
Februar 2019: Abschluss Wettbewerbsverfahren. Der Entwurf des 1. Preisträgers (raum-z architekten GmbH mit osd management GmbH) soll umgesetzt werden
17. Juni 2020: Projektvorstellung und Beschluss des Projektes im Hauptausschuss
Ende 2021: Beginn Schadstoffsanierung und Abbruch der Bestandshalle
Ende 2022: Baubeginn Neubau
April 2026: Fertigstellung, Aufnahme des Schulbetriebs nach den Osterferien
Projektkosten 36,88 Millionen Euro
Zuschuss des Landes Baden- Württemberg aus der kommunalen Sportstättenbauförderung in Höhe von 600.000 Euro
Bruttogrundfläche (BGF): ca. 6.300 m², davon ca. 2.430 m² reine Sportfläche