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Cluster Kollektiv im Interview

Karlsruher Medienkünstler sprechen über ihre Show

Cluster Kollektiv mit dem BBBank-Award in der Hand. Cluster Kollektiv mit dem BBBank-Award in der Hand. © Stadt Karlsruhe, Presse- und Informationsamt, Gianna Ronge

Die Karlsruher Medienkünstler Cluster Kollektiv zeigen ihre Show "For Headlights crave Hindsight too" bei den diesjährigen Schlosslichtspielen. Bei den BBBank-Awards sind sie mit dem dritten Platz ausgezeichnet worden. Im Interview erzählen Charlotte Nies, Armin Baehr und Florian Schwarz über die Hintergründe des Projekts.

Um was geht es bei eurer Show?

Charlotte Nies: "For headlights crave hindsight too" ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Allgegenwärtigkeit der Digitalisierung und unserer Haltung dazu. Wie gestaltet sich ein rücksichtsvoller Umgang zwischen Menschen und Algorithmen in geteilten Räumen? Die Arbeit basiert auf der menschlichen Fähigkeit des Perspektivwechsels und lässt die Welt durch Sensoren-Augen erfahren und dessen Feinfühligkeit, aber auch Fehlbarkeit erleben. Die Show reflektiert unter anderem die Schönheit, die in Fehlbarkeit zu finden ist. Wahrnehmung und die Realität die man sich daraus bildet ist relativ. Das betrifft sowohl Menschen, als auch Sensoren.

Habt ihr euch für die Schlosslichtspiele erstmals als Cluster Kollektiv zusammengetan?

Armin Baehr: Nein, uns gab es vorher schon, aber noch nicht unter dem Namen Cluster Kollektiv.

Nies: Wir haben das erste Mal in China zusammen ausgestellt. Das war 2018. Das war damals noch ein HfG-Projekt. Den Namen Cluster Kollektiv gibt es seit November 2022. Wir haben dann irgendwann gemerkt, dass wir einen Namen brauchen, wenn wir jetzt weiter zusammen arbeiten.

Baehr: Cluster Kollektiv ist unsere professionelle Freizeit, wie Charlotte gerne sagt.

Wann ist die Idee für die Schlosslichtspiele entstanden?

Nies: Wir haben das erste Mal 2020 schon darüber geredet. Aber eingereicht haben wir einen Beitrag im Oktober 2022. Wir haben ein Konzept, ein Storyboard und Portfolios eingeschickt. Erst danach geht es an die Umsetzung und Entwicklung. Da verändert sich dann natürlich auch noch etwas – sowohl auf der visuellen als auch auf der Sound-Ebene.

Baehr: Die Aufteilung war dann so, dass Charlotte und ich den visuellen Teil gemacht haben und Flo den Sound.

Nies: Häufig wird bei solchen Arbeiten der Sound in Auftrag gegeben. Aber hier war es von Anfang an so, dass wir alle drei an dem Konzept gesessen haben und den Sound immer wieder an das Bild angepasst haben.

Florian Schwarz: Man greift auf viele Arbeiten zurück, die man vorher gemacht hat. Ich nehme Sounds auch selber auf, von irgendwelchen komischen Geräten.

Zum Beispiel?

Schwarz: Der Milchaufschäumer von Armins Kaffeemaschine ist in der Show zu hören.

For headlights crave hindsight too

Schlosslichtspiele 2023, Illumination der Karlsruher Schlossfassade, achte Ausgabe
"For headlights crave hindsight too" des Kluster Kollektiv bei den Schlosslichtspielen 2023.
Auf dem Schloss wird das Stück "For headlights crave hindsight too" des Kluster Kollektiv angekündigt. Das Wasser eines Brunnen reflektiert die Farben.

Wie habt ihr die Idee für eure Show entwickelt?

Nies: Man bekommt mit der Ausschreibung Themen vorgegeben. Darin geht es um Formen gesellschaftlichen Zusammenhalts, Digitalisierung und Zukunftsperspektiven.

Baehr: Ein gewisser Startpunkt war der Datensatz, den wir hatten. Es gab diesen Moment, als wir ein Video von einem autonom fahrenden Fahrzeug gesehen haben, das wir mit einem Technobeat hinterlegt haben. Da haben wir gesagt: „Wow, das sieht gut aus.“ Dann kam das Thema mit den Sensoren der autonomen Fahrzeuge hinzu, die eine gewisse Wahrnehmung haben. Die Sensoren nehmen Punkte auf und setzen diese dann zu einem Bild zusammen.

Nies: Uns ging es dann darum, was bedeutet das? Unser Ansatz war, die dahinterstehende Technik zu diskutieren.

Schwarz: An Universitäten wird häufig nicht diskutiert, was für einen Impact Technologie auf die Gesellschaft, auf die Umwelt und die Menschen hat.

Nies: Da hatten wir die ganz großen Fragen (lacht). Und dann haben wir die Gemeinsamkeiten gesucht.

Wie ging es dann weiter?

Nies: Nachdem wir ausgezeichnet worden sind und den Auftrag für die Show bekommen haben, ging dann die eigentliche Arbeit los. Davor hatten wir nur das Konzept und das Storyboard.

Hattet ihr jemals das Gefühl, nicht rechtzeitig fertig zu werden?

Baehr: Ja, am Tag davor (lacht).

Nies: Das Schloss hat 8 Mal HD-Auflösung. Um die Show in diese Größe umzuwandeln, muss man sehr viel Rechenzeit einplanen. Das haben wir zwar. Aber wenn der Computer dann drei Tage rechnet, wird man doch irgendwann unruhig, auch wenn man weiß, dass eigentlich alles funktioniert.

Was bedeutet es für euch, euer Werk auf der Schlossfassade vor so großem Publikum zu erleben?

Baehr: Es ist toll. Wir schaffen Werke um mit Menschen in Dialog zu treten. Die Schlosslichtspiele haben eine größere Reichweite und Aufmerksamkeit als unsere bisherigen Ausstellungen und Shows. Wir haben viele unheimlich kreative, engagierte und nette Leute kennengelernt, und freuen uns einfach darüber.

Schwarz: Und was viele nicht wissen, ist, dass Künstlerinnen und Künstler ihre Show zum ersten Mal live sehen am Abend vor der Premiere. Aber das tatsächliche Erleben der Show geschieht erst während der Premiere selbst, wenn man die Reaktion der Besucherinnen und Besucher mitbekommt.

Lidar-Technik

Lidar ist ein System zur Echtzeitgenerierung von hochauflösenden 3D-Informationen und steht für "Light Detection and Ranging". Die Sensoren verwendet Laserstrahlen, um Objekte in der Umgebung zu erkennen und eine 3D-Ansicht in Echtzeit zu erstellen.

Anders als bei einem Radar erfassen Lidar-Sensoren ihre Umwelt einzig mit Hilfe von Licht durch einen Fotosensor. Dafür berechnet das System, wie lange es dauert, bis ein ausgesendeter Laserstrahl auf ein Objekt trifft und zurückreflektiert wird. Anhand der vielen ausgesendeteten Lichtsignale wird eine 3D-Karte der Umgebung erstellt.

Cluster Kollektiv verwendet diese Technik in seiner Show.

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