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Alles eine Frage der Toleranz

Erfolgreiche Premiere des neuen Formats "Forum Aktive Mobilität"

Über das Thema Toleranz im Straßenverkehr diskutieren die Expertinnen und Experten auf dem Podium. Über das Thema Toleranz im Straßenverkehr diskutieren die Expertinnen und Experten auf dem Podium. © Stadt Karlsruhe, Georg Hertweck

Neues Format, neue Schwerpunkte und einige "Dauerbrenner". So lässt sich das Forum "Aktive Mobilität" charakterisieren, das am 19. November seine Premiere als Nachfolger des bisherigen "Radlerforums" feierte. Nicht etwa Details, wie Umbauten von Kreuzungen, sollten im Vordergrund stehen, sondern "Fragen, die kontrovers und spannend sind", gab Bürgermeister Daniel Fluhrer eingangs als Devise aus, also "wie die Gesellschaft Mobilität erlebt" – und der Plan ging bei Podium wie Plenum auf.

Parkplatznot in der Wohngemeinschaft

Ein Beispiel dafür lieferte Science-Slammerin Nina Dieterle. Warum nicht mal den Verkehrsraum als Wohngemeinschaft denken, sagte sich die KIT-Studentin. Klingt im ersten Moment etwas absurd, aber das Gedankenexperiment ist gar nicht so abwegig. "Niemand hat genug Platz, niemand hält sich an den Putzplan und ständig parkt einer im Flur", erklärte Dieterle. In der WG wie auch im Straßenverkehr sei daher vor allem ein Faktor zielführend, der zugleich eines der zentralen Themen an  diesem Abend war: Gegenseitige Rücksichtnahme.

"Shared Spaces" oder getrennte Verkehrswege?

Radprofessorin Claudia Hille von der Hochschule Karlsruhe hatte dazu unter anderem Unfallstatistiken ausgewertet. „Wir stehen vor einem Dilemma“, befand sie, denn die technologische Entwicklung bringe immer mehr Menschen aufs Rad, was zu einem Anstieg der Unfallzahlen führe.  Die Ursachen hierfür seien vielfältig und reichten von abgestellten Pkw über unachtsame Fußgänger bis hin zum unterschiedlichen Geschwindigkeitsniveau der Radelnden. "Man muss Fuß- und Radverkehr gemeinsam denken", lautete Hilles Fazit, "aber gemeinsame Flächen vermeiden". 

Auch Caroline Kramer, Professorin für Humangeografie und Geoökologie am KIT, plädierte in ihrem Vortrag für eine gemeinsame Betrachtung. Die Frage "wo können alle mobil sein?"  führte bei ihr allerdings zur Präferenz von "Shared Spaces", was in der anschließenden Diskussion auch kontrovers beurteilt wurde. Darüber  hinaus präsentierte Kramer interessante Zahlen aus einem Promotionsprojekt, das sich mit dem Zusammenspiel von Wohnen und Mobilität beschäftigt.

"Nicht auf ihrem Recht beharren"

"Alle, die am Verkehr teilnehmen, brauchen ein gewisses Maß an Toleranz", lautete das Credo von Günter Riemer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg. Zugleich "müssen wir den Menschen beibringen, nicht auf ihrem Recht zu beharren", empfahl Riemer. Für Dr.-Ing. Matthias Zimmermann vom KIT spielt die "Einheit von Bau und Betrieb" bei Rad- und Fußverkehrsanlagen eine wichtige Rolle. Praktische Erwägungen müssten bei der Planung im Vordergrund stehen. Zu den Unfallzahlen merkte er an, dass diese in Karlsruhe nicht anstiegen, wobei "Radunfälle ohne Personenschaden oft in der Statistik gar nicht auftauchen".

E-Scooter als Problem benannt

Themen bei der anschließenden Diskussionsrunde waren außerdem die "Push-Maßnahmen" zur Förderung aktiver Mobilität, Bedeutung von Fahrradverleihsystemen, Intermodalität, Gestaltung von Kreisverkehren und E-Scooter. Letztere konnten indes
auf wenig Sympathie zählen und wurden einhellig als Problem bezeichnet. Nachdem im Anschluss an das Forum die Gäste an Stellwänden ihre Meinungen zu Radwegenetz, Fußverkehrsförderung und Parkraumkonzept äußern konnten, würden weitere Detailfragen nun in Arbeitsgruppen erörtert, kündigte Bürgermeister Fluhrer an. -eck-

Dieser Artikel erscheint in der StadtZeitung Nr. 48 am 28. November 2025.

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