Bürgermeister Dr. Albert Käuflein ist seit Januar 2018 einer der fünf Beigeordneten. Er leitet das Dezernat 2 im Rathaus, zuständig für Kultur, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Personal und Organisation, Stadtentwicklung und Informationstechnik sowie Digitalisierung. Kürzlich wurde er bis Ende 2033 wiedergewählt. Redaktionsleiter Florian Kaute hat ihn zusammen mit Redakteur Nicolay Ketterer unter anderem zu den Themen Sicherheit, Kultur und Digitalisierung befragt.
Herr Dr. Käuflein, Sie wurden kürzlich in Ihrem Amt bestätigt für acht weitere Jahre. Mit welchem Gefühl starten Sie in Ihre neue Amtszeit?
Zunächst mit Freude über die Wiederwahl, aber auch Dankbarkeit für das große Vertrauen, das der Gemeinderat in mich gesetzt und mich mit einem guten Ergebnis wiedergewählt hat. Das verstehe ich auch als Bestätigung meiner bisherigen Arbeit.
„‘Passt euch nicht der Welt an, sondern gestaltet sie mit.‘“
Was treibt Sie an, die Wiederwahl angestrebt zu haben und dieses Amt auszuführen?
Mich treibt an, etwas zu gestalten. Wenn ich meine beruflichen Stationen anschaue – ich war mal wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni, dann lange bei der katholischen Kirche und habe dort Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Dann wurde ich ehrenamtlich Stadtrat und über diese Funktion Bürgermeister. Manchmal existieren gerade von außen Vorstellungen, was ein Bürgermeister alles machen und entscheiden könne. Man darf das Amt des Bürgermeisters nicht überschätzen. Aber da und dort gelingt es einem doch, etwas zu gestalten. Auf meiner Webseite zitiere ich einen Dominikaner-Pater, der Professor für christliche Gesellschaftslehre ist. „Passt euch nicht der Welt an, sondern gestaltet sie mit“, hat er in Anlehnung an ein Paulus-Zitat formuliert. Das finde ich recht gut getroffen.
Sie haben es bereits angesprochen – viele Menschen können sich nichts unter Ihrem Beruf als Bürgermeister vorstellen. Wie sieht Ihr Alltag aus?
Generell versuchen der Oberbürgermeister und die fünf Bürgermeister, die Verwaltung in einer guten Weise zu steuern. Außen wahrgenommen werden vor allem Repräsentationstermine. Gestern Abend war ich beispielsweise beim KIT und habe dort ein Grußwort gesprochen. Heute Abend bin ich beim Bürgerverein in der Oststadt und so geht es weiter. Das wäre natürlich schön, wenn man nur solche Termine hätte. Nein, der normale Alltag bedeutet für mich, dass ich schlicht und einfach hier sitze, arbeite – übrigens sehr digital, da liegt nur ein kleiner Stapel Papier mit wenigen Notizen – und versuche, die Verwaltung zu steuern. Heute beispielsweise habe ich Briefe freigegeben, Stellungnahmen, Grußworte und Vorlagen für Sitzungen sind hier durchgelaufen.
Inwieweit haben sich die Themen geändert seit dem Beginn ihrer ersten Amtszeit?
Die Themen, die mich umtreiben, sind eigentlich identisch geblieben, aber die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt. Das gilt sowohl weltweit – wir haben eine völlig veränderte Welt als noch vor acht Jahren – als auch bei der Stadtverwaltung selbst. Was gestern noch als selbstverständlich galt, wird heute infrage gestellt. Das andere Thema ist uns natürlich hier auch nah und bewusst – die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich geändert. Die Herausforderungen, die Probleme – das, was wir machen sollen, ist eigentlich gleichgeblieben.
Lassen Sie uns konkret auf das, was gleichgeblieben ist, und das, was sich gewandelt hat, blicken. Karlsruhe ist zum Beispiel eine sehr sichere Stadt, dennoch gibt es Orte, an denen sich Menschen nicht so wohl fühlen, etwa am Europaplatz oder in der Amalienstraße. Wie können Sie dazu beitragen, dass das Sicherheitsgefühl weiter gestärkt wird?
Ganz wichtiges Thema: Wenn Sie die Kriminalstatistik mit anderen Städten gleicher Größe vergleichen, sind wir eine sichere Stadt. Dazu passt nicht so gut, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung unter diesem objektiven Befund liegt. Sicherheit hat nicht nur damit zu tun, was an Straftaten, an Ordnungswidrigkeiten passiert, sondern auch damit, wie der öffentliche Raum erlebt wird. Vom Europaplatz aus auf den Ludwigsplatz zu gehen, zeigt den Unterschied deutlich – der Ludwigsplatz ist belebt, mit Gastronomie und Geschäften, und vermittelt auch nachts ein Gefühl von Sicherheit. Der Europaplatz dagegen hat dunkle Arkaden und zurückliegende Hauseingänge. Ein aktuelles Gutachten zum Werderplatz zeigt, dass sich durch gezielte Maßnahmen die Situation verbessern lässt. Gestaltung, Nutzung und Beleuchtung des öffentlichen Raums sind daher entscheidend. Sicherheit ist somit nicht allein Aufgabe des Bürgermeisters, sondern eine Querschnittsaufgabe, die Planung, Gestaltung und Stadtleben gleichermaßen einbezieht.
