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Reformer und Wirtschaftsförderer

Großherzog Friedrich I. von Baden vor 200 Jahren geboren / Enge Verbindungen zum preußischen Königshaus

Großherzog Friedrich (r.) neben Wilhelm I. in der zweiten Fassung des Gemäldes „Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches“ (1882) , dargestellt durch
Historienmaler Anton von Werner. Großherzog Friedrich (r.) neben Wilhelm I. in der zweiten Fassung des Gemäldes „Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches“ (1882) , dargestellt durch Historienmaler Anton von Werner. © StAK

Es ist vor allem ein Ereignis, das Großherzig Friedrich I. von Baden im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert: Bei der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles brachte der badische Monarch das erste Hoch auf Kaiser Wilhelm I. aus – und löste damit ganz nebenbei eine kleine diplomatische Krise.

Denn im Vorfeld des Ereignisses wurde diskutiert, ob Wilhelm nun als „Kaiser von  Deutschland“ oder „Deutscher Kaiser“ tituliert werden solle. Am Ende wurde es weder noch, denn Friedrich ließ kurzerhand „seine Majestät Kaiser Wilhelm“ hochleben.

Die Nähe des vor 200 Jahren am 9. September 1826 geborenen badischen Großherzogs zum preußischen Monarchen – wie sie der Maler Anton von Werner in seinem berühmten Gemälde von der Kaiserproklamation (unser Bild) verewigte – dabei kein Zufall. Friedrich hatte 1856 Luise, die Tochter des Preußenkönigs, geheiratet und damit große Vorbehalte in Baden ausgelöst. Nur sieben Jahre zuvor hatte Wilhelm als Oberbefehlshaber der preußischen Truppen die badische Revolution von 1849 blutig niedergeschlagen.

In die Zeit nach der Revolution fiel Friedrichs Amtsantritt, der 1852 zunächst Regent für seinen unheilbar geisteskranken älteren Bruder Ludwig und 1856 formell Großherzog wurde. Trotz der großen Herausforderungen gelang es ihm, das Ansehen der Untertanen zu gewinnen, so dass „seine Regierungszeit für Baden praktisch als ‚die gute alte Zeit‘ angesehen werden konnte“, wie der Historiker Michael Kitzing urteilt. Verantwortlich dafür war in erster Linie die liberale Grundeinstellung Friedrichs als Vertreter einer konstitutionellen Monarchie. Vor allem in der „Neuen Ära“ der 1860er Jahre ließ er eine Reihe von Gesetzesvorhaben auf den Weg bringen, die Badens Ruf als „Musterländle“ begründeten.

Dazu zählten umfassende Reformen im Bereich der Justiz und der Verwaltung sowie – gegen den Widerstand der katholischen Kirche – die klare Unterstellung des Schulwesens unter staatliche Kontrolle. Gleichzeitig förderte Friedrich den wirtschaftlichen Aufschwung des Großherzogtums, etwa durch Einführung der Gewerbefreiheit und durch Anlage zahlreicher Eisenbahnlinien. Auch Wissenschaft und Kultur lagen dem Monarchen, der selbst Geschichtsund Staatswissenschaft studiert hatte, am Herzen. Sichtbar wird dies unter anderem im Namen der Karlsruher Technischen Hochschule (heute KIT), die sich ihm zu Ehren seit 1902 „Fridericiana“ nennt, ebenso wie im während seiner Regentschaft eingeweihten Naturkundemuseum am Friedrichsplatz.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung starb Friedrich im Alter von 81 Jahren am 28. September 1907 auf der Insel Mainau. -eck- 

Dieser Beitrag gehört zur StadtZeitung, die auch in gedruckter Form erscheint. Alle Ausgaben des ePapers sind digital verfügbar.

 

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