Die Wolken über Karlsruhe wirkten bedrohlich, aber bis auf einzelne Tropfen hielt der Himmel dicht: der Auftakt der achten Schlosslichtspiele am Mittwoch vergangene Woche kann als gelungen gewertet werden. “Hoffnungshorizonte”, so heißt der Titel der diesjährigen Session, mit täglicher Illumination der Karlsruhes Schlossfassade, noch bis zum 17. September. Die ersten Aufführungstage, die folgten, waren von sommerlich-tropischer Abendstimmung geprägt.
Acht neue Beiträge stehen diesen Sommer auf dem Programm: darunter, gleich zu Beginn jeden Abends, das Lied “Wir sind Daten” – eingespielt mit eigenem Gesang von Peter Weibel im Jahr 2013 im österreichischen Krems, mit dem der Begründer der Lichtspiele, Whistleblowern wie Edward Snowden ein musikalisches Denkmal setzt – das mit flimmernden Buchstaben an der Schlossfassade illuminierte Stück ist zugleich Hommage an den im März verstorbenen früheren Chef des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM).
Das Motto dieses Jahr: „Hoffnungshorizonte. Dawn of Devices“
Das Motto der diesjährigen Spielzeit der Schlosslichtspiele „Hoffnungshorizonte. Dawn of Devices“ hatte Peter Weibel, langjähriger Kurator der Schlosslichtspiele und bis Anfang des Jahres künstlerischer Vorstand des ZKM, noch persönlich ausgewählt. Der Untertitel des Mottos „Dawn of Devices“ bezieht sich auf den Gedanken der ZKM-Ausstellung „Renaissance 3.0“, die von Weibel konzipiert wurde und noch bis 7. Januar 2024 im ZKM zu sehen sein wird.
Wie schon in den Vorjahren ist der Besuch der Lichtspiele kostenlos. Sie finden zwischen dem 16. August und dem 17. September täglich statt und starten bei Einbruch der Dämmerung. Ende ist von Sonntag bis Donnerstag jeweils um 23:15 Uhr. Am Freitag und Samstag enden die Schlosslichtspiele gegen 23:45 Uhr. Noch bis 26. August ist die Startzeit um 21:00 Uhr und vom 27. August bis 2. September um 20:45 Uhr. Während den vier Wochen allabendlicher Aufführungen am Schlossplatz zeigen die Schlosslichtspiele in Erinnerung an Peter Weibel in diesem Jahr alle Shows des langjährigen ZKM-Leiters.
Besonders viel Applaus erhielt am Premierenabend, 16. August, ein Kaleidoskop der Kulturen – der Gewinnerbeitrag des BBBank-Awards, “Bhinneka Express”, der indonesischen Künstlergruppe “The Fox, The Folks”. Bei der Präsentation geht es um Diversität, soziale Veränderungen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die dreiköpfige Künstlergruppe war mit dabei vor Ort, und hatte erstmals selbst die Gelegenheit, die Projektion an der Schlossfassade zu erleben.
Eine Zeitreise in das bunte Jahrzehnt der 1980er Jahre - mit „Maxin10sity“
Jeden Abend kommen zwischen zwölf und 15 verschiedene Projektionen an der Schlossfassade zur Aufführung: Eine Zeitreise in das bunte Jahrzehnt der 1980er Jahre ist beispielsweise die neue Show des ungarischen Künstlerkollektivs „Maxin10sity“, das bereits seit einigen Jahren Shows für die Schlosslichtspiele Karlsruhe konzipiert – es nimmt auch Anleihen an der zeitgleich im Badischen Landesmuseum gezeigten Ausstellung „Die 80er - Sie sind wieder da!“.
Thematisiert wird in einer anderen Projektion auch Künstliche Intelligenz: Wie der Name der Show AI+GA bereits andeutet, bedient die Gruppe Overlapping-Studio, Simone Serlenga sich Künstlicher Intelligenz (AI) und generativer Kunst (GA). Auch Karlsruher Teilnehmer sind mit unter den Künstlern, das Cluster Kollektiv: „For headlights crave hindsight“ beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Frage, wie eine Zukunft aussehen kann, in der sich Menschen und Algorithmen mit Sensibilität Räume teilen.
Schon am zweiten Samstag im August hatte am Schlossplatz die legendäre Elektropop-Gruppe “Kraftwerk” die Zuhörer fasziniert – und das Equipement der Schlosslichtspiele mit genutzt. Es war eine in der Geschichte der Band einmalige Performance vor dem Karlsruher Schloss und das einzige Deutschland-Konzert der Gruppe dieses Jahres. Die Kontakte gingen auf die langjährige Freundschaft zwischen Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter und Peter Weibel zurück.