Der Diplom-Archivar Eric Wychlacz zeigt sein „dickstes Amtsbuch“: Das „Durlacher Pfundzettelbuch“ stammt von 1742, ist rund 30 Zentimeter dick und wiegt etwa acht Kilogramm. Wychlacz, der im Stadtarchiv arbeitet, wälzt den Einband aus Leder und Stoff. Die Ränder wirken abgefasst, gezeichnet von den Spuren jahrhundertelangen Gebrauchs.
Das Buch der damaligen Finanzverwaltung ist eines von fast einer halben Million Dokumenten, die in fünf sogenannten Magazinen im Stadtarchiv lagern. In einer ehemaligen städtischen Pfandleihe in der Markgrafenstraße untergebracht, dient die Institution als „Gedächtnis der Stadt“. Im großen Lesesaal – dem „Herzstück“ – können Besucherinnen und Besucher selbst recherchieren. Mittlerweile haben sie rund acht Millionen Unterlagen digitalisiert, allerdings ist nicht alles davon im Netz zugänglich. Für die intensive Recherche lohne daher der Besuch vor Ort in der Markgrafenstraße, hier können die Angestellten bei der gezielten Suche helfen.
Aber was landet eigentlich im Stadtarchiv? Sie prüften und übernähmen Unterlagen städtischer Dienststellen, teils auch von Vereinen, Firmen oder Privatpersonen, erklärt Wychlacz. Was ins Stadtarchiv übernommen wird, bleibt dann für immer. Um Schädlingsbefall zu vermeiden, frieren sie neu ankommendes Archivgut für fünf Tage bei minus 20 Grad ein, anschließend wird es in den Magazinen bei 18 Grad eingelagert. Beschädigtes Material wird, falls nötig, restauriert. Wychlacz erinnert sich an ein Projekt, bei dem mehr als 16.000 Bauakten Restaurierungsmaßnahmen unterzogen wurden. 5.000 Pläne lagen teilweise nur in Schnipseln vor. Die Kolleginnen der Restaurierung und Buchbinderei mussten sie akribisch wieder zusammenpuzzeln, erzählt er.