Menü
eService
Direkt zu
Suche

Ohne Wohnung keine Teilhabe möglich

Perspektive für 3.333 Menschen / Anstieg auf Vor-Corona-Niveau

Wohnraum gesucht: Aktion auf dem Friedrichsplatz. Wohnraum gesucht: Aktion auf dem Friedrichsplatz. © Stadt Karlsruhe, Lotta Stähr

Um die Entwicklung der Wohnungslosenzahlen aufzuzeigen, legt die Verwaltung dem Gemeinderat seit 1997 alle zwei Jahre einen Sachstandsbericht vor. Dieses „Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe“ bildet zudem das breit gefächerte Hilfesystem mit seinen Angeboten für Menschen in Not ab. Der nun im Gemeinderat vorgestellte 14. Sachstandsbericht zeigt für den Zeitraum 2023/2024 einen Anstieg der Zahl wohnungsloser Menschen auf das Niveau der Vor-​Corona-Jahre.

Zum Stichtag 31. Dezember 2024 waren insgesamt 616 Personen über die Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde untergebracht, im gesamten Jahr 2024 waren es 1.472 Personen. Die Ein-Personen-Haushalte bildeten mit 80 Prozent die größte Gruppe, zwei Drittel der untergebrachten Personen waren Männer. Der Anteil der Familien an allen Untergebrachten (Paare und Alleinerziehende mit Kindern) lag bei 13 Prozent. Hauptgrund für die Kündigung oder die Räumung einer Wohnung ist weiterhin der klassische Mietrückstand – daher ist es das vorrangige Ziel der Fachstelle Wohnungssicherung, den Wohnungsverlust zu verhindern.

Soziale Stadtpolitik

Seit 2005 betreibt die Stadt zudem das Programm „Wohnraumakquise durch Kooperation“. Die Stadt erwirbt bei privaten Vermietern ein Belegrecht für bis zu zehn Jahre. Bis 2024 erhielten insgesamt 3.333 Menschen, darunter 745 Familien mit Kindern, auf diese Weise erschwinglichen Wohnraum – und damit eine erhöhte Chance auf Integration und gesellschaftliche Teilhabe. Auch 304 ehemals wohnungslosen Menschen konnte auf diese Weise mietvertraglich abgesicherter Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Es sei für eine Kommune nicht selbstverständlich, dass für die Ärmsten einer Gesellschaft so viel Wohnraum zur Verfügung gestellt werde wie in Karlsruhe. Dies sei der jahrzehntelangen Tradition sozialer Stadtpolitik geschuldet, erklärte Sozialbürgermeister Dr. Martin Lenz in seiner letzten Gemeinderatssitzung.

Lob und Dank für den „fundierten Sachstandsbericht“ gab es von Ceren Akbaba (Grüne). Es sei aber wichtig, vulnerable Gruppen noch mehr ins Licht zu rücken. Dr. Thomas Müller (CDU) erinnerte daran, dass das Ziel nicht nur die eigene Wohnung, sondern eine Rückkehr in die Gesellschaft sein müsse. Sonja Döring (KAL) hob die Qualität der Karlsruher Wohnraumakquise hervor und sprach von einer engen Kooperation zwischen Verwaltung, Wohngesellschaften und weiteren Akteuren. „Wir fangen nicht bei null an, sondern auf einem hohen Niveau“, bewertete die designierte Sozialdezernentin Yvette Melchien (SPD) das bestehende Hilfesystem. Eigener Wohnraum sei wesentlicher Bestandteil sozialer Teilhabe, so die SPD-Stadträtin. Kiên Nguyen (Volt) sprach von einem „tollen Fundament“, das gepflegt und weitergebaut werden müsse. Nicht zuletzt aufgrund des angespannten Haushalts laste „hoher Druck auf dem sozialen System“, so Nguyen.

Systeme ausdifferenziert

Es sei wichtig und richtig, dass die Menschen nicht allein gelassen werden, erklärte AfD-Stadtrat Rouven Stolz. Hilfen dürften jedoch nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Hier widersprach OB Dr. Frank Mentrup: Die Karlsruher Hilfesysteme seien sehr ausdifferenziert, so der OB. Für Friedemann Kalmbach (FÜR), der auch für die Fraktion der FDP/FW sprach, sei der Erhalt des sozialen Netzes eine der Hauptaufgaben der Stadt. Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen im Herbst werde die Stadt daran gemessen, wie sie mit ihren Ärmsten umgeht, so Kalmbach. -jd-

Dieser Artikel erscheint in der StadtZeitung Nr. 32 am 8. August 2025. Die Inhalte der StadtZeitung schon lesen, bevor sie im Briefkasten steckt: Im ePaper sind alle Ausgaben digital verfügbar.

-

Kopieren Kopieren Schreiben Schreiben