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"Das Gefühl gebraucht zu werden"

Der "Soziale Arbeitsmarkt in Karlsruhe" vermittelt Beschäftigungsangebote

Graphik 10 Jahre Sozialer Arbeitsmarkt Der „Soziale Arbeitsmarkt in Karlsruhe“ (SAMka) vermittelt Beschäftigungsangebote © Stadt Karlsruhe, Layout Cindy Streeck

Seit zehn Jahren gibt es in Karlsruhe einen kommunal finanzierten „Sozialen Arbeitsmarkt“. 2013 wurde das einzigartige Projekt vom Gemeinderat beschlossen und ab 2014 umgesetzt. Jetzt  feierten die Akteure von einst und heute das kleine Jubiläum mit Vorträgen und Diskussion.

Bürgermeister Martin Lenz betonte in seiner Begrüßung, dass jeder ein Recht auf Arbeit habe. Das Konzept – maßgeblich vorangetrieben von der Arbeitsförderung Karlsruhe (afka) – „bietet einen stabilen Rahmen“. Über 900 Menschen hätten seither auf diesem Weg Beschäftigung gefunden, viele seien wieder in den ersten Arbeitsmarkt zurückgekehrt, etwa im Handwerk, im Verkauf, in der Betreuung – oder ganz allgemein im Bereich sozialer Tätigkeiten. Es gehe dabei auch um „das Gefühl gebraucht zu werden“.

Stellvertretend für die Liga der freien Wohlfahrtspflege Karlsruhe würdigte Pfarrer Wolfgang Stoll von der Diakonie „den Geburtstag unseres gemeinsamen Kindes“. Er nannte den Gemeinderatsentscheid von 2013 „einen wegweisenden und mutigen Entschluss“, für den er sich „viele Nachahmer im Land und im Bund“ wünsche.

Für 2025 wurden wieder 220 SAMka-Maßnahmenplätze genehmigt

Der „Soziale Arbeitsmarkt in Karlsruhe“ (kurz: SAMka) vermittelt Beschäftigungsangebote für Menschen, die langzeitarbeitslos sind und Bürgergeld beziehen. Die verschiedenen Helfertätigkeiten – beispielsweise bei der Heimstiftung, in der AWO-Werkstatt, oder beim Projekt Sozialer Garten der „afka“ in Wolfartsweier – sind gemeinnützig und angesiedelt bei sozialen Organisationen oder Einrichtungen. Die Wochenarbeitszeit beträgt in der Regel 15 bis 30 Stunden, es wird eine Aufwandsentschädigung bezahlt.

Für 2025 wurden wieder 220 SAMka-Maßnahmenplätze bei acht verschiedenen Trägern bewilligt. Die Maßnahmen sind „niederschwellig“ für Teilnehmende, die sonst ohne Perspektive auf eine Beschäftigung bleiben.

Zum Anlass des zehnjährigen Bestehens kam der Soziologe Prof. Jörg Flecker von der Universität Wien zu einem Festvortrag in den Albert-Schweitzer-Saal. Flecker forscht im Bereich Arbeitsmarkt/ Arbeitsorganisation und referierte über das Projekt „MAGMA“ (Modell Arbeitsplatzgarantie) in Grammatneusiedl. Die 3700-Einwohner-Gemeinde südlich von Wien wurde vor Jahrzehnten bekannt durch die Arbeitersiedlung Marienthal.

Auch in Grammatneusiedl geht es um die Schaffung von Beschäftigung für Langzeitarbeitslose. Die Maßnahme dort wurde von der Uni Wien mit einer Studie begleitet. 112 Menschen kamen in dem Ort zwischen 2020 und 2024 in Arbeit. Das Team der Uni untersuchte Wohlbefinden, psychische Gesundheit, aber auch Aspekte wie Anerkennung und das wahrgenommene Gefühl der Wertschätzung bei insgesamt 38 Probanden.  

Youtube-Film: Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens von SAMka erarbeiteten die beiden Filmemacher Stefanie Knoll und Murat Arshan eine 10-minütige Dokumentation. In dem Kurzfilm wurden vier Betroffene an ihren jeweiligen Arbeitsstätten besucht und zu ihren Eindrücken und (teils sehr persönlichen) Lebensumständen befragt. Der Film ist über QR Code abrufbar.  -stj-

Dieser Artikel erschien in der StadtZeitung Nr. 42 am 18. Oktober 2024. Die Inhalte der StadtZeitung schon lesen, bevor sie im Briefkasten steckt: Im ePaper sind alle Ausgaben digital verfügbar.

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