Einbeinig um Pylonen hüpfen, Bälle durch Reifen werfen – ausgelassen rennen Fünf- bis Sechsjährige der Ettlinger AWO-Kindertagesstätte Wiesenzwerge durch die lichtdurchflutete Turnhalle. Die beliebte „Drachen“-Turnstunde findet im Rahmen des Programms „Bewegungspass“ statt, mit dem die Stadt und der Landkreis Karlsruhe in einem gemeinsamen Projekt einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheitsförderung der Kinder leisten. Mit der AOK Mittlerer Oberrhein, die das Projekt fördert, wurde eine Kooperationsvereinbarung für die nächsten zwei Jahre abgeschlossen.
„Mir macht das Balancieren Spaß“, verrät Ava. Mika und Maleen spielen gern mit dem Ball, während sich die restlichen Kinder einig sind: „Am liebsten hangeln wir an der Reckstange.“ Krabbeln wie ein Krebs, Bälle jonglieren wie ein Seehund, rollen wie ein Bär – in regelmäßigen Übungsstunden erlernen die Kinder motorische Grundfertigkeiten, die in vier Stufen jeweils einem der acht Tiere im Bewegungspass zugeordnet sind. „Klappt eine Übung, erhält das Kind einen der begehrten 32 Drachenaufkleber für sein persönliches Stickerheft“, erklärt die pädagogische Fachkraft Isabel Weber das Konzept. „Wir wollen spielerisch den Grundstein für lebenslange Freude an Bewegung legen.“ Ein Dokumentationsbogen hilft dabei zu sehen, wo die Kinder in ihrer Entwicklung stehen. „So kann jedes Kind individuell gefördert und gefordert werden.“
Als Anerkennung gibt es einen Drachen-Turnbeutel
Acht Paar strahlende Kinderaugen lassen keinen Zweifel am Erfolg der tierischen Bewegungsspiele. Sobald die Kinder alle Drachenaufkleber gesammelt haben, gibt es als Anerkennung einen Drachen-Turnbeutel. „Gerade in den vergangenen Jahren ist die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern im Kindergartenalter signifikant zurückgegangen“, begründet Katharina Ochs vom Geschäftsbereich Prävention der AOK Mittlerer Oberrhein, warum die Krankenkasse das Projekt unterstützt. „Mit Bewegung wird nicht nur die Ausdauer, Kraft und Koordination der Kinder gestärkt, sondern auch deren Persönlichkeitsentwicklung und Resilienz.“
Gesundheitsamt wirbt für das Konzept
In der Stadt Karlsruhe haben sich mittlerweile 53 Kitas und 16 Vereine für das Konzept Bewegungspass zertifiziert, im Landkreis Karlsruhe sind es 90 Kitas und 27 Vereine. „Wir möchten weitere Einrichtungen motivieren, den Bewegungspass einzuführen“, wirbt Simone Kaucher von der Kommunalen Gesundheitsförderung des Gesundheitsamts Karlsruhe für das Konzept, das vom Sportamt der Stadt Stuttgart entwickelt wurde und mit Unterstützung des Landesgesundheitsamtes in ganz Baden-Württemberg verbreitet wird. Die Schulungen der pädagogischen Fachkräfte und der Übungsleitungen von Sportvereinen aus Stadt und Landkreis Karlsruhe werden von Multiplikatorinnen durchgeführt. Das städtische Schul- und Sportamt organisiert die Schulungen zusammen mit dem Gesundheitsamt.
„Mit dem Bewegungspass möchten wir Erziehungsfachkräften ein unkompliziertes Konzept an die Hand geben, das sie – je nach Rahmenbedingungen – individuell ausgestalten können, um die Motorik der Kinder spielerisch zu fördern und die gesamte Bewegungszeit der Kinder zu erhöhen“, erklärt Kaucher und nennt als oberstes Ziel: „Die Kinder sollen Freude an der Bewegung spüren. Denn die positive Erfahrung ist prägend für das ganze Leben.“