Wenn ich kurz beim Ordnungsamt bleibe: Die objektiv gute Sicherheitslage hängt auch mit der sehr guten Zusammenarbeit mit der Polizei zusammen. Da gibt es einen kurzen Draht, man tauscht sich aus zwischen Polizeibehörde und Polizeivollzugsdienst. Die Polizeipräsidentin kommt auch in die Bürgermeisterkonferenz. Es gibt regelmäßige Termine zwischen ihr und mir. Aktuell haben wir auch das Thema diskutiert, dass die Innenstadt an manchen Ecken einen unaufgeräumten Eindruck macht. In dem Zusammenhang ist auch das integrierte Stadtentwicklungskonzept „Karlsruhe 2040“ als großes Vorhaben wichtig, an dem sich die Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Dabei sollen Leitlinien entstehen, wie Karlsruhe im Jahr 2040 aussehen soll – wie zum Beispiel der Wohn- und Lebensraum der Stadt gestaltet werden soll.
„Es geht darum, dass Leute aus falsch verstandener Tierliebe systematisch in großen Mengen Futter ausbringen. Das müssen wir unterbinden.“
Ein Thema hinsichtlich Sauberkeit in der Stadt war beispielsweise die Taubenpopulation. Wie will die Stadt das Problem künftig in den Griff bekommen?
Wir haben das Problem im Griff, nicht nur künftig, sondern gegenwärtig: Durch einen Gemeinderatsbeschluss versuchen wir nach dem „Augsburger Modell“ die Taubenpopulation zu reduzieren. Wir haben Taubenschläge, die von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern betreut werden. Die Stadt bezahlt das Futter, die Tauben haben dort ihre Nester und die meisten Eier werden durch Gipsattrappen ausgetauscht. Dadurch ist die Population schon etwas reduziert worden. Wir erwarten, dass die Reduktion weiter voranschreitet. Dabei ist auch nicht unwichtig: Den Tauben geht es gut in der Stadt. Sie sind im Normalfall nicht krank oder ausgehungert. Deswegen kann ich an der Stelle nur appellieren, die Tauben bitte nicht zu füttern. Wir forcieren jetzt das Fütterungsverbot, stellen Schilder auf. Da geht es nicht um die ältere Dame, die mit ihrem Enkel auf der Parkbank sitzt und dem Vogel mal ein Stück von ihrem Brötchen hinwirft. Es geht darum, dass Leute aus falsch verstandener Tierliebe systematisch in großen Mengen Futter ausbringen. Das müssen wir unterbinden. Wir haben auch erste Erfolge, die Leute zu ergreifen und entsprechend zu bestrafen. Wir wollen die Population senken. Das lässt sich am Kronenplatz gut sehen – die Gebäude sind durch Taubenkot total beeinträchtigt. Im Grunde bräuchten wir auch am Kronenplatz einen Taubenschlag. Das ist auch vorgesehen.
Im Kulturbereich herrscht nach den Sparmaßnahmen im Doppelhaushalt Anspannung. Wie bewerten Sie die Lage der Karlsruher Kulturszene?
Zunächst: Karlsruhe ist eine Kulturstadt. Wir geben pro Einwohner mehr Geld für Kultur aus als andere Städte. Dabei haben wir „Leuchttürme“ wie das ZKM oder das Staatstheater. Dazu haben wir eine breite Basis. Ich glaube, dass wir beides brauchen. Aber ich bin gezwungen, in allen Bereichen, für die ich Verantwortung trage, zu kürzen. Der Gemeinderat hat die Kürzungsvorschläge, die ich eingebracht habe, etwas modifiziert, was völlig in Ordnung ist. Diese Krise hat dann ein Ende – das sagt der Oberbürgermeister bei vielen Gelegenheiten – wenn die Kommune die Mittel von Bund und Land bekommt, die sie braucht, um die Aufgaben zu erfüllen, die man von ihr erwartet. Insofern haben wir eine Krise, von der ich hoffe, dass sie mal zu Ende geht, weil die Situation der Kommunen landauf, landab doch sehr kritisch ist.
Was uns meiner Ansicht nach bisher sehr gut gelungen ist: Wir haben weder die verschiedenen Bereiche wie Sport, Kultur, Soziales, noch die Einrichtungen innerhalb des Kulturbereichs gegeneinander ausgespielt. Ich erlebe eine große Solidarität untereinander. Man hilft einander, die großen Einrichtungen den kleinen. Es gibt Allianzen und Kooperationen. Das tut gut, das so zu erleben. Und ich glaube, dass wir unterstützen können – in einer konzertierten Aktion der Kulturschaffenden und der Stadt, aber auch von Akteuren, die wir noch erschließen müssen. Denn wir haben Menschen in der Stadt – Personen, Institutionen, Wirtschaftsunternehmen – die durchaus in der Lage sind, zu sagen: „Jetzt helfe ich der Kultur in der Stadt, weil mir das wichtig ist und ich anerkenne, dass die Stadt nicht mehr kann wie bisher.“ Zur Wahrheit gehört auch die Bereitschaft, an der ein oder anderen Stelle für ein kulturelles Angebot vielleicht etwas mehr zu bezahlen. Im Staatstheater wurden vor einiger Zeit die Preise etwas angepasst, nach dem – wie wir sagen – „Robin Hood-Prinzip“: Die teuren Karten haben wir stärker erhöht als die preiswerten, weil der Zugang zur Kultur daran nicht scheitern soll.
