Neun Werke von Margret Eicher, Lea Gocht und Shanee Roe erweitern die Sammlung des Kunstmuseums Karlsruhe. Der Erwerb zeitgenössischer Künstlerinnen verfolgt eine gezielte Strategie, Lücken im Bestand zu schließen und den Anteil von Künstlerinnen in der Sammlung zu stärken. „Der aktuelle Status quo von 17 Prozent Frauenanteil ist für uns ein Ausgangspunkt, um weiter aktiv an einer ausgewogeneren Repräsentation zu arbeiten“, so Direktorin Stefanie Patruno. „Mit diesen drei Ankäufen setzen wir ein deutliches Zeichen dafür, dass weibliche Perspektiven nicht nur ergänzt, sondern als tragende Säulen unserer Sammlung etabliert werden.“
Mit „Höhlengleichnis“ (2011) und „Stadt der Frauen“ (2016) finden zwei Wandteppiche der Künstlerin Margret Eicher Eingang in die Sammlung und ergänzen als zweite zentrale Werkgruppe vier „Copy-Collagen“, die bereits seit den frühen 1990er-Jahren im Bestand des Kunstmuseum Karlsruhe sind. Die Künstlerin vollzieht mit ihren Tapisserien einen künstlerischen Brückenschlag zwischen Prä- und Postmoderne: Dafür verknüpft Eicher das berühmte Bildmedium mit digitalen Collagen popkultureller Motive und setzt mit ihnen politische Statements.
Shanee Roe begreift in ihren Gemälden „3 Wishes“ (2025) und „Blown Lover“ (2025) den menschlichen Körper als emotionalen und psychischen Erfahrungsraum: Er wird zum Ort innerer Bewegungen, an dem sich Intimität, Unsicherheit und Ironie zu einer Bildsprache verdichten. Beide Arbeiten wurden im Rahmen des "art karlsruhe Preises 2026" gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg erworben.
Auch Lea Gocht arbeitet in ihren Objekten explizit mit Körperlichkeit: Ihre „Katzen“ (2024) – von denen das Kunstmuseum Karlsruhe kürzlich fünf adoptierte – setzen sich aus Schnittmustern mit fotografischen Fragmenten eines weiblichen Körpers zusammen und regen zur Reflexion über Wahrnehmung und Identität an. Die Zwitterwesen aus Mensch und Tier waren bereits 2025 im Rahmen des Werner-Stober-Preises in der Ausstellung „anhedonia II“ im Projektraum des Kunstmuseums zu Gast.
Die Neuzugänge von Margret Eicher, Lea Gocht und Shanee Roe sind ab sofort Teil der Sammlungsausstellung „Update“, deren vierter Szenenwechsel am 22. Mai 2026, 19 Uhr, offiziell eröffnet wird. Bereits am Mittwoch, 6. Mai, um 15 Uhr widmet sich das "Kunsthäppchen" den Werken, wenn es fragt „Wer bestimmt den Kanon? – Frauen in der Kunst neu betrachtet“. Die Kosten belaufen sich zusätzlich zum Eintritt auf zwei Euro.