Am vergangenen Samstag fand im Kulturzentrum Tollhaus die Kulturwerkstatt des Kulturbüros Karlsruhe statt. Unter dem Titel „Publikum 360° – Auf dem Weg zu einer diskriminierungsfreien Kultur“ diskutierten zahlreiche Kulturschaffende, Expertinnen und Experten sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Stadtgesellschaft und Politik, wie Kultur für alle zugänglich und frei von Diskriminierung gestaltet werden kann.
Kulturbüroleiterin Susanne Ablaß eröffnete die Veranstaltung mit einem eindringlichen Appell, der die Verantwortung jedes Einzelnen betonte: „Diskriminierung betrifft uns alle, und wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Kulturinstitutionen inklusiv und ohne Ausgrenzung zu gestalten.“ Sie hob besonders die Problematik des Klassismus im Kulturbereich, also die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres vermuteten oder wirklichen sozialen Status, hervor und unterstrich die Notwendigkeit, Kultur für alle Menschen zugänglich zu machen – unabhängig von physischen oder sozialen Barrieren.
Wichtige Impulse der Referenten: „blinde Flecken“ stärker identifizieren
Expertinnen und Experten gaben dazu am Samstag wertvolle Impulse. Annette Ganter von der Antidiskriminierungsstelle Karlsruhe zeigte auf, wie Diskriminierung oft unbeabsichtigt entsteht und welche Auswirkungen dies haben kann. Sie machte zudem auf den Nachholbedarf beim Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) aufmerksam, das eine rechtliche Grundlage bietet, in der Praxis jedoch oft nicht ausreicht. Judith Blumberg, ehemalige Diversitätsbeauftragte des Badischen Staatstheaters regte an, bestehende „blinde Flecken“, das heißt Bereiche in Institutionen, in denen Diskriminierung nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, stärker zu identifizieren. Anna Lampert von der Bildungsstätte Anne Frank stellte in ihrer Präsentation das Konzept des „Powersharing“ vor, um Entscheidungsmacht gerechter zu verteilen.
Neben den theoretischen Beiträgen wurden auch konkrete Best-Practice-Beispiele aus Karlsruhe vorgestellt. Der interkulturelle Projektraum Cola Taxi Okay präsentierte seine Arbeit, dabei Formate, an denen Menschen auch ohne Deutschkenntnisse teilnehmen können, wie Musikveranstaltungen und Koch-Events. Das Kulturzentrum p8 betonte die Bedeutung von „Awareness- und Power-Sharing-Maßnahmen“, während die Arbeitsgruppe barrierefreie Kultureinrichtungen mit dem „Netzwerk Inklusion“ eine enge Zusammenarbeit zwischen Karlsruher Museen und Kulturinstitutionen fördert, um barrierefreie Angebote langfristig zu etablieren.
Interaktives „Walking World Café“
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein interaktives „Walking World Café“, bei dem die Teilnehmenden an verschiedenen Stationen über Diskriminierung, Barrierefreiheit und Vielfalt diskutierten. Die lebhaften Gespräche verdeutlichten den großen Bedarf an Information und Austausch, und die Teilnehmenden formulierten konkrete Erkenntnisse zur Erhöhung der Diversität in Kultureinrichtungen und der Schaffung zugänglicher Räume für sozial benachteiligte Gruppen.
„Nicht ohne uns über uns“ – dieser zentrale Grundsatz begleitet die Bemühungen um eine inklusivere Kultur. Karlsruhe setze mit der Veranstaltung einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer gerechteren Kulturlandschaft, so das Resümee der Initiatoren des Kulturbüros in einer Mitteilung.