Passender hätte das Thema nicht sein können: Während sich draußen vor dem Rathaus die Temperaturen schon gegen Mittag der 30-Grad-Marke näherten, stand drinnen Trinkwasser im Mittelpunkt – und zwar nicht nur in Flaschen abgefüllt, sondern auch auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte von Karlsruhe und Nancy als Beitrag zum 70. Partnerschafts-Jubiläum.
Den Grundstein zu diesen Treffen habe man zehn Jahre zuvor beim 60. Geburtstag gelegt, erläuterte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup eingangs. Daraus habe sich eine "schöne Tradition" entwickelt, bei der sich nicht nur die Kommunalpolitiker besser kennlernen können, sondern auch Fragen erörtern, die für beide Städte von großer Bedeutung sind. Hierzu zähle zweifellos die Wasserversorgung, denn wie Moderatorin Nicole Köster eingangs deutlich gemacht hatte, nimmt die Brisanz zu: Deutschland habe in den letzten 20 Jahren von seinen Trinkwasservorräten eine Menge eingebüßt, die dem Inhalt des Bodensees entspreche. Daher müsse man die Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang sensibilisieren, appellierte Nancys Oberbürgermeister Mathieu Klein. "Flüsse machen nicht an Grenzen halt und Trockenheit beantragt keinen Pass." Die Antworten auf globale Fragen müssten auf lokaler Ebene gegeben werden.
Internationale Zusammenarbeit besonders wichtig
Hierfür ist Dr. Josef Klinger als Geschäftsführer des Technologiezentrums Wasser ein über die Grenzen der Fächerstadt hinaus gefragter Mann. Aktuell sei das kostbare Nass noch von hervorragender Qualität, konstatierte er in seinem Vortrag, doch stellten beispielsweise Chemikalienverbindungen wie PFAS eine wachsende Bedrohung dar. Sie seien "persistent, mobil, schlecht entfernbar und einige sehr toxisch", berichtete Klinger, "hier müssen wir vorbeugend handeln". Internationale Zusammenarbeit sei auf diesem Gebiet besonders wichtig.
Auch an der Universität Nancy sind Wissenschaftler auf den Spuren des Wassers tätig. So stellten Gabriel Fénisse und Antoine Perrin ihre Forschungen über den Einfluss der Nordatlantischen Oszillation auf die Grundwasserpegel in Lothringen vor. Anschließend informierte Branddirektor Florian Geldner über die Strategien, welche beim Ausfall der Wasserversorgung greifen. Während man in Deutschland empfehle, mindestens zwei Liter Wasser pro Person und Tag zu bevorraten, stehe in den französischen Plänen vermutlich zwei Liter Wein. "Damit dürfte man gut über die Runden kommen", scherzte der Karlsruher Feuerwehr-Chef. Ernste Worte ergriff hingegen Stadtratsvorsitzender Pavlo Yablonskyi aus der Partnerstadt Winnyzja, denn seine Kommune kämpft mit großen Problemen. Die Strategie "Winnyzja 2030" habe unter anderem den Bau eines neuen Wasserwerks vorgesehen, doch "leider bleibt es bei Projekten" – "fast alles ist durch den Krieg nicht mehr umsetzbar".