Die Glocke läutet, die Ampel springt auf Rot, die Schranken schließen sich und kaum eine halbe Minute später ist der Zug schon durch. Diese seit vielen Jahren gewohnte Situation wird am Bahnübergang Brunnenstückweg in Rüppurr früher oder später der Vergangenheit angehören. Entweder müssen Verkehrsteilnehmer auf dem Weg zu den Sportplätzen der SG Rüppurr oder zu den Aussiedlerhöfen deutlich länger warten – oder gar nicht mehr, wenn es nach der Stadtverwaltung geht.
Schließung ist "inakzeptabel"
Sie bevorzugt den Ersatz der ebenerdigen Kreuzung durch eine Brücke und dabei ist Eile geboten. "Es wird jetzt ernst", verdeutlichte Tiefbauamtsleiter Martin Kissel im Planungsausschuss des Gemeinderats, "denn der Bahnübergang ist abgängig, die Technik ein Dinosaurier". Weil die Bahn diese Anlage nicht mehr weiter instandhalten könne, stünden nun drei Szenarien im Raum: komplette Schließung, Modernisierung oder Ersatz. Die beiden ersteren Möglichkeiten "sind für uns inakzeptabel", betonte Kissel. Bei der Modernisierung komme neue Technik nach aktuell gültigen Vorschriften zum Einsatz. Diese würde die Schließzeiten mehr als verdoppeln, innerhalb einer Stunde seien die Schranken dann mehr als 30 Minuten unten, und das bei annähernd gleichbleibender Zugfrequenz.
Unterführung doppelt so teuer
Daher setzt die Stadt auf Ersatz durch eine Brücke oder einen Tunnel. Unter verschiedenen Varianten kamen vier Optionen in die engere Wahl, am Ende benannte das beauftragte Planungsbüro je eine Vorzugsvariante für eine Über- und Unterführung. Beide Lösungen schnitten in der Umweltverträglichkeitsstudie zu den erforderlichen Eingriffen in die Landschaft etwa gleich ab, doch beim Tunnel gibt es ein K.O.-Kriterium: Er wäre mit geschätzten 30 bis 35 Millionen Euro Baukosten etwa doppelt so teuer wie die Brücke. Weil Bund, Land und Bahn bereits klargestellt hatten, dass sie nur die wirtschaftlichste Lösung finanzieren werden, blieben die Mehrkosten für die Unterführung damit bei der Stadt hängen. In Zeiten knapper Kassen ein gewichtiges Argument für die Brücke, die bei ihrer Realisierung nördlich des jetzigen Bahnübergangs läge und einschließlich der Rampen rund 320 Meter lang wäre. Aus Gründen des Hochwasserschutzes müssen die Dämme kurz ausfallen, so dass die Straße über sechs Stützen verlaufen soll. Damit der Begegnungsverkehr auch mit größeren Fahrzeugen reibungslos funktionieren kann, ist eine Straßenbreite von sieben Metern auf der Brücke erforderlich.
Bürgerinformation in Rüppurr
Aus den Reihen der Ratsfraktionen wurde das Vorhaben unterschiedlich beurteilt. Aljoscha Löffler (GRÜNE) blickte mit leichter Sorge auf die Zeitschiene: "Ist es realistisch, dass bis 2028 schon ein Ersatzbauwerk steht?" Ansonsten könnte die Gefahr drohen, dass die Bahn doch neue Sicherungstechnik mit langen Schließzeiten einbauen muss. Während Tilmann Pfannkuch (CDU) noch weitere Informationen für eine Entscheidungsfindung benötigt, kann Dr. Raphael Fechler (SPD) "in Abwägung von Kosten und Nutzen" die Vorzugsvariante mittragen. Lüppo Cramer (KAL) sprach sich aus Gründen des Landschaftsbilds für eine Unterführung aus und Anne Berghoff (LINKE) lehnte das Projekt rundweg ab: "Es ist ein bisschen traurig, dass man 2024 noch ein so autozentriertes Bauwerk in die Landschaft zu stellen."
Bevor im Oktober im Gemeinderat die finale Entscheidung fallen soll, wird nun zunächst die Bürgerschaft in Rüppurr in Kenntnis gesetzt werden. Hierzu findet am Mittwoch, 2. Oktober, um 18 Uhr im Nebenraum von Kühners Wirtshaus (Rastatter Straße 23) eine Informationsveranstaltung statt.