Dass auch die Bürgerschaft ihren Beitrag leisten soll, war in Karlsruhe bislang nicht etabliert. In Baden-Baden wurde die Förderung durch Gönner viel früher angegangen, etwa beim Festspielhaus. Seit 2024 existiert die Karlsruhe Stiftung, die es erleichtern soll, dass Bürgerinnen und Bürger die Stadt finanziell unterstützen können.
Ja, das ist völlig richtig, was Sie sagen. Ich gehe selbst gerne ins Festspielhaus. Im Programmheft und auf deren Tafel stehen die Sponsoren des Festspielhauses. Da sind viele Karlsruher dabei. Die haben das alles sehr gut gemacht. Ich habe großen Respekt davor, dass sie wirklich einen namhaften Betrag jedes Jahr für das Festspielhaus ausgeben. Das Festspielhaus ist allerdings eine ganz andere Unternehmung als ein staatliches Theater. Das heutige Staatstheater wurde früher vom Hof und später von Stadt und Land bezahlt. Aber ich will keine Kritik an Karlsruhe üben oder andeuten, dass hier etwas versäumt wurde. Warum sollte ich als Bürger eine öffentliche Einrichtung finanziell fördern? Jetzt hat sich die Situation geändert und wir müssen auf Menschen zugehen, die in der Lage sind, das zu tun.
Was Digitalisierung angeht: Wie können Prozesse für Bürgerinnen und Bürger vereinfacht werden?
Bei der Digitalisierung gibt es drei Gründe, warum wir das machen: Digitalisieren, um die Arbeit zu erleichtern. Zweitens, weil es die Leute erwarten und wir auch – Stichwort Online-Zugangsgesetz – dazu verpflichtet sind. Und drittens, weil wir auf Dauer Ressourcen sparen. Eigentlich müssen wir viel schneller und umfassender digitalisieren. Auf der anderen Seite kostet Digitalisierung zunächst Geld. Das bedeutet, wir können das nicht in der Geschwindigkeit machen, wie wir uns das wünschen. Wir müssen die Digitalisierung, so glaube ich, stärker priorisieren.
Ein weiterer Gesichtspunkt: In manchen Teilen der Bevölkerung existiert eine gewisse Unzufriedenheit, dass das Rathaus nicht digital genug sei. Andererseits haben wir digitale Angebote, die nicht wirklich genutzt werden. Zum Beispiel können sie mit i-Kfz Ihr Auto anmelden, abmelden, ummelden – jedenfalls in den allermeisten Fällen, wenn sie nicht gerade einen 100 Jahre alten Oldtimer importieren. Bei der Nutzung sind wir jedoch im einstelligen Prozentbereich und in Karlsruhe unter dem Landesdurchschnitt.
Wir sind selbstverständlich auch weiterhin persönlich an den Schaltern da. Es gibt viele Anliegen, die sich ohne Termin erledigen lassen. Wenn wir noch digitaler werden, können wir mit weniger Personal die identische Leistung erbringen, ohne dass es einen Nachteil für die Menschen hat. Wir hatten gerade einen Probebetrieb mit Videotelefonie im Ordnungs- und Bürgeramt. Ich kann per Videogespräch ein Anliegen erledigen. Alle Termine waren sofort ausgebucht. Auch für das Amt gehen diese Prozesse schneller. da müssen wir hin. Das ist eine Gegensteuerung zur Einsparung.
Woran möchten Sie sich Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen – und woran möchten Sie auch von den Karlsruherinnen und Karlsruhern gemessen werden?
Das ist natürlich am Beginn einer neuen Amtszeit eine verwegene Frage. Was ist in acht Jahren? Insofern fällt es mir ein bisschen schwer, das zu beantworten. Ich beginne mal damit, was ich nicht möchte: Bei Verabschiedungen wird immer gerne aufgezählt, was in der Amtszeit alles passiert ist – als ob derjenige, der an der Spitze steht – ob Bürgermeister oder Amtsleiter – das alleine zu verantworten hätte. Das ist, glaube ich, ein bisschen zu einfach. Ich fände es schön, wenn man am Ende sagt, „wir haben die und die Vorhaben gemeinsam hingekriegt, der verantwortliche Bürgermeister, mit den Amtsleitungen, mit der Mitarbeiterschaft. Und wir haben es ebenso gemeinsam geschafft, mit den Kulturinstitutionen durch die aktuelle Krise zu kommen.“